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Olympia: Vergabepraxis:... und plötzlich brennt das Archiv

In Nagano wurden Bauern zuhauf enteignet, und als nach drögen, grauen Winterspielen ein gewisser Korruptionsgestank die Behörden alarmierte, brannte plötzlich das Archiv von Nagano ab - samt der Bilanzbücher, wie die Veranstalter behaupteten. Mutige Reporter trieben einige Dokumente auf, zutage trat ein korruptes Bild. Allerdings waren die Nagano-Spiele vorbei, die Japaner begruben ihre Affäre in aller Stille. Dem Hauptprofiteur der Spiele, Tsutsumi, verschaffte das nur eine Galgenfrist; er musste 2005 wegen Bilanzfälschung ins Gefängnis.

Auch die Spiele 2002 in Salt Lake City wurden verkauft: Die Bewerber hatten IOC-Leute mit geldwerten Angeboten geködert. So, wie es auch andere taten, doch deckten nur die Amerikaner ihre Affäre auf. Das IOC musste einige Hinterbänkler hinauswerfen und nahm ein paar Reformen vor.

Intern führte es eine subtilere Säuberungsaktion durch: Bei der Winterspielvergabe für 2006 strafte es den - am besten benoteten - Schweizer Topfavoriten Sion ab. Denn es war der Schweizer IOC-Vorständler Marc Hodler, der die Salt-Lake-Affäre entzündet hatte. Er hatte von "klarer Korruption" in Utah gesprochen, von organisiertem Stimmenkauf und verwerflichem Wirken der Agenten: Er kenne keine Stadt, der die Spiele auf "unangreifbare Weise" zugefallen seien.

Samaranch erteilte Hodler einen Maulkorb. Zu spät, die Affäre war am Rollen - und der Favorit Sion erledigt: Als der Winterort 2006 gewählt wurde, verfiel das IOC jäh dem Charme der faden Industriemetropole Turin. Im Hintergrund zog großzügig Gianni Agnelli die Fäden, der superreiche Fiat-Chef.

Die 2010-Spiele holte Vancouver ganz knapp vor Pyeongchang, das dem IOC eine allzu bizarre Zukunftsperspektive bot mit Un Yong Kim, der Galionsfigur der Bewerbung. Bald darauf wanderte der frühere Geheimdienstler in Seoul hinter Gitter. Ein steiler Absturz - noch 2001, als es um Samaranchs Nachfolge ging, lag Kim aussichtsreich im Rennen. Für den Fall seiner Wahl soll er Mitgliedern Geld geboten haben. Doch die Bewegung brauchte nach all den Affären eine Verschnaufpause, manche ahnten wohl, dass Kims Ende bevorstand. Gewählt wurde der affärenfreie Arzt Jacques Rogge.

Der tut nun, was in seiner Macht steht. Doch hat er nicht den eisernen Griff auf das von Vorgänger Samaranch handverlesene IOC. Rogge stand 2007 auch nicht hinter Sotschi, Putins Palmsprengel im kaukasischen Unruhegebiet. Pyeongchang scheiterte damals erneut hauchdünn. Und diesmal?