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Neuaubing/Lochham:Schleichverkehr befürchtet

Bahnübergang Brunhamstraße München - Neuaubing

26 Minuten pro Stunde stehen Autofahrer derzeit an der Brunhamstraße vor den geschlossenen Schranken. Wenn die zweite Stammstrecke fertig ist, würden daraus 46 Minuten pro Stunde.

(Foto: Robert Haas)

Die Vorschläge der Stadt für eine Unterführung an der Brunhamstraße stoßen bei Anwohnern und Lokalpolitikern auf wenig Gegenliebe

Von Ellen Draxel, Neuaubing/Lochham

Die Brunhamstraße soll eine Unterführung bekommen. Grund ist die laut Deutscher Bahn extrem lange Schließzeit der Schranke: Steht der Autoverkehr schon jetzt rund 26 Minuten pro Stunde vor den Gleisen, um die Züge passieren zu lassen - größere Rückstaus auf der Brunham-, Bodensee- und Limesstraße samt Lärm- und Abgasbelastung sowie eine Blockade der Kreuzung inklusive -, würde sich diese Wartezeit bei Beibehaltung des Status quo wegen "Fahrplananpassungen" auf etwa 46 Minuten pro Stunde erhöhen, sobald die zweite Stammstrecke fertiggestellt ist. Aus städtischer Sicht ist das "nicht mehr tragbar".

Das Planungsreferat hat deshalb jetzt einen "Entscheidungsvorschlag" zum Bahnübergang Brunhamstraße entworfen. Denkbar wären, basierend auf einem Gutachten der Firma Obermeyer Planen+Beraten GmbH, mehrere Varianten. Die von der Stadt präferierte Lösung sieht eine Untertunnelung von 3,80 Meter vor, möglich wäre laut einer Machbarkeitsstudie von 2003 aber auch eine Unterführung mit einer Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern. In beiden Fällen müssten die nahe Kreuzung Bodensee-, Limes-, Brunhamstraße deutlich abgesenkt, die Bodenseestraße stadtauswärts verbreitert und zwei Geradeausspuren am Knoten Bodenseestraße/Am Gleisdreieck stadteinwärts realisiert werden. Außerdem würde der Verkehr auf der Brunhamstraße um 77 Prozent und auf der Limesstraße und zwölf Prozent zunehmen.

Alternativ könnte laut dem Gutachten auch der Bahnübergang geschlossen und der Individualverkehr über eine parallel zu den Gleisen neu zu bauende Verbindungstrasse bis zur Straße Am Gleisdreieck geführt werden. Und von dort durch die bereits bestehende Unterführung über die Bodenseestraße zurück zur Kreuzung Limesstraße. Diese Route habe verkehrlich gar "nicht so schlechte Werte", erklärte Robert Adam vom Planungsreferat Aubings und Pasings Verkehrskennern in den Bezirksausschüssen (BA) sowie Gräfelfings Drittem Bürgermeister Martin Feldner (Grüne) bei einer Vorstellung des Projekts im Dezember. Zwar würde der Autoverkehr in der Gewerbestraße Am Gleisdreieck bei dieser Variante erheblich zunehmen. Dafür kämen die anderen Straßen gut weg.

Eine echte Lösung ist das Modell für die Stadt trotzdem nicht. Denn diese Variante berge nicht nur "große planungsrechtliche Probleme" mit vielleicht jahrzehntelanger Verzögerung, weil der Grund, auf dem die Verbindungsstraße gebaut werden müsste, nicht der Stadt gehöre, sagte Adam. Der 1,6 Kilometer lange Umweg könnte auch zu Schleichverkehr über Papin- und Centa-Hafenbrädl-Straße führen.

Die Verwaltung möchte daher die Unterführung mit 3,80 Höhe bauen. Durch diesen Tunnel passen die Busse der Linie 267, die Neuaubing mit Fürstenried-West verbinden. Schwerlastern hingegen ist das zu niedrig, sie kommen nicht durch. Die Stadt will zudem "die Brunhamstraße so unattraktiv wie möglich machen", mit einer Beschränkung auf Tempo 30 zum Beispiel.

In einem nächsten Schritt sollen nun aber erst einmal die Stadtteilgremien von Aubing-Lochhausen-Langwied und Pasing-Obermenzing sowie die Gemeinde Gräfelfing angehört werden. Wie wichtig das Thema ist, zeigen die Reaktionen: Aubings Lokalpolitiker fordern, bevor sie eine Stellungnahme abgeben, eine separate Infoveranstaltung nur für den BA und eine weitere für die Anlieger. Und die Gräfelfinger, hat Martin Feldner bereits durchblicken lassen, befürchten, dass sich bei einer zu niedrigen Unterführung der Schwerlastverkehr durch die Wohngebiete Lochhams schlängeln wird. Trotz bestehenden Lkw-Verbots. "Das erfüllt uns mit großer Sorge." Und auch wenn Stadtplaner Adam versichert, es gebe lediglich sechs Prozent Schwerlastverkehr auf der Brunhamstraße und München werde "selbstverständlich vermeiden", dass der Verkehr durch Lochhams Wohngegenden fahre, die Skepsis bleibt. Feldner hat für seine Fraktion Grüne/Unabhängige Liste mittlerweile einen Antrag formuliert mit dem Ziel, den Bau einer Unterführung an der Brunhamstraße zu "verhindern" - etwa indem die Kalkulation der Schranken-Schließzeiten noch einmal unabhängig überprüft wird.

Einig sind sich zudem die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing und die Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing: Beide Bürgerforen fordern, die Variante über den Tunnel Am Gleisdreieck ebenfalls "ernsthaft zu prüfen". Bei dieser Lösung könne am Bahnübergang Brunhamstraße eine reine Fuß- und Radwegunterführung entstehen. Im Übrigen entfiele ein "Riesen-Eingriff in den als Allee angelegten Baumbestand der Bodenseestraße". Möglich sei so "ein Verkehrskonzept, das auf den zunehmenden Verkehr in Verbindung mit dem Gewerbestandort Sirius Park und den neuen Wohngebieten auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks reagiert und die Lochhamer und Neuaubinger bestmöglich vor störenden Verkehrsemissionen schützt."

© SZ vom 07.01.2021
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