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Neuperlach:Lückenschluss nach fünf Dekaden

Hanns-Seidel-Platz

Zukunftsvision: der Entwurf für Neuperlachs Mitte. Simulation: Delugan Meissl

Stadtrat will das Bürgerzentrum am Hanns-Seidel-Platz spätestens bis zur Jahresmitte 2016 auf den Weg bringen

Da hat so mancher alteingesessene Perlacher seinen Ohren nicht getraut: "Es gibt tatsächlich Fortschritte", sagte der Vorsitzende des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, Thomas Kauer (CSU), jüngst bei der Bürgerversammlung und meinte damit das geplante kulturelle Bürgerzentrum auf dem Hanns-Seidel-Platz. Nach seinem Kenntnisstand beabsichtige der Stadtrat, den zugehörigen Bebauungsplan im ersten oder zweiten Quartal 2016 mit dem Satzungsbeschluss auf den Weg zu bringen. Damit wären die rechtlichen Voraussetzungen zur Realisierung des Projekts gegeben. Vorgesehen sei der Bau von circa 400 Wohnungen. Aber auch Büros, Einzelhandel, besondere Wohnformen sowie kulturelle und bürgerschaftliche Nutzungen - die vor allem - sollen in dem Komplex unterkommen.

Grundlage dafür wäre der futuristische Entwurf von Delugan Meissl Associated Architects mit Helmut Wimmer und Partner aus Wien, die als Sieger aus dem Realisierungswettbewerb von 2013 hervorgegangen waren. Wie Kauer weiter erklärte, verfolgt der Stadtrat bei der Umsetzung eine Investorenlösung. Dabei wird das Projekt sehr detailliert ausgeschrieben. Kauer zufolge könnte aber bereits Mitte 2016 mit den Arbeiten an anderer Stelle, nämlich mit der Wohnbebauung an der Fritz-Erler-Straße, begonnen werden.

Gleichwohl nahmen viele Zuhörer die Ankündigung des BA-Chefs eher zurückhaltend auf. Kein Wunder, warten sie doch schon seit Jahrzehnten darauf, dass das Zentrum Neuperlachs städtebaulich endlich vollendet wird. Und mit Ulrich Höhnberg ließ sich zumindest ein Zuhörer auch durch Kauers Vortrag nicht davon abhalten, einen Antrag zum Hanns-Seidel-Platz zu stellen: Darin spricht die Bürgerversammlung dem Stadtrat und der Stadtverwaltung ihre Missbilligung dafür aus, dass fast fünfzig Jahre nach der Entstehung Neuperlachs dieser Stadtteil noch immer nicht über ein Zentrum mit den seiner Größe entsprechenden sozialen und kulturellen Einrichtungen verfügt. Die Bürgerversammlung erwarte für die Realisierung dieses Zentrums unverzüglich eine konkrete zeitliche Perspektive. Diesen Antrag haben dann die 500 Besucher in der Aula des Schulzentrums an der Quiddestraße dann auch fast einstimmig beschlossen.

Zuvor hatte Höhnberg sein Anliegen temperamentvoll vorgetragen. Das fehlende Stadtteilzentrum sei ein Ärgernis, schimpfte er. Dabei sei es bereits Mitte der Sechzigerjahre angekündigt worden. In der Folgezeit hielten sowohl der ursprüngliche Maßnahmeträger, die Neue Heimat Bayern, als auch das Rathaus städtebauliche Wettbewerbe für den zentralen Bereich Neuperlachs ab. "Aber bisher wurde nichts davon verwirklicht", kritisierte er. Im größten Münchner Stadtbezirk mit mehr als 110 000 Einwohnern gebe es nicht einmal ein Kino, geschweige denn ein Bürgerhaus und weitere soziale und kulturelle Infrastruktur. Es gebe nur einen Behelfsbau, der sich großspurig "Kulturzentrum" nenne. Und so klaffe neben der kommerziellen Nutzung durch das Pep-Einkaufszentrum seit Jahrzehnten eine Lücke, die ein hässlicher Parkplatz ausfülle. Höhnberg kam zu dem Schluss: "Der Vergleich mit der Situation in anderen Stadtteilen, etwa mit dem Kulturzentrum Trudering, dem Stadtteilzentrum Arabellapark oder mit dem Kulturzentrum Hasenbergl zeigt doch überdeutlich, welch geringe Wertschätzung dem Stadtteil Neuperlach vom Stadtrat und von der Stadtverwaltung entgegengebracht wird." Wenn es indes darum gehe, belastende Einrichtungen wie den U-Bahn-Betriebshof oder den Großmengen-Wertstoffhof anzusiedeln, sei man schnell bei der Hand. Nach dem Beifall zu urteilen, den der Bürger erntete, teilt eine große Mehrheit der Neuperlacher diese Sichtweise.