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Neuperlach:Luftige Pläne

Fritz-Schäffer-Straße 9 Neuperlach "aer" Lobby Rendering Hines

Lichte Lobby mit Grün: So soll der Empfang im "aer" an der Fritz-Schäffer-Straße 9 einmal aussehen. Visualisierung: Hines European Value Fund 2/oh

Ein Immobilienfonds will den Bürokomplex an der Fritz-Schäffer-Straße zu seinem Leuchtturmprojekt "aer" umbauen. Mit CO₂-neutraler Architektur, Dachgärten, Coworking-Flächen - vor allem aber attraktiven Außenbereichen, die für jedermann zugänglich sein sollen

Von Hubert Grundner, Neuperlach

Revitalisierung und Zukunftsfähigkeit lauten die Begriffe, unter denen das Immobilienunternehmen Hines die Umgestaltung seiner Bürogebäude an der Fritz-Schäffer-Straße 9 mit hohem Tempo vorantreibt. Hines verfolgt dabei nach eigenen Angaben das Ziel, eine "nachhaltige und innovative" Arbeits- und Lebenswelt zu schaffen. Die 1996 von Lauber & Wöhr entworfenen Gebäude im Stadtteil Neuperlach wurden im Februar 2020 im Auftrag des Hines European Value Fund 2, also eines Immobilienfonds, erworben. Die bisher von der Allianz genutzte Bürofläche von mehr als 87 000 Quadratmetern wurde Ende 2020 frei. Damit einhergegangen ist die Umbenennung des Gebäudekomplexes, der bisher als "Fritz 9" firmierte, in "aer".

Geplant sei, wie das Unternehmen mitteilt, eine Neugestaltung des Areals in zwei Abschnitten. Zunächst solle das Bestandsobjekt im westlichen Bereich komplett saniert und umgestaltet werden: "Vorgesehen ist ein Multi-Tenant-fähiges Bürogebäude mit einem nachhaltigen Energiekonzept - es wird vollständige CO₂-Neutralität angestrebt. In diesem Zusammenhang soll die Immobilie ein DGNB-Rating erhalten." Übersetzt heißt das ungefähr: Mehrere Mieter/Kunden können gleichzeitig im Gebäude ein bereitgestelltes Soft- oder Hardwaresystem nutzen, ohne dabei die Daten der anderen User einsehen zu können. Und das DNGB-Rating gilt als Nachweis für nachhaltiges Bauen. Hierfür werde insbesondere auf eine Holz-Hybrid-Bauweise gesetzt, die sich positiv auf die Energiebilanz des Gebäudes auswirken soll.

Zu den Highlights werden laut Hines unter anderem flexible Büroflächen mit Deckenhöhen von bis zu sieben Metern und neu geschaffene Galerien im Dachgeschoss zählen. Allgemein nutzbare moderne Konferenz- und Coworking-Flächen sollen ebenso zum Standard gehören wie E-Tanksäulen, grüne und begehbare Dachflächen und -gärten, Sportmöglichkeiten und eine Tagesbar. Zudem sei eine hauseigene Kindertagesstätte geplant. Die gesamte Immobilie werde über eine App-basierte, digitale Infrastruktur verfügen. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts sollen bis Ende 2022 erfolgen.

Fast noch mehr werden sich die Neuperlacher aber vermutlich für Teil zwei des Projekts interessieren: Hines will den ehemaligen Allianz-Standort in Zukunft für die Öffentlichkeit erlebbar machen: Langfristig soll in Kombination mit den Planungen für das östliche Bestandsgebäude ein "Campus" auf dem Gelände entstehen mit attraktiven Außenflächen, die für jedermann zugänglich sind. Auf diesem zweiten Teilgrundstück werde eine Neuorganisation unter anderem durch die Schaffung von Wohnraum angestrebt. Aktuell arbeitet Hines nach eigenen Angaben in enger Abstimmung mit Behörden, Politik und Bürgern an einem Zwischennutzungskonzept mit einem umfangreichen Kunst-, Kultur- und Unterhaltungsangebot, welches einen Treffpunkt für Generationen schaffen und die Menschen in Neuperlach zusammenführen soll. Auch Büroflächen sollen interimistisch zur Verfügung gestellt werden.

Bei Hines verfolgt man mit dem Bürokomplex an der Fritz-Schäffer-Straße jedenfalls hochgesteckte Ziele. So betont Managing Director Christian Meister: "Wir wollen mit dem 'aer' ein Leuchtturmprojekt schaffen - nicht nur technologisch, sondern auch in Bezug auf Nachhaltigkeit, Konnektivität und Design. Unsere Vision ist es, mit dem Stadtteil Neuperlach zum Pionier der Stadt von morgen zu werden." Und Alexander Möll, Geschäftsführer von Hines Immobilien, ergänzt: "Mit dem 'aer' sind wir auf einem sehr guten Weg, neue Maßstäbe bei Bestandsrevitalisierungen zu setzen." Das betreffe nicht nur den respektvollen Umgang mit der bestehenden Architektur, sondern auch das Erlebbarmachen des grünen Gedankens. Durch eine veränderte Einstellung gerade junger Menschen zum Thema schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen und eine veränderte Haltung zur Arbeitswelt befänden sich Büroimmobilien im Umbruch. Dem wolle man bei "aer" Rechnung tragen. Hines wird bei der Projektentwicklung von den Architekturbüros OLIV Arnold/Werner, O3 Arch. und Studio Vulkan unterstützt.

© SZ vom 02.02.2021
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