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Oktoberfest-Traditionen:Exklusive Kreise auf der Wiesn

Das "Herrenessen" auf dem Oktoberfest wird von Wolfgang Pförringer (vorne links) und Fred Langhammer (vorne rechts) organisiert.

Das "Herrenessen" wird von Wolfgang Pförringer (vorne links) und Fred Langhammer (vorne rechts) organisiert.

(Foto: Florian Peljak)

Das Wesen eines Stammtisches ist Regelmäßigkeit und Geselligkeit - logisch, dass es einige aufs Oktoberfest zieht. Dort treffen sich Kabarettisten, ehemalige OIympioniken und sogar die zwölf Apostel.

Niemand geht alleine auf die Wiesn - und wenn er solo eintrifft, findet er, wenn er will, schnell jemanden zum Ratschen, Trinken, Feiern. Es gibt aber gar nicht so wenige Gemeinschaften, die seit Jahren in mehr oder weniger gleicher Besetzung das Oktoberfest besuchen. Manche treffen sich nur dieses eine Mal im Jahr, andere verlegen ihren wöchentlichen Termin ins Festzelt. Stammtische auf der Wiesn - vier Beispiele.

Herrenessen beim Pförringer

Einmal im Jahr ist auch regelmäßig, und so darf sich die Runde, die sich immer am ersten Wiesn-Freitag im Augustiner versammelt, ohne weiteres als Stammtisch bezeichnen. Wolfgang Pförringer, der zusammen mit Fred Langhammer einlädt, sagt, seine Gäste seien alles persönliche Freunde - und weil Pförringer im Hauptberuf Orthopäde ist, finden sich recht viele Ärzte unter den Geladenen. Andererseits sagt Pförringer: "Ich bin ein Schwarzer", weshalb auch die CSU und ihr nahestehende Persönlichkeiten gut vertreten sind: Peter Gauweiler kommt meistens, Horst Seehofer war schon mal da; der frühere Münchner Mercedes-Chef Karl Dersch findet, seine Tracht wäre ohne Franz-Josef-Strauß-Anstecker nicht vollständig. Weil aber am Ende Sympathie über Polit-Farbe geht, darf auch Oberbürgermeister Dieter Reiter kommen oder FDP-Mann Wolfgang Heubisch, einst bayerischer Wissenschaftsminister. 60 bis 70 Leute sind eingeladen, und weil das Treffen offiziell "Herrenessen" heißt, ist auch klar, dass hier Männer unter sich bleiben wollen. Besonders stolz ist Pförringer darauf, dass die Küche des Augustiner-Zelts sich für ihn immer etwas besonderes einfallen lässt. Heuer war das gebratenes Kronfleisch. An das erste Herrenessen vor gut 20 Jahren erinnert sich der Gastgeber mit besonderem Amusement: Da hatten ihm die Köche eine gestopfte Gans vorgeschlagen, das ist eine Gans, die mit einem Hendl gefüllt ist, das mit einer Fülle gefüllt ist. Geschmeckt hat's gut - aber die Küchenkünstler hatten nicht bedacht, dass der Aufwand ein hoher ist, die ganze Nacht standen sie am Herd.

Kabarettisten-Runde

Die Herren lassen sich immer den Tisch an der Tür zum Zeltbüro geben, denn da schirmt sie eine Rückwand ab gegen die ganze Gaudi - das allein deutet schon darauf hin, dass die Korona nicht mehr die allerjüngste ist, wo doch der "Jugendbeauftragte" auch schon 52 Jahre auf dem Buckel hat: Der Kabarettist Helmut Schleich ist tatsächlich das Nesthäkchen der Fünfer-Runde im Augustiner. Neben ihm gehört der Zeichner Dieter Hanitzsch dazu, Toni Schmid, bis vor kurzem Ministerialdirigent im Kultusministerium, Thomas Gruber, bis 2011 Intendant des Bayerischen Rundfunks, sowie der Journalist Ernst Geyer - und weil alle mehr oder weniger, früher oder später mit dem BR zu tun hatten, ist das auch eines ihrer Themen: Wie's früher war und wie's heute ist. Die Runde trifft sich auch sonst regelmäßig, drei- oder viermal im Jahr, mit einer Besonderheit, die eigentlich nicht zu einem Stammtisch passt: Die Lokalität ist jedes Mal eine andere, einer sucht sie aus und muss dafür die anderen einladen. Und einer wird als Fahrer ausgeschaut, wenn's mal nach außerhalb geht. Der darf dann nichts trinken, was auf der Wiesn aber nicht das große Problem ist, wofür gibt's denn den MVV. An eine Erweiterung der Runde ist vorerst nicht gedacht, allerdings wird auch niemand ausgeschlossen: Gerade kommt Claudia Stamm vorbei, die ehemalige Grünen-Landtags-Abgeordnete, und weil alle sie kennen, wird sie natürlich eingeladen, Platz zu nehmen. Es dauert auch nicht lange, dann wird Frau Stamm erklärt, dass eigens wegen ihr die Runde jetzt ihren Namen geändert hat: Vorher hatte sie gar keinen, jetzt heißt sie Stamm-Tisch.

Olympischer Austausch

Beim Stammtisch der Olympioniken treffen sich Sport-Legenden im Weinzelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Sechs Tische voller Legenden in Gold, Bronze und Silber: Die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) lädt seit bald 30 Jahren verdiente deutsche Sportler ins Weinzelt ein, und das ist dann tatsächlich ein Ritt durch die Sport- und Olympia-Geschichte: Wolfgang Zimmerer und Peter Utzschneider, die beiden Bobfahrer aus den Siebzigern, beide bald 80 Jahre alt, Michael Veith, der Skirennläufer, der sich von seinen Kollegen als "Gradausfahrer" verspotten lassen muss, weil er hauptsächlich in der Abfahrt reüssierte, Manfred Nerlinger, der Gewichtheber, der Biathlet Michael Greis, der Handball-Star Henning Fritz, Eishockey-Legende Alois Schloder, dazu Reiter, Sportschützen, Triathleten - sie alle eint die Weltklasse, die sie in ihrem jeweiligen Sport erreicht haben, und das Wissen um die Anstrengungen und Entbehrungen, die dafür nötig waren. "Die haben alle die gleiche Macke", sagt Christian Tröger, selbst erfolgreicher Olympia-Schwimmer, der das alljährliche Treffen für die DOG organisiert. Mittendrin Theo Waigel, der ehemalige Bundesfinanzminister, der dem Sport schon durch seine Frau Irene verbunden ist - die war, als sie noch Epple mit Nachnamen hieß, eine der erfolgreichsten deutschen Skirennläuferinnen. Auch sie sagt, dass jeder mit jedem sofort reden könne, eben weil jeder weiß, was der andere in seiner Disziplin geleistet hat. Damit aber nicht nur geredet wird, haben sie früher mal auch kleine Wettbewerbe bestritten - Fingerhakeln, Armdrücken, solche Sachen. Weil darin aber dann immer der Nerlinger gewonnen hat, lassen sie's mittlerweile lieber bleiben. Stattdessen wird jetzt genagelt, da kommt es vor allem auf die Geschicklichkeit an und nicht nur auf die pure Kraft.

Apostel vom Viktualienmarkt

Die "Apostel" sind lauter honorige Münchner.

(Foto: Robert Haas)

Die Apostel in der Bibel waren zwölf, also können die Apostel vom Viktualienmarkt auch nicht mehr sein: "Die zwölf Apostel" können ihr Gründungsdatum exakt benennen, am 20. Januar 2014 trafen sie sich zum ersten Mal und seitdem regelmäßig jeden Montag im "Steirer am Markt". Weil dessen Wirt Werner Hochreiter heißt, selbst ein Apostel ist und zudem auf der Wiesn das kleine Zelt "Bratwurst" führt, ist es klar, dass sie sich während des Oktoberfests auch dort treffen. Es ist eine honorige Münchner Runde: Otto Retzer gehört dazu, der Regisseur, Gastronom Stefan Grosse vom "Blauen Bock", Joschi Lamm, mit seinem "Lamm's" am Sendlinger Tor lange Jahre Anlaufpunkt für Münchens Nachtschwärmer, dazu Günther Abt, "Käse-Abt" und, natürlich, Fredy Heiß, in jüngeren Jahren Flügelflitzer beim TSV 1860 und wohl immer noch das, was man eine "Löwen-Legende" nennt. Die zwölf Apostel sind gut organisiert und auch marketingmäßig bestens aufgestellt, sie verfügen über Anstecknadeln und Handyhüllen. Sie sagen, es verbinde sie eine "gleiche Gesinnung", die sich unter anderem darin ausdrücke, dass sie alle "München lieben". Der Stammtisch-Beginn ist um zwölf Uhr, er geht dann mal bis fünf, sechs Uhr, manchmal auch gleich bis um zehn Uhr abends. Frauen und Gäste sind erst ab 15 Uhr zugelassen. Weil die Mitgliederzahl aus biblischen Gründen beschränkt ist, gibt es eine Warteliste für Interessenten. Den Platz Nummer 1 belegt derzeit Putzi Holenia, der deshalb momentan den Titel "Anwärter" trägt - aber sogar der Wirt vom "Paulaner im Tal" muss sich hinten anstellen, bis einer der amtierenden zwölf Apostel seinen Abschied nimmt.

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