Neuperlach Fragen über Fragen

Grüne Energie: Blick ins Innere der Biomasse-Anlage, die derzeit in Grasbrunn als Pilotprojekt betrieben wird und nach Neuperlach verlagert werden soll.

(Foto: Claus Schunk)

Lärm, Gestank, zu viel Lkw-Verkehr: Lokalpolitiker lehnen die geplante Biomasse-Anlage an der Carl-Wery-Straße weiterhin ab. Auch will der Bezirksausschuss wissen, ob dem Grundstückseigentümer Zusagen gemacht worden sind

Von Hubert Grundner, Neuperlach

Es ist ein Projekt, das die Nachbarn umtreibt und von denen manch einer jetzt schon die Nase gestrichen voll hat, obwohl noch keine Baugenehmigung vorliegt. Die Rede ist von einer Biomasse-Anlage, die die Unternehmensgruppe Werner von Grasbrunn an die Carl-Wery-Straße in Neuperlach verlagern will. Ziel ist es, auf dem rund fünf Hektar großen Areal - kurz nach der Einmündung der Rotkäppchenstraße - Bioenergie aus Biomasse zu gewinnen. Dies soll nach dem sogenannten Florafuel-Verfahren geschehen, wonach nahezu jede Art von feuchter Biomasse zu CO₂-neutralen Energieträgern beziehungsweise Brennstoffen aufbereitet werden kann. Geeignet zur Aufbereitung sind laut Florafuel AG unter anderem Gras und Feuchtwiesenschnitt, Straßenbegleitgrün, Laub, Silage oder Fermentierungsabfälle. Neben der Aufbereitung solcher biologischen Reststoffe ist zudem eine Kompostieranlage vorgesehen.

Diesen Plänen haben die Lokalpolitiker im Bezirksausschuss (BA) Ramersdorf-Perlach bereits in ihrer Juni-Sitzung aufs Heftigste widersprochen. Und an dieser Haltung hat sich auch nach dem Auftritt von Vertretern der Unternehmensgruppe im Unterausschuss Bauvorhaben nichts geändert. Im Gegenteil, für das Gremium ergaben sich "eine Fülle von Ungereimtheiten", wie dessen Vorsitzender Wolfgang Thalmeir (CSU) erklärte. Es blieben viele Fragen ungeklärt. In der Nachbarschaft bestehe eine große Unsicherheit. Die Anlage werde dort mit Nachdruck abgelehnt, so Thalmeir. Der Unterausschuss empfahl deshalb dem BA, an seiner ablehnenden Stellungnahme festzuhalten, was dieser am Dienstagabend denn auch tat.

Zusätzlich hat BA-Vorsitzender Thomas Kauer (CSU) eine weitere Anregung seiner Kollegen im Bauausschuss aufgegriffen und dem Referat für Gesundheit und Umwelt schriftlich erläutert, warum gegen das Vorhaben massive Bedenken bestehen. So hätten die Vertreter des Antragstellers keinerlei Aussagen zur erwarteten Lärmbelastung getroffen. Zweitens habe es geheißen, dass nur die bestehende Demonstrationsanlage aus Grasbrunn verlagert werden solle. Dazu passten jedoch nicht die 14 000 Tonnen Biomasse, die jährlich laut Antrag angeliefert werden sollten. Kauer weist in seinem Schreiben darauf hin, dass das Grundstück durch die Anlage nicht vollständig ausgelastet würde. Insofern sei nicht auszuschließen, dass deren Erweiterung mittel- oder langfristiges Ziel sei, was wiederum zu mehr Lärm und Gestank in der Umgebung führen würde.

Fragwürdig ist aus Sicht des BA auch die genannte Zahl von zehn Lkw-Fahrten pro Tag, und wie dies zu den 14 000 Tonnen Biomasse passt, die jährlich angeliefert werden sollen. Vollends ins Grübeln brachten die Lokalpolitiker aber Aussagen von Vertretern der Unternehmensgruppe im Unterausschuss Bau: Dort hätten diese argumentiert, so Kauer, das vorrangige Ziel auf dem Grundstück sei Wohnbebauung, die jedoch das Planungsreferat abgelehnt habe. Der Antragsteller sei bereits seit längerem auf der Suche nach einem geeigneten Areal und auch bereit, das Grundstück zu tauschen. Davon aber ist dem Bezirksausschuss nichts bekannt. Weshalb das Gremium jetzt vom Kommunalreferat wissen will, ob ihm entsprechende Anfragen oder Angebote vorliegen oder es gar selbst ein Tauschgrundstück zur Realisierung der Biomasse-Anlage angeboten habe. Deren Kollegen vom Planungsreferat wiederum sollen erklären, ob es Anfragen für eine Wohnbebauung oder andere Nutzungen auf dem Grundstück gab. Und wenn ja, warum diese negativ beschieden wurden? Außerdem interessiert den BA, welche Aussagen der Rahmenplan für den künftigen U-Bahn-Betriebshof in punkto Wohnungsbau und neue Straßenführung trifft und wie sich das mit dem Projekt an der Carl-Wery-Straße verträgt.

Abschließend heißt es in Kauers Schreiben: "Ist es zutreffend, dass dem Grundstückseigentümer 2006 beim Kauf des Grundstücks die Nutzung als Kompostierfläche zugesagt wurde?" Genau das hatte ein Vertreter des Antragstellers behauptet und angekündigt, die Genehmigung notfalls vor Gericht zu erzwingen. Auf die Antworten der Verwaltung ist man nun im BA gespannt. "Mehr können wir im Moment nicht tun, der Ball liegt jetzt bei der Stadt", sagte Kauer. Allerdings zeigte er sich zuversichtlich, dass das Projekt nicht allzu schnell genehmigt wird.