Neuer Kultur- und Szenetreff Puerto Praterinsel

Auf der Praterinsel mitten in München könnte ein neuer Kultur- und Szenetreff entstehen - nach dem Vorbild des Giesinger Hertie-Kaufhauses.

Von Franz Kotteder

Auf der Praterinsel tut sich wieder etwas: Nach Informationen der SZ will die Eigentümerin der leerstehenden ehemaligen Schnapsfabrik, die Augsburger Patrizia Immobilien AG, demnächst einen Bauantrag für das bisherige Ateliergebäude einreichen.

Soll von Herbst an umgebaut werden: das sogenannte Ateliergebäude auf der Praterinsel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Baubeginn könnte im Herbst dieses Jahres sein, falls die Stadt die Baupläne so akzeptiert, wie sich die Patrizia das vorstellt. Bislang fand nach Angaben von Patrizia-Pressesprecher Andreas Menke nur ein Vorgespräch mit der Lokalbaukommission in der vergangenen Woche statt. Bis zum Baubeginn könnte zudem das Team von "Puerto Giesing" in dem Gebäude einziehen und ähnlich wie im vergangenen Jahr in Giesing einen alternativen Kultur-Treffpunkt betreiben.

Das Ateliergebäude am östlichen Rand des Ensembles heißt so, weil dort bis vor etwa fünf Jahren Künstlerateliers untergebracht waren. Momentan steht es leer, nach Angaben von Pressesprecher Menke geht es bei den Verhandlungen mit der Stadt darum, "wie das Gebäude denkmalgerecht umgebaut werden kann".

Die Gespräche seien noch "ganz am Anfang", es seien bislang nur erste Ideen ausgetauscht worden. Was die Patrizia längerfristig mit dem Atelierhaus und dem Gelände vorhat, wollte Menke nicht sagen. Im Gespräch waren in den vergangenen Jahren ein Restaurant, aber auch Räume für das Kinder- und Jugendmuseum, das über kurz oder lang sein Domizil im Hauptbahnhof verlassen muss.

Eine Kulturnutzung hält auch der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Wolfgang Püschel (SPD), für wahrscheinlich, weil das den städtischen Vorgaben für die Praterinsel entspreche und der vordere Teil des Areals gerade eben für Büros und Wohnungen an den Bayerischen Landtag vermietet worden sei. Hier bestehe momentan also sowieso ein Defizit.

Dieses Defizit könnte nun vorübergehend behoben werden. Bis zum endgültigen Umbau, so heißt es, soll es in den nächsten Wochen eine kulturelle Zwischennutzung geben. Auch hier sind noch keine Entscheidungen gefallen, denkbar wären jedoch Ateliers im Hauptgebäude. Im großen Innenhof könnte nach dem Wegfall des "Nektar-Beach", den eine Szene-Bar 2010 hier betrieben hatte, ein Biergarten entstehen. Gute Chancen für die Zwischennutzung hat angeblich das Team von "Puerto Giesing" um die Veranstalterin Zehra Spindler. Es hatte im vergangenen Jahr höchst erfolgreich das ehemalige Hertie-Kaufhaus an der Tegernseer Landstraße für ein Dreivierteljahr zum Kultur- und Szenetreffpunkt umgewandelt. Spindler war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Immobilienprojekt Praterinsel hat eine bewegte Vorgeschichte. Nachdem der Spirituosenhersteller Riemerschmid den Standort 1984 aufgegeben hatte, wurde das Gelände vier Jahre später überraschend an den Frankfurter Wirtschaftsanwalt Dieter Bock verkauft. Bock wollte unter anderem ein Luxushotel bauen, bekam dafür jedoch keine Genehmigung.

Zwischenzeitlich vermietete er die Fabrikräume an Künstler, baute die ausgedehnten Keller in Ausstellungsräume um und vermietete sie für Partys und gesellschaftliche Ereignisse. 2007 veräußerte er das Gelände, entnervt vom langen Warten, an ein Joint Venture, an dem auch die Patrizia beteiligt ist. Die wiederum verkaufte 2010 die Insel für rund 50 Millionen Euro an den Investor Franco Levis, der jedoch nicht bezahlte. Der Vertrag wurde rückabgewickelt.

"Ich glaub', die Party wird groß!"

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