Nockherberg-Rede:"Die bayerische Familie hat drei Geschlechter: Mann, Frau, Thermomix"

Maxi Schafroth kommt zum Starkbieranstich als er selbst. Das "aufgesetzte Schauspiel" überlässt er Markus Söder - schließlich dessen "Kompetenz": Die besten Sprüche aus der Fastenpredigt.

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Nockherberg 2019

Quelle: Florian Peljak

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Es ist das Debüt für Maxi Schafroth auf dem Nockherberg. Er ist Jahrgang 1985 und damit der jüngste Fastenprediger beim Starkbieranstich, außerdem der erste Allgäuer. Schafroth folgt auf Luise Kinseher, die als Mama Bavaria in den vergangenen Jahren die Politiker derbleckte. Wie er wohl auftritt? Wieder als Bruder Barnabas? Als Papa Bavaria? Nein, Schafroth tritt im Lodenjanker auf und verkündet, dass zum ersten Mal "ein Mitglied der bayerischen Staatsregierung die Fastenpredigt" halten dürfe. Ernsthaft? Natürlich nicht. Bald stellt sich heraus: Schafroth schlüpft "aus dem Filzkittel" - und hält seine Rede als er selbst.

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Quelle: dpa

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Warum Schafroth keine Rolle spielen will? Erklärt er auch gleich:

"Kein aufg'setztes Schauspiel hier oben. Das ist deine Kompetenz, lieber Markus Söder."

Nockherberg 2019

Quelle: Florian Peljak

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Eine Premiere ist es auch für Markus Söder - als Ministerpräsident. Fast ein Jahr ist er jetzt im Amt. Und er kommt natürlich auch weiter prominent vor in der Rede von Maxi Schafroth, anders geht es ja gar nicht:

"Markus, du bist in Social Media aktiv, du machst Videoclips für Instagram, du kommst an die jungen Leute ran. Meine kleine Schwester ist 20, die schaut deine Videoclips, die ist begeistert, die sagt: 'Maxi, der Söder isch so witzig! Aber ich glaub er weiß es nicht!'"

Auch Söders Raumfahrtprogramm "Bavaria One" ist Schafroth einen Seitenhieb wert:

"Da hast du den kleinen Mann erreicht. Von Oberstdorf bis Buchloe fragen wir uns schon ewig: Wie verhalten sich Kässpätzle in der Schwerelosigkeit?"

Nockherberg 2019

Quelle: Florian Peljak

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Von Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (hier mit dem früheren Sprecher der Wiesnwirte, Toni Roiderer) erfährt man vorab, dass man ihn einfach Aiwanger nennen könne. Oder Hubsi, auch okay. Von Maxi Schafroth muss er sich einige weitere Bezeichnungen gefallen lassen. Eine Verbindung spüre er zu ihm, "rotbackige Kachelofenkinder" wie ihn gebe es im Allgäu ja auch. Und er sitze da wie ein "alkoholisierter Feuerwehrkommandant, der grad a Katz vom Dach runtergspritzt hat":

"Ganz glücklich sitzt du da, mit deinem Freibier. Du nimmst mit, was geht. Du bist so einer, der am End von der Raiffeisenvollversammlung noch die übrigen Schnitzelsemmel zamfrisst."

Die einfache Herkunft verbinde sie beide, sagt Schafroth:

"Natürlich hat man Angst vor Elektroautos und Stromtrassen, wenn man als Kind übern elektrischen Weidezaun bieslt hat."

Den größten Lacher im Saal erntet er für diesen Spruch:

"Der Aiwanger Hubert, der saugt seinen Diesel aus dem Heizöltank. Du kommunales Schlitzohr!"

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Quelle: dpa

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer - der neben der SPD in Form von Bundesjustizministerin Katarina Barley und Thomas Oppermann sitzt - wird gleich zur Begrüßung derbleckt:

"Du stehst jeden Tag auf und spielst einen Audi-Mitarbeiter, der so tut, als wäre er Verkehrsminister."

Und auch hier sieht Schafroth Parallelen zu seiner Kindheit im Allgäu:

"Meine Eltern waren mittellose Torfstecher - und mir haben im Allgäu gar keinen Torf! Mir haben also im Nichts rumg'stochert und behauptet des wär a Beruf. Ja, das kommt dem Scheuerandi bekannt vor. Ja obwohl ... Der Scheuerandi stochert eher im Dreck rum und sagt hinterher, dass er nix gfunden hat."

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Quelle: Claus Schunk

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Familienministerin Kerstin Schreyer wird in einem Block mit ihren Ministerkolleginnen Melanie Huml und Michaela Kaniber abgehandelt:

"Die Schreyer Kerstin ist der Beweis, dass konservative und moderne Genderpolitik zusammengehen. Die bayerische Familie hat drei Geschlechter: Mann, Frau, Thermomix."

Nockherberg 2019

Quelle: Florian Peljak

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Innenminister Joachim Herrmann sitzt bei Aiwanger und Landtagspräsidentin Ilse Aigner am Tisch - und wird von Maxi Schafroth für die Frisur gelobt, die auch seiner Oma gefallen hätte. Und dafür, dass er auf den bayerischen Autobahnen 100 Millionen Autokennzeichen im Jahr scannt:

"Der Herrmann, der scannt in einem Tempo - beim Aldi wäre er Mitarbeiter des Monats!"

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Quelle: dpa

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Mit Blick auf Aigner sagt Schafroth, sie müsse aufpassen, dass sie nicht wie ihre Vorgängerin Barbara Stamm "am Stuhl festpappe". Und appelliert dann an den Saal:

"Wir brauchen in Bayern mehr denn je starke Frauenfiguren in Schlüsselpositionen! Liebe Freunde, wir können dieses Potenzial nicht verschenken!"

Nockherberg 2019

Quelle: Florian Peljak

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Das hört man wohl am Grünen-Tisch besonders gern - und schon geht es weiter mit Katharina Schulze:

"Du bist die Tofu-Jeanne-d'Arc! Diese Schülersprecherinnen-Power. Du bewegst dich wahrscheinlich im Schlaf noch schneller als der Ludwig Hartmann aufm Hometrainer!"

Fastenprediger Schafroth lässt anstoßen auf die in den Achtzigerjahren geborenen Politiker:

"Die Generation Bibi Blocksberg greift nach der Macht!"

Und den Politikern von FDP und Grünen schlägt er vor, einfach die Parteien zu tauschen. Ihre Wähler ähnelten sich inzwischen sowieso zu sehr:

"Grünen-Wähler in München, die schauen aus wie der Carsten Maschmeyer in fairer Kleidung."

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Quelle: dpa

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35 Minuten. So lange dauert es, bis Schafroth die SPD zum ersten Mal erwähnt. "Ich hoff', dass wir vorkommen", hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter noch gesagt, bevor es losging. Eine berechtigte Angst. Erst das Schlusswort widmet Schafroth der Partei - und lustig wird es bei der SPD vor allem, wenn man sie mit Söder verbindet, scheint sich Schafroth wohl gedacht zu haben:

"Markus, du wolltest doch Demut lernen - gehst einen Tag zur SPD."

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Quelle: Tobias Hase/dpa

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Schafroth macht als Redner manches anders als seine Vorgänger, so wird seine Rede eingerahmt von Musik. Vorgetragen von einem Männerchor, angeblich aus dem Heimatministerium - die "singende Frauenquote der Freien Wähler." Dann fordert Schafroth einen Applaus für das Frauenwahlrecht. Auch Asylsuchende, die potenziell reinschalten könnten, kommen in Schafroths Rede vor. Und die Erkenntnis, die sie aus der Sendung ziehen könnten:

"Ah! Hoppla! In the Bayerische Rundfunk talks a Christ to other Christn. Now I know. Bavaria is a christliche Wertegemeinschaft. But I still don't understand the word Abschiebe-Bescheid."

Er stellt dann auch gleich den Innenminister vor:

"Liebe Asylsuchende, dear Asylum Seekers: This is Bavarian Innenminister Herrmann. A noble man, or as we say: Der Katholik mit der Lizenz zum Abschieben. He believes in Nächstenliebe. But to receive Nächstenliebe, you need a German Passport. No Passport, no Nächstenliebe."

Und als alles schon vorbei scheint, als die Musiker von der Bühne sind, fügt Schafroth noch eine Ansprache an die AfD hinzu:

"Wo auch immer ihr gerade seid (...) ich wünsche mir, dass ihr mit Liebe überhäuft werdet, dass Licht in eure Herzen kommt, denn vielleicht hilft's. Wer nicht verstanden hat, dass diese Welt nur im Miteinander funktioniert, der hat nichts verstanden, der hat nichts gelernt aus der Geschichte."

Und an alle im Saal sagt er: "Ob man gute Politik macht oder nicht, das merkt man ganz leicht, nämlich daran, ob man sich gut fühlt, der Betroffene der eigenen Politik zu sein oder nicht."

© SZ.de/ebri/smb
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