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Neuhausen/Nymphenburg:Pilotprojekt Wurzelmaus

Lastenfahrrad Frau mit Kind auf der Ladefläche ihres Lastenrads überquert auf einem Radweg den Maria

Geförderte Flitzer: Die Stadt subventioniert über das Programm "München emobil" den Kauf von Lastenfahrrädern, hier eine Mutter am Mariahilfplatz.

(Foto: Imago)

Bezirksausschuss gewährt Eltern-Kind-Initiative 6500 Euro Zuschuss, um zwei Lastenpedelecs anzuschaffen

Von Sonja Niesmann, Neuhausen/Nymphenburg

Mit einer Gruppe von Ein- bis Dreijährigen zu Fuß irgendwohin zu marschieren, braucht seine Zeit - Zeit, die abgeht von den anderthalb Stunden, die fürs Spielen draußen im Tagesablauf festgesetzt ist. Die Eltern-Kind-Initiative "Die Wurzelmaus", an der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Gern zuhause, will ihre Kleinkinder deshalb in zwei Lastenpedelecs in die Grünanlagen transportieren. Den Garten nämlich, mit dem die Initiative auf ihrer Homepage wirbt, könne sie wegen zu vieler Konflikte nicht benutzen, erklärt Laura Reiter, "und von privaten Spielplätzen in Wohnanlagen werden wir meist weggestaubt."

9300 Euro kosten die beiden Gefährte mit je sechs Sitzbänken. Den Löwenanteil für diese Anschaffung, 6500 Euro, übernimmt jetzt der Neuhauser Bezirksausschuss (BA). 2000 Euro steuert die Stadt bei, sie fördert seit 2016 über das Programm "München emobil" die Anschaffung von Pedelecs sowohl für Unternehmen als auch für gemeinnützige Vereine und freiberuflich Tätige, als Beitrag zum Klimaschutz, zur Luftreinhaltung und zur Lärmvermeidung. Neben herkömmlichen Pedelecs werden auch Lastenpedelecs mit 25 Prozent und maximal 1000 Euro bezuschusst.

Den Knackpunkt bei dieser Entscheidung formulierte CSU-Fraktionssprecher Leo Agerer, wiewohl Befürworter des Antrags, gleich eingangs: "Kommt dann jeder Kindergarten?" Denn sollte dieses "Pilotprojekt", so Agerer, Schule machen, "werden wir es nicht allen finanzieren können". Exakt mit diesem Aspekt beschäftigte sich die Diskussion aber kaum, die Stadtviertelpolitiker kleideten ihr Zögern stattdessen in allerlei besorgte Einwände. So wandte etwa Nikolai Lipkowitsch (Grüne) ein, so ein Lastenrad sei mit dem Gewicht von sechs Kindern ja nicht einfach zu fahren: "Vielleicht wäre es besser, Sie mieten erst einmal eins zur Probe?" Und Willi Wermelt (SPD) befand, München mit seinem Verkehr und den Abgasen sei überhaupt nicht die Stadt, in der man "mit sechs Kindern in der Kiste" herumfahren sollte.

Erst nachdem Peter Loibl (Arbeitsgemeinschaft für Neuhausen/AGS) gemahnt hatte, der Bezirksausschuss müsse jetzt "keine überzogene Fürsorge entwickeln", wandte sich die Runde dem Finanziellen zu. Käme es nicht überhaupt billiger, so ein Einwurf, den der Kinderkrippe nächstgelegenen kleinen Spielplatz am Dom-Pedro-Platz, den die Eltern wegen der fehlenden Einfriedung meiden, einzuzäunen? Anna-Lena Mühlhäuser (SPD) schlug als Kompromiss vor, den Wurzelmäusen ein Lastenpedelec zu bezahlen und dafür großzügig aufzurunden auf 4000 Euro. Gegen die Stimmen der SPD-Fraktion entschloss sich jedoch die Mehrheit für die 6500 Euro.

© SZ vom 27.06.2019

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