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Post-Filialen:Die Warteschlangen bei der Post werden immer länger

Das Aufgeben oder Abholen eines Pakets kann in der Angererstraße in Schwabing schon mal länger dauern.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Münchner müssen an vielen Postfilialen immer länger auf ihre Pakete warten.
  • Besonders am Samstag und nach Feierabend sind die Schlangen extrem lang.
  • Dabei gäbe es in der Stadt insgesamt 360 Orte, um Post aufzugeben oder abzuholen.

"Es ist zum Heulen", jammert die Dame. Sie steht vor der Postbankfiliale an der Meistersingerstraße in Englschalking. Es ist ein Dienstagabend, gemeinsam mit ihr warten dort noch etwa 25 andere Kunden, die alle ein bestelltes Paket abholen möchten. Die Dame steht auf Platz 18, zumindest wenn man nur jene Kunden zählt, die draußen vor der Tür anstehen. Und sie steht hier nicht nur ab und zu, sie ist gewissermaßen geübt.

Am Freitag sei sie mittags hier gewesen, da hatte die Filiale aber zu, erzählt sie. Dann habe sie es samstags zweimal versucht, aber die Schlange war zu lang. "Am Montag habe ich schließlich anderthalb Stunden gewartet, nur um zu erfahren, dass mein Paket nicht auffindbar ist." An diesem Abend steht sie also wieder auf dem Parkplatz vor der Filiale und hofft, dass es nun endlich etwas wird mit ihr und ihrem Paket.

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In der Schlange hat sie einige Leidensgenossen gefunden. Fast herrscht hier ein freundschaftlicher Austausch. Es werden Postanekdoten erzählt und Tipps für die besten Zeitfenster erörtert. Zu den Vielanstehern zählt sich auch Reinhold Schira. Er bekam am Donnerstagmittag die Information, dass sein Paket nicht zugestellt werden konnte, wie er erzählt. Er solle es doch am Freitagnachmittag in der Filiale Meistersingerstraße abholen.

Die Geschäftsstelle war aber auch für ihn an diesem Freitag geschlossen. Am Samstag habe die Schlange dann bis zur Straße gereicht, da hat sich Schira erst gar nicht angestellt. "Das Problem ist, wenn ich es heute nicht abhole, wird es vermutlich zurückgeschickt." Das laufe aus seiner Sicht sehr unglücklich.

Das Klagelied über Schlangen bei der Post ist ein altbekanntes. Das Paradoxe aber ist: Nie gab es in München so viele Möglichkeiten und Orte, Post aufzugeben oder abzuholen. 360 um genau zu sein. Die Post spricht von Partnerfilialen, denn eigene Filialen in München betreibt sie seit 2010 nicht mehr: 70 befinden sich in Räumen der Postbank, 290 in anderen Geschäften, Kiosken, Wäschereien. Dass die Kunden deshalb zufriedener wären, diesen Eindruck gewinnt nicht, wer sich vor den Türen umhört.

Nicht immer kann man in die Packstationen bestellen

Zum Beispiel an der Angererstraße in Schwabing, ein Samstagvormittag. Es nieselt, etwa 20 Personen warten auf dem Gehsteig vor der Filiale. Der Samstag soll hier besonders frequentiert sein, heißt es. Da warte man bis zu 60 Minuten. "Oh Gott, bloß nicht schon wieder Angererstraße" - das, so erzählt es Martin Majdweshi, war seine erste Reaktion, als er den Abholzettel im Briefkasten fand.

Oft schaffe er es abends nach der Arbeit nicht mehr zur Filiale, so bleibe ihm nichts anderes übrig, als sich samstags in die Schlange einzureihen. Christian Bösl dagegen findet, dass es heute gar nicht so schlimm sei. "Normalerweise geht die Schlange bis um die 30 Meter entfernte Kurve", sagt er. Und fünf bis zehn Kunden warteten sogar immer schon vor Ladenöffnung vor der Filiale.

In solchen Schlangen schlummert eine Art umfangreiches Wissen über die schnellsten und die schlimmsten Postfilialen der Stadt. Die einen Anstehenden haben früher woanders gewohnt, zum Beispiel in Sendling, wo es besser sein soll; die anderen erzählen Schauergeschichten von Filialen, bei denen es noch viel ärger sei. Die Namen Arnulfstraße und Ungererstraße fallen hier immer wieder.