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Obdachlose in München:Wie die Stadt konkret vorgeht

Angefangen hat es an der Landshuter Allee, wie es immer anfängt, wenn die Stadt von einem wilden Camp erfährt. Zunächst kommen Sozialarbeiter vorbei und versuchen sich ein Bild von der Situation zu machen. Zugang zu finden. Wie viele Menschen wohnen dort? Wie sind ihre Lebensumstände? Was lässt sich tun, um die Menschen zu unterstützen? Die Obdachlosen können erfahren, welche Anlaufstellen und Hilfsmöglichkeiten es für sie gibt und welche Rechte sie haben.

Das ist nicht zuletzt bei den prekären Jobs notwendig, die sie sich manchmal täglich am sogenannten "Tagelöhnerstrich" im Bahnhofsviertel neu suchen müssen. Bezahlt wird meistens unter Mindestlohn, manchmal aber auch gar nicht. Sicherheitsvorgaben werden missachtet, die Arbeitszeiten absurd ausgedehnt. "Es gibt keine Schäbigkeit, die es nicht gibt", ärgert sich Stummvoll über die Auftraggeber der armen Osteuropäer.

Zur klassischen Sozialarbeit kommt aber noch etwas hinzu: die Aussage "ihr könnt hier nicht bleiben". Feste Zeltstädte mit allem Drum und Dran, wie etwa in Paris, sind in München unerwünscht. Offiziell ist wildes Campieren in München verboten, das gilt auch die Tagelöhner-Lager, die es in den unterschiedlichsten Größenordnungen im ganzen Stadtgebiet gibt.

Zur Beratung gehört oft auch das Angebot der Stadt, die Heimreise zu finanzieren - und immer wieder wird das auch angenommen. "Wir bauen eine Kommunikation auf und helfen", berichtet Schiwy, der Abbau der Schlafstätten solle möglichst im Dialog erreicht werden. Was nicht immer ganz einfach ist, denn ohne Dolmetscher seit oft keine Verständigung möglich. Wenn alle Angebote fehlschlagen und das Camp weiter existiert, berät der Arbeitskreis über eine Räumung. An der Landshuter Allee haben die Experten diesen Schritt empfohlen.

Auch dann aber rückt nicht etwa ein großes Polizeiaufgebot zu nachtschlafener Stunde an. Zunächst informieren mehrsprachige Schilder die Bewohner über das Campierverbot, Ziel ist es noch immer, dass das Lager freiwillig aufgelöst wird. Es folgt ein Räumungstermin. Und schließlich die Räumung, bei der Mitarbeiter des Sozial-, Kreisverwaltungs- und Baureferats und eben die Polizei anwesend sind. Eine Firma entsorgt anschließend den Müll.

Auch dem Sozialreferat ist klar, dass die Auflösung der Camps keine Lösung darstellt. Klar, manchmal reisen die Menschen heim (manche kehren dann aber auch wieder zurück), manche schaffen den Sprung in ein Arbeiterwohnheim. Einige gehen aber nur einige hundert Meter weiter und eröffnen dort das nächste Camp. "Wir bringen die Menschen nicht ins Sozialleistungssystem", sagt Stummvoll. Dass so viele Osteuropäer ihr Glück in München suchen, habe einen ganz einfachen Grund: "das deutliche Wohlstandsgefälle".