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Obergiesing/Fasangarten:Dicke Luft

Auspuff an Auspuff schiebt sich die tägliche Verkehrslawine über die Chiemgaustraße. Entsprechend schlecht ist die Luft: Stadtweit werden hier, nach der Tegernseer Landstraße, die höchsten Stickstoffdioxid-Werte gemessen.

(Foto: Claus Schunk)

Weil im Viertel die zulässigen Grenzwerte für das giftige Stickstoffdioxid weiterhin überschritten werden, gehen die Grünen in die Offensive. Sie fordern den Oberbürgermeister und die Umweltreferentin auf, den motorisierten Individualverkehr endlich einzudämmen

Von Hubert Grundner, Obergiesing/Fasangarten

Auch im dritten Quartal 2019 wurde an allen städtischen Messstationen im Stadtbezirk 17 Obergiesing-Fasangarten der zulässige Grenzwert für das giftige Stickstoffdioxid überschritten. Wegen dieser hohen Schadstoffbelastung schlägt nun der Grünen-Ortsverband Giesing-Harlaching laut Alarm: Die Grünen verweisen dabei auf die offiziellen Messergebnisse der Stadt. Gepaart mit den Messungen der Deutschen Umwelthilfe vom Februar 2019, die ebenfalls deutliche Grenzwertüberschreitungen zutage förderten, bleibe festzuhalten: "Giesing ist der Bezirk in München, der am stärksten von giftigen Auto- und Lkw-Abgasen betroffen ist." Als Folge davon sei die Gesundheit der Bürger, vor allem der Kinder und Senioren, stark beeinträchtigt.

Daher fordern die Giesinger Grünen die Stadt auf, schnellstmöglich Schritte zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs einzuleiten. Bislang jedenfalls zeichne sich die Stadt vor allem durch Untätigkeit aus. So habe der Stadtrat zwar ein Paket an Maßnahmen beschlossen - diese Maßnahmen zielten jedoch zum einen in keiner Weise auf die Probleme in Giesing ab und seien zum anderen kurzfristig nicht wirksam. "Fahrverbote kann niemand wollen", sagt Marcus Kaiser, grünes Mitglied im BA-Unterausschuss Verkehr. "Aber eine schnelle und gleichzeitig massive Reduzierung des Auto- und Lkw-Verkehrs in unserem Stadtgebiet muss oberstes Ziel jeglicher Verkehrsplanung in unserem Viertel sein." Das hätten die Münchner durch das Bürgerbegehren "sauba sog i" deutlich zum Ausdruck gebracht. Zudem müsse die Forderung des Radlentscheids berücksichtigt werden, den öffentlichen Raum sozial gerecht aufzuteilen. Deshalb sei es geradezu empörend, dass sich Umweltreferentin Stephanie Jacobs weigere, den Bezirksausschüssen ein Anhörungsrecht bezüglich der geplanten Verkehrsmaßnahmen einzuräumen.

Anstatt die Ortskenntnis der Mitglieder der jeweiligen Bezirksausschüsse zu nutzen und diese in eine konstruktive Lösungsfindung einzubinden, solle über deren Köpfe hinweg entschieden und diese lediglich unterrichtet werden. "Schade, dass auch Oberbürgermeister Reiter auf die Kompetenz der bürgernahen Bezirksausschüsse verzichten will und seiner Umweltreferentin hier den Rücken stärkt", moniert Joachim Lorenz, Fraktionssprecher der Grünen im BA 17. Er zieht daraus den Schluss: "Damit sind wir gezwungen, durch eigene Anträge quasi von unten die Stadt dazu zu bringen, endlich schnell und konsequent den Bürgerwillen umzusetzen."

© SZ vom 20.12.2019
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