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Neubauprojekte:Jede Stadt muss ihre Probleme auf eigene Art lösen

Kommunalpolitiker schauen deshalb seit ein paar Jahren gerne nach München. Im Durchschnitt gebe es zwei bis drei Anfragen jährlich aus anderen Städten, berichtet Norbert Wendrich. Aus großen Ballungszentren wie Berlin, Münster oder Wien ebenso wie aus den Mittelzentren im Umland: Fürstenfeldbruck, Dachau, Erding, Freising. "Das Thema gewinnt auch in der Region an Bedeutung."

Wie habt ihr das gemacht, fragen die anderen. Und dann: Kann man euer Modell übertragen? Vielleicht schon, antwortet Wendrich dann gerne, aber man muss es nicht. Andere Städte sollten sich lieber ihre Probleme anschauen und sich fragen, wie sie zu lösen sind. Die Schwierigkeiten müssen ja nicht die gleichen sein wie in München.

Aber natürlich erzählt er gern, wie man das gemacht hat in der bayerischen Landeshauptstadt. Ein wichtiges Stichwort dabei ist ein Instrument mit dem sperrigen Namen "sozialgerechte Bodennutzung" (Sobon), ohne das die Münchner Mischung nicht denkbar wäre.

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Die Idee: Grundeigentümer sollen sich an den Folgekosten der Planung beteiligen, die durch die Schaffung neuen Baurechts verursacht werden. Seit gut 20 Jahren wird das Sobon-Regelwerk nun angewandt. Wenn ein Investor ein Gebiet erschließt, muss er sicherstellen, dass 30 Prozent der neu geschaffenen Wohnbauflächen für sozialen Wohnungsbau verwendet werden. Zudem muss er sich mit seinem Gewinn am Bau von Kindergärten und Schulen beteiligen. Im Wesentlichen sei man damit immer gut gefahren, sagt Wendrich.

Die Bau- und Immobilienwirtschaft habe erkannt, dass sie nichts von Vierteln mit "gated communities" habe, also jenen geschlossenen Wohngegenden für Gutverdiener, wie sie beispielsweise in den USA, in Südamerika oder Südafrika verbreitet sind. Wenn man ihn fragt, wo die Münchner Mischung besonders gut funktioniert habe, zögert Wendrich. Es gebe wohl kein Gebiet, wo das Ideal zu hundert Prozent umgesetzt wurde, aber auch keines, wo die Mischung völlig misslungen ist. Als sehr positiv bewertet er etwa die Quartiere am Ackermannbogen und am Domagkpark sowie die Nordheide.

Dass die Stadt die soziale Mischung allerdings nur bedingt regulieren kann, zeigt das Beispiel der Messestadt Riem. Einst als Vorzeigeprojekt erdacht, bezeichnete eine städtische Studie das Viertel im Jahr 2013 als "hochbelasteten Stadtteil" mit "gewissem Ruf", was eine Debatte auslöste. Sechsmal so viele Sozialwohnungen wie im Münchner Durchschnitt, dreimal so viele Kinder pro Familie, mangelnde Infrastruktur - das Sozialreferat warnte damals vor einer Ghettoisierung.

So etwas darf es in München auch künftig nicht geben, findet der Grundsatzmann Norbert Wendrich. Er wünscht sich, "dass München auch in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten eine Stadt für viele bleibt. Möglichst für alle".

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