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Neue Folgen von "München 7":"Ab und zu bedienen wir Postkartenklischees"

München 7 Regisseur Franz Xaver Bogner

Hat Oberbürgermeister Christian Ude von "München 7" überzeugt und darf seitdem fast überall in der Innenstadt drehen: Franz Xaver Bogner.

(Foto: Stephan Rumpf)

Filmregisseur Franz Xaver Bogner versucht, das wahre München so exakt wie möglich einzufangen. An diesem Aschermittwoch startet seine ARD-Serie "München 7" in die vierte Staffel. Ein Interview über Dialekt, den Viktualienmarkt - und darüber, warum Bogner von den Standlfrauen wie ein Müllmann behandelt wird.

Von Thierry Backes

Für Verbrechen interessiert sich Franz Xaver Bogner eigentlich nicht, höchstens für Ordnungswidrigkeiten. Der Regisseur der Grimme-Preis-gekrönten Serie "München 7" konzentriert sich lieber auf seine Polizisten Xaver Bartl (Andreas Giebel) und Felix Kandler (Florian Karlheim) - und auf das Leben auf dem "Markt". Der Viktualienmarkt im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt ist der Hauptschauplatz der Serie, die die ARD nun in die vierte Staffel schickt (ab Aschermittwoch, ausnahmsweise mit einer Doppelfolge von 17.55 Uhr an). Im Gespräch mit Süddeutsche.de erzählt Bogner, warum München bei ihm so idyllisch wirkt, warum das Tiefstniederbairische bei ihm keine Chance hat - und was er über die Brandstiftung weiß, die den Viktualienmarkt kürzlich erschüttert hat.

Süddeutsche.de: Herr Bogner, was zahlt Ihnen die Stadt eigentlich für die Marketingkampagne, die Sie ihr mit "München 7" bieten?

Franz Xaver Bogner: Gar nichts. Sie hilft uns nur bei den Drehgenehmigungen und verwehrt uns kaum einen Wunsch. Als ich vor zehn Jahren die Idee zu "München 7" hatte, ging ich zum Oberbürgermeister und erzählte ihm, dass eine dritte Hauptrolle in der Serie vorgesehen sei: die der Stadt München. Das hat ihn wohl überzeugt, seitdem darf ich die Stadt großzügig einsetzen. Ich bemühe mich im Gegenzug, die Atmosphäre in der Innenstadt möglichst genau zu beschreiben und vielleicht auch ein Stück weit zu konservieren.

Sie zeigen den Viktualienmarkt, den Marienplatz, Alfons Schuhbeck, kurzum: ein romantisches Bild von München. Ist das nicht auch ein bisschen naiv?

Es ist ein bestimmter Ausschnitt von München, der nicht von aggressiver Sozialproblematik geprägt ist, das gebe ich zu. Natürlich hat die Stadt nicht nur eine, sondern zwei, drei oder gar zehn Seiten, aber ich will und kann mich nicht mit jeder Facette beschäftigen. In der aktuellen Staffel zum Beispiel gibt es zwar eine Pennerin, die sich dies und das zusammenstiehlt. Aber "München 7" spielt nun mal auf dem "Markt", und der ist wirklich idyllisch - wenn man mal davon absieht, dass vielleicht ein paar Touristen abgezockt werden.

Laufen Sie mit dem Konzept nicht Gefahr, allerlei München-Klischees zu bedienen?

Ab und zu bedienen wir sicherlich Postkartenklischees. Aber das stört mich hinten und vorne nicht. Es ist ja auch nicht so, dass ich unentwegt Touristenattraktionen abfotografiere, um Urlaubsfantasien zu beflügeln.

Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, soziale Themen wie die Explosion der Mietpreise aufzugreifen?

Ich schließe das nicht aus. Aber ich will den Bereich der Komödie nicht verlassen. Deshalb bleibe ich in einem kleinkriminellen Milieu, weil ich sonst nicht mehr lachen kann. Ich will auch nicht sehen, wie die Polizisten Xaver und Felix eine Leiche aus dem U-Bahn-Schacht ziehen, das interessiert mich nicht.

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