Oktoberfest "Wie viel Craft steckt im Wiesnbier?"

Das erste Fass ist angezapft: Wiesnwirt Georg Heide und Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt (von links) bei der traditionellen Wiesnbier-Probe.

(Foto: Florian Peljak)

Ziemlich viel, erklärt Braumeister Christian Dahncke bei der Vorstellung des neuen Wiesnbiers von Hacker-Pschorr. Das Ergebnis ist so bekömmlich, dass auch eine zweite oder dritte Mass noch geht.

Von Franz Kotteder

Punkt halb zwölf machen die Bauarbeiter auf der anderen Seite des Auer Mühlbachs Mittag und stellen ihre Maschinen ab. Das trifft sich recht gut, findet Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt, denn schließlich stellt man hier im Alten Eiswerk der Brauerei jetzt das neue Hacker-Pschorr-Wiesnbier vor. Diesmal darf Wiesnwirt Georg Heide von der Bräurosl das erste Fass anzapfen. Knapp drei Schläge braucht er, dann ist der Wechsel im Loch und die ersten Krüge werden gefüllt. "Schorsch, du musst auch noch was sagen!", mahnt Steinfatt den Wirt, und der erwidert: "Ozapft is! Aber eigentlich sagt das ja nur der Oberbürgermeister."

Auf Traditionen wird bei der Wiesn geachtet, und auch die Wiesnbierprobe gehört zu den Traditionen dieses Volksfestes. Das Ergebnis ist vorhersehbar, und auch an diesem Montagmittag stellen die Teilnehmer wieder fest: Das Wiesnbier ist doch tatsächlich etwas ganz Besonderes. Steinfatt weiß es bereits seit dem Richtfest vergangene Woche im Hackerzelt: "Dort war schon durchzuhören, dass es besonders gut gelungen ist." Und der Braumeister Christian Dahncke kann obendrein noch erklären, warum das so ist.

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Er führt das aus anhand von ein paar Schlagworten, die eigentlich in der Craft-Beer-Szene zu Hause sind, jenem vom Marktanteil her sehr geringen, aber sonst ungemein im Trend liegenden Segment des Biermarkts. "Wie viel Craft steckt im Wiesnbier?", begann Dahnke seinen Kurzvortrag, um dann auf den Begriff "Slow Brew" zu kommen. Das Wiesnbier, sagt er, werde immer schon sehr langsam gebraut und werde mindestens vier Wochen lang der Kaltlagerung unterzogen und lebe von der kalten Gärung. "Am Ende ist das Bier dann sehr, sehr bekömmlich und ermöglicht es so, dass man ohne weiteres auch noch eine zweite oder dritte Mass verträgt." Da gehen die Meinungen auseinander, die einen halten das für viel zu wenig, die anderen für viel zu viel.

Traditionell verwende man ein eher dunkles Malz und 100 Prozent Aromahopfen, so Dahncke, und auch was den Slogan "Brewed with a personal touch" angeht, wollen sich die Hacker-Pschorr-Brauer nicht lumpen lassen: "Die Leidenschaft am Brauen ist bei uns immer dabei", sagt Dahncke, "mehr personal touch könnte es da gar nicht geben." Da möchte niemand in der Runde - vorwiegend Brauer und Wirte - widersprechen, und auch Dahnckes Fazit: "Dieses Bier lädt zum Weitertrinken ein", trifft auf allgemeine Zustimmung.

Die nüchternen Fakten schauen so aus: Heuer haben es die Biertrinker im Hackerzelt und in der Bräurosl mit einer Stammwürze von 13,7 Prozent zu tun, der Alkoholgehalt der Wiesnmass liegt zwischen 5,9 und 6,1 Volumenprozent, die Bittereinheit beträgt 24,8 EBU, damit wird international die sogenannte Bittere eines Bieres bestimmt. Toni Roiderer vom Hackerzelt, der mit seiner hauseigenen Metzgerei für die Speisen bei der Verkostung sorgt, bringt es etwas allgemeinverständlicher auf den Punkt. "Als ich vorhin den Leberkas probiert hab", sagt er und grinst, da "hab ich mir gedacht: Hoffentlich ist das Bier auch so gut. Aber was soll ich sagen: Es ist sogar noch besser!"

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