Schrannenhalle Die italienische Option

Rotwein gibt's in der Eataly-Filiale in Rom nicht nur in Flaschen, sondern auch im Ausschank.

(Foto: AFP)

Falls es mit dem Edeka in die Schrannenhalle nichts wird, gibt es noch eine andere Lösung: Der Pächter hat bereits mit den italienischen Erfindern eines erfolgreichen Gourmetmarktes verhandelt.

Von Franz Kotteder

Dem Pächter der Schrannenhalle, Hans Hammer, bläst derzeit der Wind mächtig ins Gesicht wegen seines Plans, Feinkost Käfer gegen einen Simmel-Supermarkt auszuwechseln. Die Händler des Viktualienmarkts sind mit großer Mehrheit dagegen, ein Supermarkt ist eine direkte Konkurrenz, finden sie. Und auch im Stadtrat werden dem Vorhaben deshalb wenig Chancen eingeräumt. Oberbürgermeister Dieter Reiter erklärte: "Meine Begeisterung, die Schrannenhalle in einen Edeka zu verwandeln, hält sich in Grenzen." Schon wegen der Kaufhäuser in der näheren Umgebung herrsche "kein Mangel an entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten".

Den Stadtrat aber braucht Hammer, wenn er an den Einzelhandelskaufmann Peter Simmel vermieten will. Zieht in die Schrannenhalle ein Supermarkt ein, dann muss nämlich der Erbpachtvertrag geändert werden, und dafür ist die Zustimmung des Stadtrats nötig. Die zeichnet sich derzeit aber noch überhaupt nicht ab.

Eataly am Viktualienmarkt?

Wie die SZ jetzt erfuhr, ist ein Edeka-Markt allerdings nicht Hammers einzige Option für die Schrannenhalle. Zu Beginn dieses Jahres verhandelte er schon mit einem anderen Partner, der ein nahezu perfekt auf die Schrannenhalle zugeschnittenes Konzept gehabt hätte. Es handelt sich um den italienischen Unternehmer Oscar Farinetti, 59, der inzwischen weltweit mit seinem Gourmet-Märkten der Marke "Eataly" Furore macht und Erfolge feiert.

Edeka soll die Schranne retten

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Der ehemalige Elektrowarenhändler, der mit seiner Kette Mediaworld ein Vermögen gemacht hatte und sie dann verkaufte, ist mit dem Slow-Food-Gründer Carlo Petrini befreundet und hat nach dessen Prinzipien die "Eataly"-Märkte entworfen. Der erste Prototyp in Turin lief von Anfang an prächtig, inzwischen gibt es zehn Filialen in Italien, und weltweit weitere von New York über Chicago bis hin zu Tokio und Istanbul. Der Gesamtjahresumsatz der Kette beträgt an die 300 Millionen Euro, 2016 will Farinetti mit "Eataly" an die Börse gehen.

Das Eataly-Konzept besteht darin, hochwertige italienische Spezialitäten von Pasta über Risotto bis hin zu Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse kombiniert mit Restaurants und Kochstationen in einem großen Gebäude anzubieten: Zu jeder Ware gibt es auch das passende Lokal sowie Manufakturen, in denen zum Beispiel Nudeln hergestellt oder Bier gebraut werden. Ergänzt wird das Angebot durch passende Seminare und eine Kochschule. Diese ineinander übergehende Kombination aus Gastronomie und Feinschmeckermarkt ließe sich in der Schrannenhalle ideal umsetzen und wäre eine geringere Konkurrenz für den Viktualienmarkt als ein Edeka-Markt, der ja stärker auf Laufkundschaft setzt. Die "Eataly"-Märkte sind in anderen Städten auch zu Touristenattraktionen geworden. In Deutschland gibt es noch keinen, München wäre der ideale Standort dafür, heißt es aus Turiner Zentrale.

Schrannenhalle als Traum-Location

Die Verhandlungen mit Hans Hammer, so heißt es weiter, waren schon ziemlich weit gediehen. Drei- oder viermal war Luca Baffigo Filangieri, der Geschäftspartner von Farinetti, in München, auch eine Art Vorvertrag soll es schon gegeben haben. Letztlich seien die Verhandlungen dann aber vorerst gescheitert, so Baffigo Filangieri zur SZ, "weil Herr Hammer eine zu hohe Miete gefordert hatte. Die ist mit Lebensmitteln aber gar nicht zu erwirtschaften." Er ist aber zuversichtlich, mit Hammer doch noch ins Geschäft zu kommen: "Wir haben das noch nicht ganz aufgegeben und werden im Oktober einen neuen Anlauf unternehmen. Die Schrannenhalle ist für uns die absolute Traum-Location."

Das Eataly in New York ist ein beliebter Platz zum Mittagessen.

(Foto: Scott Eells/Bloomberg)

Möglicherweise werden die Italiener Hammer noch mal entgegenkommen, was die Laufzeit des Vertrages angeht. Angeblich soll Hammer sich unter anderem deshalb für einen Edeka entschieden haben, weil Peter Simmel, Inhaber von 20 großen Edeka-Verbrauchermärkten in Bayern, Sachsen und Thüringen, bereit war, einen Mietvertrag auf zehn Jahre abzuschließen. "Eataly" hingegen soll auf lediglich fünf Jahre Laufzeit mit der Option auf fünf weitere Jahre Verlängerung bestanden haben.

Sollten alle Stricke reißen und sich der Stadtrat weder für einen Edeka-Markt noch für "Eataly" begeistern können, wird Hammer wohl darauf bestehen, dass Feinkost Käfer seinen Vertrag als Hauptmieter erfüllt. Dieser Vertrag läuft noch sieben Jahre, es ist aber kein Geheimnis, dass Käfer ihn lieber heute als morgen aufkündigen möchte.

Hans Hammer war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine Sprecherin Anja Bertrams meinte, weitere Verhandlungen mit "Eataly" stünden "derzeit nicht zur Diskussion".