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Pasing: Wenn Stofferl Well den Dudelsack bläst, muss das festgehalten werden für die Lieben daheim in Tel Aviv. Jonathan Hadas filmte beim gemeinsamen Konzert.

Wenn Stofferl Well den Dudelsack bläst, muss das festgehalten werden für die Lieben daheim in Tel Aviv. Jonathan Hadas filmte beim gemeinsamen Konzert.

(Foto: Robert Haas)

Die Well-Brüder singen und tanzen mit israelischen Musikern

Von Hans Holzhaider, Pasing

Da haben sich zwei gefunden: Christoph "Stofferl" Well, 55, Bayer, Ex-Biermösler, und Jonathan Hadas, 27, Israeli, Mitglied der Band "Kbetch". Das spricht man "Quetsch", und es heißt genau dasselbe wie im Deutschen. Stofferl Well, das weiß ja jeder, ist ein begnadeter Virtuose auf der Bachtrompete, er spielt Noten, die man wahrscheinlich als Hundertachtundzwanzigstel notieren müsste, Tempo-Angabe: Prestissimo. Und dabei so leicht, so hingehaucht, als ob's ein Vogelzwitschern wäre. Jonathan Hadas, der altersmäßig Stofferls Sohn sein könnte, steht ihm in nichts nach an seiner Klarinette. Vom höchsten Diskant bis zum tiefsten Bass, nie schrill, nie dumpf, immer mit einer Leichtigkeit und Wärme, das es einen ganz wohlig durchrieselt beim Zuhören.

Im vergangenen Sommer hat ein Teil der Großfamilie Well ein paar Tage Urlaub in Tel Aviv gemacht, und dort haben sie die Musiker von "Kbetch" kennengelernt: Asaf Meller mit seinem Akkordeon, die zierliche Mai Choma an der Violine, Aviram Kushmir am Kontrabass und Nadav Vogel, der aus einer kleinen Holzkiste, auf der er sitzt und trommelt, mehr Rhythmus hervorzaubert als andere aus einem ganzen Percussion-Orchester.

Am Samstag traten "Kbetch" und die drei Well-Brüder Stofferl, Michael und Karli mit dreien ihrer vielen Kinder in der Pasinger Fabrik auf, im Rahmen des Festivals "Mazal Tov", mit dem die Fabrik 50 Jahre bayerisch-israelische Freundschaft feiert. Es war, man kann es gar nicht anders sagen, eine Mordsgaudi. Wenn man das sieht, wie aus der unbändigen Freude am Musizieren auf völlig selbstverständliche Art Freundschaften entstehen, dann möchte man sich wünschen, man könnte all den Hardlinern auf beiden Seiten der verschiedensten Grenzen einfach mal eine Ziehharmonika, eine Geige und eine Klarinette in die Hand drücken und sie miteinander spielen und singen lassen. Wie vielen Menschen könnte dies das Leben retten.

Nach dem Konzert gab's bayerische und israelische Volkstänze in der Bar der Fabrik. Es machten so viele Leute mit, dass die Tanzfläche kaum ausreichte. Man kann ja nicht viel falsch machen - Wechselschritt vor und zurück, einmal rundherum, Promenade, und wieder von vorn. Zum Schluss blies Stofferl auf dem Dudelsack, und Jonathan Hadas klemmte die Klarinette unter den Arm und filmte mit seinem Handy. Da werden sie schauen, daheim in Tel Aviv!

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