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Neuperlach:Neue Welt

Nach Jahren der Planung und Stagnation soll im Mai mit dem grundlegenden Umbau des Hanns-Seidel-Platzes begonnen werden. Als eine der großen Herausforderungen gilt das neue Kulturzentrum

Die Stadt, ihre Wohnbaugesellschaft Gewofag, das Pep-Einkaufszentrum und der private Bauträger BHB stehen in den Startlöchern: Nach Jahren der Planung und Stagnation könnte im Mai mit dem Bau der ersten Wohnungen auf dem Hanns-Seidel-Platz - "Münchens teuerstem Parkplatz", wie ihn Spötter in Anspielung auf die Brache mittlerweile nennen - begonnen werden. Das Kommunalreferat rechnet damit, dass der Stadtrat den Bebauungsplan noch im ersten Quartal 2016 verabschiedet und damit Baurecht erteilen wird, erläuterte Kommunalreferent Axel Markwardt bei einer Infoveranstaltung des Bezirksausschusses (BA).

Frühestens in zwei Jahren soll dann auch der Bau des Kulturzentrums folgen. Zugleich will das benachbarte Pep bis 2018 sein Einkaufszentrum erweitern und modernisieren und den Platz als Interimsparkplatz nutzen. Den Bau eines provisorischen Parkhauses auf dem Areal hat das Pep mittlerweile verworfen; es sollen ebenerdige Stellplätze werden, bis das neue Parkhaus Nord das alte ersetzt.

Eine der großen Herausforderungen wird das Kulturzentrum werden, das auch den Bürgern an diesem vom BA-Vorsitzenden Thomas Kauer (CSU) moderierten Abend am Herzen lag. Es soll Raum bieten für einen großen Saal, ein Studiotheater, Musikprobenräume, ein Volkshochschul-Stadtteilzentrum, das Sozialbürgerhaus, das Festspielhaus für Jugendliche, die Stadtbibliothek mit 70 000 Medien und bis zu 45 Wohnungen "on top", so Markwardt. Der Kommunalreferent bezeichnete es als stadtweit einziges kulturelles Zentrum dieser Größe und einer derart komplexen Nutzung. Gebaut werden soll es nach einer europaweiten Ausschreibung von einem Investor.

Hanns-Seidel-Platz

Spannender Ausblick: Das geplante Kulturzentrum setzt einen starken Akzent.

(Foto: Visualisierung: Delugan Meissl)

Doch wie sei gewährleistet, dass man auch bekomme, was man bestellt habe, wollte Ulrich Knauer, Vorsitzender des Trägervereins des Theaters Pepper, wissen: "Der Investor will Geld verdienen, und wir wollen Kultur machen." Markwardt verwies auf die Vorgaben der Stadt für die Ausschreibung. Ein Investor werde auf eigenes Risiko auf Basis des Bebauungsplans bauen müssen. Grundlage sei der Siegerentwurf des 2013 erfolgten Realisierungswettbewerbs. Ihn hatte das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl gewonnen, das dem kühn geschwungenen Kulturzentrum im Norden ein asymmetrisches Hochhaus gegenüberstellt. Eigentlich habe es die Stadt selbst bauen wollen, was im Stadtrat aber keine Mehrheit gefunden habe, sagte Markwardt. Das Baureferat selbst errichte keine Wohnungen, und die städtischen Wohnungsbaugesellschaften könnten sie zwar bauen, aber keine Säle oder kulturellen Zentren. Dies dürften sie schon laut ihrer Satzung nicht. Das Kommunalreferat wiederum hätte dafür zusätzliches Personal einstellen müssen, doch der Stadtrat habe keine weitere Bauverwaltung aufbauen wollen. Die Stadt werde das Projekt deshalb nach genauen Vorgaben ausschreiben. Das Areal werde verkauft, die Stadt werde sich dann entweder langfristig einmieten oder Teile zurückkaufen.

70 Prozent des 3,9 Hektar großen Platzes gehören der Stadt, der Rest ist in privater Hand wie der BHB. Der Mittelständler will als erstes mit der Umsetzung von 150 frei finanzierten Wohnungen an der Fritz-Erler-Straße beginnen. Er ist Eigentümer des alten Postgebäudes, das im kommenden Monat abgerissen werden soll. Im Juli will er dann auf der anderen Seite beginnen, wo 85 Wohnungen, Einzelhandel auf 7200 Quadratmetern, Studentenwohnungen und ein Hotel mit 130 Betten entstehen sollen. Dem wird die Gewofag von 2018 an mit dem Bau von 140 geförderten Wohnungen im Nordosten folgen, in die ein Kinderzentrum mit 75 Plätzen für alle Altersklassen integriert wird. Im Süden sieht die städtische Gesellschaft gemischte Wohnformen vor: 125 Einzimmerwohnungen und Appartements für städtische Azubis und Mitarbeiter, dazu Einzelhandel, Büros und ein Familien- und Beratungszentrum des Stadtjugendamtes.

Das Einkaufszentrum Pep soll nach diesen Entwürfen modernisiert werden.

(Foto: IP Broadway Malyan)

Die Bürger hatten auch Wünsche an das Pep: So sollten Gastrobetriebe und Ladenzeile auch sonntags und abends geöffnet sein. Center-Manager Axel Haug lehnte ab: Dann müssten auch Lüftung, Rolltreppen und Lampen in Betrieb sein und ein Wachdienst bereitgestellt werden. Kosten, die letztlich die Mieter tragen müssten. Er sagte aber eine bessere Beleuchtung in dunkleren Bereichen zu.