Polizei und Fußball-Fans:"Ich würde ihn schon erkennen"

Im Einsatz waren grün-uniformierte Polizisten der Bereitschaftspolizei Dachau und dunkel gekleidete USK-Beamte mit Helm. "Wenn ich den Beamten in natura sehen würde, der mir Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hat, würde ich ihn schon erkennen", sagt Carsten Schmidmeir. Der Poinger wurde als Zeuge in dem Fall fünfmal von der Polizei zur Vernehmung einbestellt.

Dreimal reiste er an, um immer wieder dasselbe zu erzählen. Beim vierten Mal wurden ihm über 90 Photos von ähnlich aussehenden Männern vorgelegt, Schmidmeir konnte sich nicht festlegen. Er wurde erneut vorgeladen, dachte, jetzt kommt die Gegenüberstellung. Stattdessen neue Photos und ein Video von dem Nachmittag, "auf dem alles ruhig war und kein Polizist mit Gesicht zu erkennen".

Beamten nicht befragt

"Ein Video habe ich bis heute nicht gesehen", sagt Rechtsanwalt Marco Noli. Er vertritt die Sechzger-Fans und kritisiert die Ermittlungen. Beispiel: Ein Geschädigter hatte mit dem Schlagstock einen Hieb in den Bauch bekommen. Die an diesem Ort und zu dieser Zeit eingesetzten Beamten seien nicht befragt worden, sagt Noli. Man habe lediglich die Zugführer vernommen, und die hätten ausgesagt, ihre Beamten hätten keinen derartigen Einsatz gemeldet, und "man könne sich das auch nicht vorstellen".

Ein anderer erlitt eine Platzwunde am Kopf, die ihm ein USK-Beamter mit dem Schlagstock zugefügt haben soll. Auch hier seien die in Frage kommenden Beamten nicht vernommen worden, so Noli. "Das überrascht schon. Normalerweise nimmt die Polizei bei so einem Delikt die Personalien aller Umstehenden auf und eröffnet oft auch ein Ermittlungsverfahren gegen alle Personen."

Erstaunlich findet Noli, dass die Polizei nun Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugen hegt, "weil die den Sachverhalt widersprüchlich zu den Polizeibeamten schildern". Interessieren würde ihn außerdem, was am 20. Oktober 2008, eine Woche nach Wiederaufnahme des Verfahrens, im Polizeipräsidium besprochen wurde. Dort trafen sich wohl die Verantwortlichen, wie aus einer Aktennotiz hervorgeht. "Aber Ergebnisse aus diesem Gespräch gibt es nicht."

Noli will voraussichtlich erneut Beschwerde einlegen. Schröger jedenfalls ist enttäuscht. "Wenn ein Fan im Stadion einen Becher wirft, wird er herausgezogen und erkennungsdienstlich behandelt. Wenn Polizisten wahllos zuschlagen, bleibt es folgenlos, weil sie nicht identifizierbar sind."

© SZ vom 19.08.2009/pfau
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