Neuperlach Eine Geschäftsidee, die punktet

Gymnasiasten gründen im Projekt-Seminar das Unternehmen "yourgreenmemory", das Baumpatenschaften vermittelt. Am Anfang stehen 900 Euro Startkapital und die Annahme: Alles was grün ist, zieht

Von ilona gerdom, Neuperlach

Charthits wummern aus zwei schwarzen Boxen. Ein paar Jugendliche in einer Schulaula in Neuperlach drehen an den Lautstärkereglern, drücken an einem Laptop herum, stellen den Beamer ein. Dafür, dass es 17 Uhr ist, sind noch ziemlich viele Schüler im Heinrich-Heine-Gymnasium. In Grüppchen stehen sie beisammen und unterhalten sich, laufen die Treppe hoch oder sortieren ihre Karteikarten. Die letzten Vorbereitungen für die erste Hauptversammlung des Schülerunternehmens "yourgreenmemory" laufen auf Hochtouren.

Langsam tröpfeln die Besucher herein und setzen sich. Die Stühle sind im Halbkreis angeordnet, mit Blick nach vorne zur Leinwand. Es wird ruhig, denn die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr. Ein Mädchen steht auf und geht selbstbewusst nach vorne. Ihre langen blonden Haare hat sie zu einem strengen Zopf gebunden. Die weiße Bluse verleiht ihr etwas Seriöses. Juliana De Kleuver besucht die elfte Klasse, und wenn man so will, hat sie es mit ihren 17 Jahren schon weit gebracht. Sie ist der Vorstand von "yourgreenmemory". Das Unternehmen basiert auf der Idee, "persönliche Erinnerungen mit einer umweltfreundlichen Geste zu verbinden". Das heißt konkret, dass De Kleuver und ihre Mitschüler Baumpatenschaften verkaufen. 15 Schüler haben das Konzept entwickelt. Nicht ganz freiwillig, in der elften Klasse gehört zum Stundenplan an Gymnasien in Bayern das Projekt-Seminar. Dort sollen Schüler praktische Erfahrungen sammeln. Dieses P-Seminar in Neuperlach gehört zum Fach "Wirtschaft und Recht". Jedes Jahr gründen die Schüler, die es belegen, ein Unternehmen, das nach einem Jahr wieder aufgelöst wird. Dabei unterstützt sie nicht nur eine Lehrkraft, sondern auch die gemeinnützige Organisation "Junior". Sie will Jugendlichen das Thema Wirtschaft praxisorientiert näherbringen. Nach dem Motto "learning by doing" unterstützen sie Schüler bei der Umsetzung ihrer Ideen und bieten ihnen die Möglichkeit, bei Wettbewerben gegeneinander anzutreten.

Als hätte sie das schon tausendmal gemacht, begrüßt De Kleuver übers Mikrofon routiniert die Gäste. Darunter ist einer von zwei Wirtschaftspaten, die "Junior" den Schülern an die Seite stellt. Außerdem sind die Anteilseigner anwesend. Wie ein richtiges Unternehmen hat "yourgreenmemory" zunächst Startkapital gebraucht. "Junior" stellt deshalb allen Schülerunternehmen, die es betreut, 90 Anteilsscheine zur Verfügung. Diese können die Schüler für je zehn Euro verkaufen. So starten alle Firmen zu Beginn jeweils mit der gleichen Summe, 900 Euro. Um für sich und die Anteilsinhaber Gewinne zu erzielen, verkauft "yourgreenmemory" Baumpatenschaften. So kann man etwa zur Geburt eines Kindes einen Baum pflanzen lassen. Dafür arbeitet das Unternehmen mit Vereinen, die Eigentümer von Wäldern sind, zusammen. Kunden können sich aussuchen, in welchem dieser Wälder ihr Sprössling wachsen soll. Beim feierlichen Einpflanzen erhalten sie eine Urkunde auf Recycling-Papier und einen selbst hergestellten Schlüsselanhänger.

Fünf weitere Schüler haben sich vorne zu De Kleuver gesellt. Sie sind die Abteilungsleiter von Personal, Produktion, Marketing, Finanzen und Presse. Nacheinander stellen sie ihre Aufgaben vor. Manchen der 16-und 17-Jährigen merkt man kein bisschen Aufregung an, bei anderen zittert die Stimme ein wenig. Einer sagt: "Wir sind ja nur Schüler, die da ins kalte Wasser geworfen wurden." Trotzdem hat man das Gefühl, dass sie sich ziemlich gut auskennen in dem, was sie auf die Beine gestellt haben. "Wir machen das nicht einfach so, sondern schon mit Verantwortung", erklärt De Kleuver. Das P-Seminar, das die erste Wahl aller 15 Schüler war, sei eines der anspruchsvollsten der Schule. Jeden Dienstag seit Schuljahresbeginn treffen sich die Teenager für zwei Doppelstunden, um das Vorgehen zu besprechen. Viel Zeit ist das nicht, deshalb müssen sie ihre Aufgaben, wie E-Mails schreiben, Waldvereine abtelefonieren und Flyer gestalten, in ihrer Freizeit machen. Die 17-Jährige findet das Projekt gut, denn "die praktische Erfahrung kann später helfen". Unternehmerisch tätig sein will De Kleuver beruflich aber nicht. Sie möchte Biochemie studieren und danach in die medizinische Forschung gehen.

Gerade sind auf der Leinwand die Events zu sehen, die für das Team anstehen. Im Mai ist der Landeswettbewerb in München, im Juni der Bundeswettbewerb in Berlin. Da wollen die ehrgeizigen Jungunternehmer natürlich auf das Siegertreppchen. Auch deshalb haben sie sich für eine Geschäftsidee entschieden, die auf dem Umweltgedanken basiert. Man habe schon etwas Gutes tun wollen. Aber Juliana De Kleuver sagt auch: "Gerade im Wettbewerb braucht man eine Idee, die sinnvoll ist - eine, die punktet." Dass alles, was grün ist, derzeit zieht, haben die Schüler längst verstanden.