Nymphenburg/Maxvorstadt Das Gestern mit dem Morgen verbinden

Angehörige und Initiativen gegen das Vergessen setzen ein Erinnerungszeichen an die von den Nazis ermordete Thea Diem

Von Sonja Niesmann, Nymphenburg/Maxvorstadt

In einer endlosen Schleife projizieren zwei Beamer mehr als 2000 Vor- und Nachnamen auf den Boden vor dem Eingang des NS-Dokumentationszentrums und an die Fassade. Wer in den Lichtkeil hineintritt, trägt die Schriftzüge auf der Kleidung, tritt sozusagen körperlich in Kontakt mit den Opfern. Mit der Lichtinstallation "Hinter den Namen" (die Namen stammen aus einem 2018 erschienenen Gedenkbuch) erinnert der Künstler Georg Soanea-Pollak an die Münchner Opfer der "Euthanasie"-Morde der Nazis - an Menschen, die umgebracht wurden, weil sie als "lebensunwert" eingestuft worden sind.

Aus dem Dunkel holen: eine Lichtinstallation für 2000 "Euthanasie"-Opfer.

(Foto: Robert Haas)

Eine von ihnen war Theodolinde Diem. Ein hübsches, aufgewecktes, flinkes Mädchen, "Thea" gerufen, das mit 19 Jahren epileptische Anfälle bekam und von den Eltern schweren Herzens in eine Anstalt nach Schönbrunn gebracht wurde. Ihre Nichte Lisa Wanninger erinnert sich noch genau, wie sie als Siebenjährige die damals 29 Jahre alte Tante dort besuchte. Vier Jahre später war Thea Diem tot: von Schönbrunn zunächst in die Heil- und Pflegeanstalt Haar-Eglfing gebracht und am 29. April 1941 oder in den Folgetagen in Hartheim bei Linz ermordet. Lisa Wanninger hat ein Erinnerungszeichen für sie aufstellen lassen, eine Stele mit Foto und Lebensdaten, vor Theas Elternhaus an der Romanstraße 74. Vor der Enthüllung gestalten die Gedenkinitiative für die Euthanasieopfer, in der sich Angehörige wie Lisa Wanninger engagieren, die Arbeitsgemeinschaft Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus, die Koordinierungsstelle für Erinnerungszeichen am Münchner Stadtarchiv und der Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" eine anrührende Gedenkfeier im benachbarten Krankenhaus Barmherzige Brüder. Alle Ansprachen durchzieht der gleiche Appell: sich an die Opfer zu erinnern, das abscheuliche Verbrechen an ihnen nicht zu vergessen. Denn, so sagt ein Redner, "Erinnerungen helfen, das Gestern mit dem Morgen zu verbinden".

Eines der Opfer war Thea Diem, an sie erinnert eine Tafel an der Romanstraße.

(Foto: Stadtarchiv München)