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Neue Heimat:"Am besten schmecken sie mir geröstet vom Grill"

Französische Bulldogge

Hunde werden in Akintolas Heimat Nigeria nicht verhätschelt, sondern eher gegessen.

(Foto: dpa)

In Nigeria gelten Hunde als Delikatesse - und Katzen als unheimliche Zauberwesen. Unser Kolumnist ist verwundert über die Tierliebe der Deutschen.

Kolumne von Olaleye Akintola

Am Anfang dachte ich, dass ich tagträume: In Deutschland gibt es Eingeborene, die ziehen ihrem Hund einen Mantel an und nehmen ihn mit zum Einkaufen, und es gibt eigene Hotels, nur für Haustiere, deren Besitzer verreist sind. Ich staune noch immer, dass hier die Feuerwehr ausrückt, wenn ein Hund oder eine Katze gerettet werden soll oder in die Haustier-Klinik muss. Haustier-Klinik - in Nigeria haben wir dafür nicht einmal ein Wort. Hier in Bayern dürfen Hunde in die Wohnung oder sogar ins Zugabteil. Ich habe mit Schrecken erlebt, wie die Leute Welpen knuddeln und küssen, als wären es Babys. Ich verurteile das nicht - andere Länder andere Sitten. Aber in meinen Augen sieht das ganz abscheulich aus.

Wo ich sozialisiert wurde, erfährt der Hund keine Bevorzugung gegenüber anderen Tieren. Er dient ausschließlich als Wächter und lebt deshalb draußen. Im Südwesten Nigerias finden jedes Jahr Festivals statt, wo Hunderte Hunde geköpft werden, ihr Blut wird dann auf eine Gottesstatue gesprenkelt, anschließend werden die Reste in einem Festmahl verspeist. Es tut mir wirklich leid, das sagen zu müssen: Aber am besten schmecken sie mir geröstet vom Grill.

Katzen bleibt dieses Ritual erspart. Als Verwandte der Löwen-Familie versprühen Katzen von Natur her eine Aura von Selbstsicherheit, allein wenn sie sich aufplustern. In meinem Teil der Welt glauben viele, es sei unmöglich, eine Katze auf den Rücken zu werfen, ihr werden sogar hexerartige Fähigkeiten nachgesagt. Afrikanische Wrestler geben sich gerne Katzennamen, um Unbesiegbarkeit zu vermitteln. Sie sagen dann, dass sie wie eine Katze neun Leben hätten. Ich entgegne so jemandem, dass ihre Gier die Katze das Leben kostet.

Ich werde nie meine erste Begegnung mit einer deutschen Hauskatze vergessen: Es war im Haus eines Freundes, die Katze kam wie aus dem Nichts und stand plötzlich vor mir. Sie schaute völlig überfüttert aus und war groß wie ein junger Löwe. Ich habe geschrien und bin so schnell ich konnte weggerannt. Ich frage mich, was die Deutschen an diesen unheimlichen Tieren finden. Vielleicht liegt es daran, dass Katzen die Nähe zu den Menschen suchen. Für mich ist die Katze ein Narrativ der deutschen Eigenheit, sich bei jeder Gelegenheit zu streicheln und zu liebkosen. Manche gehen noch weiter: Auf dem Oktoberfest habe ich Trachtler gesehen, die hatten ihren Schnauzbart wie den einer Katze gestylt, seitlich nach vorne abstehend, wie einen Trichter. Wahrscheinlich, um den Bier-Konsumzyklus zu steigern; oder aus Liebe zum Tier. Ich wüsste zumindest nicht, welche rationalen Gründe für so eine Bartfrisur sprechen würden.

In Nigeria hält man sich eine Katze nur, wenn sie Ratten töten soll, Gift können sich die meisten nicht leisten. Die Katze bei uns zuhause in Lagos fing nie Ratten, sondern versteckte sich den ganzen Tag im Busch. Nachts kam sie raus, kletterte aufs Dach und spähte durch ein Loch. Als alle schliefen, huschte sie in die Küche und klaute uns Fische und Fleischstücke. Nicht umsonst gilt die Katze in Nigeria als Handlanger der Hexen und Zauberer, wegen ihrer trickreichen Raubzüge und ihrer gruseligen Augen. Wir haben dann eine Falle auf dem Dach aufgebaut. Die Katze blieb hängen, und wir rösteten ihr Fleisch für ein kleines Mahl. Umso mehr bewundere ich, wie Tiere in Deutschland geschützt werden. Es ist ein Zeichen dafür, welch großen Respekt die Menschen hier für jegliche Form von Leben haben. Nur die Hunde, die bellen mich seit meiner Ankunft in Bayern immer noch energisch an - vielleicht in Solidarität mit ihren Kollegen, die ich in der Vergangenheit verspeist habe. Ich hoffe, sie rächen sich dafür nicht eines Tages bei mir.

Übersetzung aus dem Englischen: Korbinian Eisenberger

The unshortend english version by Olaleye Akintola: "One Man's Meat, Another's Poison"

There are so many adages about dogs in Nigeria, but for me, the one that strike a chord is: "If you love a man, you must love his dog". This was a quote from my dad, on one occasion after he regaled me with a fable, that the dog was first a human, but was later converted to an animal, because of its disobedience. With time, I know better what the dog meant, to different people.

Here in Germany, it seems like I was day-dreaming as I watched the way the dog is taking the place of humans in the life of the Germans. I have seen very many supermarkets devoted to sales of dog foods and accessories. Sometime I get astonished when I get to discover that the ambulance blaring its siren, is trying to rescue just a dog that is in danger that needs to be rushed to the hospital. In the train, I have watched in horror, the manner at which the Germans kiss, cuddle, and caress puppies. To me, this really looks disgusting. In my clime, the dog keeps watch over the home, and therefore lives outside. The dog isn't given preference above other animals. During some local festivals in the Southwestern part of Nigeria, hundreds of dogs are beheaded and their blood splattered on a particular deity, and afterwards the remains are eaten as food. I am sorry to say its best delicious when it is roasted as a barbeque.

As kindred of the lion family, the cat is a very complacent animal by nature. It exudes an air of self-confidence by the way it prances. In my part of the world, it is believed to be impossible to lower the backside of the cat to the earth. Rubbing the back of a cat on the ground sends a danger impulse to it; it would do anything to resist such move. African wrestlers like to be named a cat, to portray an invincible image of themselves. In spite of having nine lives, as they say, I am taken aback by the saying that curiosity killed the cat.

I will never forget my first encounter with a cat pet in Deutschland. It was in a friend's house around Passing. The cat just came out of the blues, it looked so overfed, I screamed and almost took to my heels. It has an exact image of a cub of a lion. Perhaps the clingy nature of the cats endears the animal to them. To me the cat is a narrative of their style of always cuddling and caressing, as a gesture of expressing love to family and friends. At the Oktoberfest, I have seen some German men style their moustaches like that of a cat; to allow them filter their beer, to increase consumption. I wouldn't know the rationale behind this, but I noticed that the commonest kind of cat in Germany is the black cat.

Usually in Nigeria, after a while the domestic cats sneak to the bush to hang out with other strayed cats. At night, they stealthily walk into the homes of their owners, like thieves. To eat leftovers and cart away foodstuffs, to go and eat in the bush. The cat in our home then was a female. It sneaked out of the home to meet some boyfriends, and was always shuttling between our home and the bush. It will climb the roof at night, to peep to see if everyone is asleep, and it will go into the kitchen to whisk away some meats of fish from the pots. The cat is also assumed to be agents of the witches, because of its awful eyeballs. So we had to set a trap for the nuisance, on the roof of the house. It got stuck and we killed and roasted its meat for food.

However, In Deutschland every dog barks vigorously at me, in solidarity for their colleagues I had eaten in the past. I hope they don't take a revenge .I admire the way animals are protected here. It speaks volume about the respect the people here have for any living thing.

© SZ vom 30.09.2016/eca
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Neue Heimat - Der andere Blick auf München
Vier Flüchtlinge, die in ihrer Heimat als Journalisten gearbeitet haben. Nach dem Porträt werden sie regelmäßig eine Kolumne schreiben. Fotografiert auf der Brücke im SZ-Hochhaus.

Der Autor: Olaleye Akintola stammt aus Nigeria. Bis zu seiner Flucht 2014 arbeitete er dort für eine überregionale Tageszeitung. Nun lebt er in Ebersberg.

Die Serie: Zusammen mit drei anderen Flüchtlingen schreibt Akintola für die SZ eine Kolumne darüber, wie es sich in Deutschland lebt und wie sie die Deutschen erlebt. Alle Folgen finden Sie auf dieser Seite. Hintergründe zu unseren Kolumnisten finden Sie hier.

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