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Ausstellung:Der Gefühlscharme des Hingerissenen

"Das ist meine eigene gelebte Kunsterfahrung", erklärt Tillmans. Als er bereits als Junge Chagalls Fenster im Münster Zürich das erste Mal gesehen habe, hätte er hingerissen weinen müssen. Eine ganz ähnliche Empfindung habe Pink Floyds "Wish You Were Here" bei ihm ausgelöst: "Die Erfahrung von Hochkunst und Popkunst fand bei mir gleichzeitig statt", sagt er. Er differenziere da nicht.

Den "Playback Room" stellt er deshalb auch mit dem Gefühlscharme des Hingerissenen vor; für die kunsthistorische Einordnung ist Museumsdirektor Mühling verantwortlich: Und der sucht zwar in Sätzen wie "Adorno sagte, die Schallplatte funktioniere wie ein Fotoalbum" oder "Das erste Tonstudio wurde im gleichen Jahr eingerichtet, in dem auch die Röntgenstrahlen entdeckt wurden und das erste Kino eröffnet wurde, all das hat die Menschen medial verändert", den Bezug zur hochkulturellen Rezeption und Einordnung - doch spätestens mit dem Abspielen des New Order-Songs überwiegt die Affirmation dieses Sounds.

Lenbachhaus Mühling wird neuer Direktor
Lenbachhaus in München

Mühling wird neuer Direktor

Nun ist es amtlich: Matthias Mühling wird neuer Direktor des Lenbachhauses. Der promovierte Kunsthistoriker ist bereits seit 2005 als Sammlungsleiter und Kurator der Städtischen Galerie tätig, die nach längerer Renovierung nun bald wieder öffnet.

Doch es liegt tatsächlich mehr darunter als einfach nur extrem gut klingende Musik. Tillmans geht es auch um eine Kunstform, die tatsächlich seltenst in ihrer formalen Stärke wahrgenommen wird: die Studiomusik.

Seit es eben besagte Tonstudios gibt, hat sich die Musik, und eben vor allem ihre Reproduktion, aufgeteilt. Einerseits gibt es weiterhin die Partituren, die in Stille geschrieben und live von Interpreten zum Klingen gebracht werden.

Und andererseits gibt es seitdem Musik, die im Studio unter besonderen Bedingungen und mit spezifischen Klängen produziert wird, damit sie letztlich an beliebigen Orten genauso reproduziert werden kann.

Jede Musikanlage klingt anders

Und darin liegt die Crux: Denn jede Musikanlage klingt anders. Man kennt das im Extremfall des Autoradios, dort werden manche Frequenzen einfach geschluckt, ein Song kann mitunter, darauf abgespielt, völlig anders klingen als auf der heimischen Stereoanlage.

Wie ein Song aber in einem Tonstudio klingt, das bekommt der normale Konsument so gut wie nie zu hören. Denn derartige Boxen und Verstärker hat man normalerweise nicht im Wohnzimmer stehen.

Dafür jetzt aber im Lenbachhaus. Denn für Tillmans ist der "Playback Room" auch eine Art Demokratisierung dieser Klangerfahrungen, die sonst meist ausschließlich Profi-Musikern und Produzenten vorbehalten sind. Das zeigt sich besonders in den "Bring your Own!"-Nächten.

Jean Paul Gaultier Lockmittel Laufsteg
Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung in München

Lockmittel Laufsteg

Die Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung hat der Kunsthalle 213 000 Besucher beschert.   Von Evelyn Vogel

Denn wer nun nicht nur Tillmans eigene musikalische Sozialisation in dieser fein geschliffenen und brutal drückenden Qualität hören möchte, kann am 26. Februar sowie am 18. März und am 8. April, jeweils um 19 Uhr, eigene Musik ins Lenbachhaus tragen und dort über diese kleinen Wunderboxen abspielen.

Die stehen da, hinter einer Absperrung, tatsächlich recht unscheinbar: Zwei hohe, schmale Boxentürme und ein Verstärker mit acht hübsch glühenden Röhren im blauleuchtenden Retro-Ufo-Design. Der Musik verleihen sie aber tatsächlich eine hinreißende und selten erlebte Präsenz.

Playback Room, Dienstag, 16. Februar bis Sonntag, 25. April, Städtische Galerie im Lenbachhaus, Luisenstraße 33, Eintritt frei

© SZ vom 16.02.2016/dit
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