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Neuhausen/Nymphenburg:Testlauf bis Mitternacht

Lokalpolitiker übertragen ihre Sitzung erstmals im Live-Stream

Von Sonja Niesmann, Neuhausen/Nymphenburg

Es war eine Premiere mit einem kleinen Hänger: Bei der Debatte, ob der Bezirksausschuss (BA) bei den Paketposthalle-Planungen zusätzlich zu dem von der Stadt vorgesehenen Bürgergutachten noch eine eigene Anhörungsrunde speziell für Anwohner anschieben soll, stieg die Technik aus. Weitere gelegentliche Aussetzer im ersten Live-Stream einer BA-Sitzung aus Neuhausen-Nymphenburg am Dienstagabend waren der Tatsache geschuldet, dass Laurenz Kiefer (CSU) seine Wortmeldungen als einziger nicht per Kamera übertragen haben wollte: "Ich stehe für diesen Bündnis 90/Die Grünen-Livestream nicht zur Verfügung." Das zielte offenbar darauf ab, dass der Digital-Beauftragte des Gremiums, Martin Züchner, ein Grüner, federführend bei der Organisation war. Durch die Kooperation mit dem "Backstage", in dem die Neuhauser in diesen Corona-Zeiten tagen und das sein technisches Equipment kostenlos zur Verfügung stellte, war der Livestream extrem billig: Er kostete sechs Euro für die Domain ba09-live.de.

Züchner war am Ende mit dem Testlauf zufrieden und scherzte: "der längste BA-Stream aller Zeiten." Ob es an der Begeisterung der Mitglieder lag, sich auf dieser Plattform präsentieren zu können (wenn auch maskenverhüllt und -gedämpft) oder ob der Bundestagswahlkampf bereits durchschlägt: Die Wortmeldungen und auch gelegentlich die parteipolitischen Knüppeleien waren derart zahlreich und ausführlich, dass die Sitzung bis kurz vor Mitternacht dauerte. In den vergangenen Monaten hatte sich das Gremium selbst diszipliniert, grundsätzlich ein Sitzungsende um 22 Uhr angepeilt und auch meist geschafft. Bis Mitternacht hielten übrigens genau fünf Zuschauer des Livestreams durch, "in der Spitze waren 32 dabei", erklärte Züchner.

Die allerletzte von vielen Abstimmungen an diesem Abend legte daher fest, auch die Mai-Sitzung wieder live zu übertragen - und dies dann auch explizit vorher öffentlich anzukündigen. Beim Testlauf hatte man darauf verzichtet.

© SZ vom 22.04.2021
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