Neuhausen/Nymphenburg Waten oder planschen

Hoch die Waden: Derzeit wird das Wasser monatlich ausgetauscht.

(Foto: Sonja Niesmann)

Anwohner beschweren sich, dass Kinder und Hunde das Kneipp-Becken im Taxispark verschmutzen

Von Sonja Niesmann, Neuhausen/Nymphenburg

Erfrischend, anregend, wohltuend soll das von Pfarrer Sebastian Kneipp empfohlene Waten im wadentiefen Wasser sein. Manche Besucher im Taxispark regt der Anblick des Kneippbeckens jedoch eher auf als an: Von "verdreckt" bis "Kloake" reichen die Kommentare. Dieser Tage ist das Wasser im Becken zwar, bis auf etwas verwehtes Laub, einladend klar, doch an richtig heißen Sommertagen "gehen da Hunde rein und Kinder, die auch reinbieseln", berichtete dieser Tage Daniela Hermann von der Anwohnerinitiative "Taxispark - Grünes Gern für alle" im Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg.

Auch Claudia Dexl beklagt den Zustand des Kneipp-Beckens in der aufwendig umgestalteten Grünanlage zwischen Taxis-Biergarten und Concordia-Kleingartengelände. Dexl leitet zwei Selbsthilfegruppen für Fibromyalgieerkrankte, die ihre Gruppenräume in Gern nahe dem Taxispark haben. Die Mitglieder hätten sich darauf gefreut, in diesem Becken ihre Therapieübungen zu machen - eine der wenigen sportlichen Betätigungen, die ihnen noch möglich seien. Doch "permanent sind Steine, Algen und Zweige" im Becken, baden Kinder und Hunde dort - obwohl eine Tafel mit der Anleitung fürs Wassertreten immerhin mahnt, Hunde fernzuhalten. Bitten um Rücksichtnahme und der Hinweis, das sei kein Planschbecken, hätten ihr, erzählt Dexl, nur Beschimpfungen von Eltern und Hundebesitzern eingetragen. Dabei sei als Ziel bei der Gestaltung des Parks doch ständig die Inklusion proklamiert worden. "So wie es aussieht, haben wir wieder, wie so oft, das Nachsehen", merkt sie an.

Bereits Ende Mai - der erst im Juli offiziell eröffnete Park ist schon seit dem Frühjahr zugänglich - schilderte Dexl das Problem in einem Schreiben an die Abteilung Gartenbau im Baureferat. Ihren Vorschlag, das Kneipp-Becken abzudecken, zu umzäunen und den Schlüssel nur denjenigen zu geben, die es für Therapiezwecke nutzen wollen, lehnte Gartenbau-Chef Ulrich Schneider allerdings rundweg ab. Das Becken solle allen Besuchern zur Verfügung stehen, nicht nur einem ausgewählten Kreis. Man werde aber, versprach Schneider (der inzwischen im Ruhestand ist), die Sache beobachten und bei Bedarf die Abstände zwischen den Reinigungsgängen verkürzen.

Derzeit wird das Wasser einmal im Monat ausgetauscht. Noch vor der Eröffnung hat das Baureferat die Oberflächen der Anlage speziell beschichten lassen, um einer Algenbildung in den heißen Sommerwochen entgegenzuwirken. Zudem solle die Anlagenaufsicht verstärkt kontrollieren. "Wir bitten Sie", appellierte Schneider abschließend, "uns und Ihnen ein bisschen Zeit zu geben, bis sich die Nutzung der neuen Anlage etwas eingependelt hat".

Alles eingependelt hat sich in Claudia Dexls und auch Daniela Hermanns Augen nicht, obwohl ihr Fazit am Ende dieses heißen Sommers unterschiedlich ausfällt. "Insgesamt freuen wir uns, dass wir so einen tollen Park vor der Haustür haben", sagt Hermann. Dexl dagegen ist nur frustriert: "Ich mag schon gar nicht mehr rübergehen, ich bin es leid."

Nun will der Bezirksausschuss noch einmal nachhaken. Kinder von Wasser fernzuhalten sei nun einmal kaum möglich, merkte Maike Brandmayer (SPD) an. Ein separates Planschbecken für die Kleinen aber, das hat Ulrich Schneider bereits wissen lassen, sei nicht möglich: "Hierzu wären die Anforderungen an Sicherheits- und Gesundheitsvorhaben, gerade im Hinblick auf die Wasserqualität, nicht zu gewährleisten." Aber vielleicht, so regen die Stadtviertelpolitiker an, könne am Spielplatz, der neben der Kneippanlage liegt, zumindest eine Art Wasserspiel eingerichtet werden.