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Nazi-Gegnerin Resi Huber:Unbeugsame Antifaschistin

Mutig aus Überzeugung: Als junge Frau half die gebürtige Dachauerin Resi Huber KZ-Häftlingen.

(Foto: Privat)

Vor 100 Jahren wurde die Widerstandskämpferin Resi Huber geboren. Sie war als Bürokraft in der "Kräuterplantage" beim KZ Dachau tätig und wurde so Zeugin der unmenschlichen Behandlung der Häftlinge.

Von Birgit Lotze, Sendling

"Wer für Menschenrechte streitet, wer für die Wahrheit kämpft und den Frieden will, braucht nach dem Sinn und Wert des Lebens nicht zu fragen", schrieb Resi Huber kurz vor ihrem Tod am 22. März 2000.

Am 13. Dezember 2020 wäre Therese Huber 100 Jahre alt geworden. Daran erinnert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) München, wo Huber bis zu ihrem Tod aktives Mitglied war. In Sendling, wo sie lange gelebt hat, wurde 2012 ein Platz an der Kreuzung von Brudermühl-, Impler- und Thalkirchner Straße nach ihr benannt.

Die gebürtige Dachauerin, so die VVN-BdA, habe bereits als junge Frau ihr Leben riskiert. Resi Huber war als Bürokraft in der "Kräuterplantage" beim Dachauer Konzentrationslager (KZ) tätig und wurde so Zeugin der unmenschlichen Behandlung der Häftlinge, die dort zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Sie schmuggelte Lebensmittel für die Häftlinge, übermittelte deren Nachrichten und Briefe nach draußen. Kurz vor der Ankunft der Alliierten in Dachau beteiligte sie sich an der Organisation eines Aufstandes. Die Nationalsozialisten sollten aus der Stadt getrieben werden, um eine friedliche Übergabe an die Amerikaner zu ermöglichen - ohne weiteres Blutvergießen.

Nach dem Krieg kümmerte sich Huber um Verfolgte des NS-Regimes, war zeitlebens überzeugte Kommunistin und engagierte Antifaschistin. Zunächst baute sie in Dachau den Antifaschistischen Ausschuss mit auf, ein Bündnis der bürgerlichen, sozialdemokratischen und kommunistischen Kräfte, der Ausschuss wurde von den Amerikanern mit den Funktionen eines Stadtrats betraut. Gemeinsam mit anderen Widerstandskämpfern und Verfolgten richtete sie am Ammersee eine Erholungs- und Bildungsstätte ein, die "Otto-Huber-Hütte" in Breitbrunn. Dort trafen sich Gruppen von Gewerkschaften, Jugendorganisationen und politischen Initiativen, um mit Zeitzeugen zu sprechen und sich mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen. Für Huber war der Antifaschismus untrennbar verbunden mit dem Einsatz für Abrüstung. So engagierte sie sich in den Ostermärschen der Fünfzigerjahre gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik und beteiligte sich bei der Friedensbewegung der Siebziger- und Achtzigerjahre. Auch kommunalpolitisch brachte sie sich immer wieder ein - zuletzt mit einer verkehrspolitischen Bürgerinitiative in Sendling.

Die Sendlinger Lokalpolitiker stritten sich nach der Platzbenennung mehr als ein Jahr mit der Stadt um die Beschilderung. Im Stadtviertel wollte man Resi Huber auf den Tafeln nicht nur wegen ihrer Unterstützung der KZ-Häftlinge, sondern auch als Kommunistin, Antifaschistin und Friedensaktivistin gewürdigt sehen. Das Kommunalreferat setzte den Rotstift an, sogar der Ältestenrat wurde eingeschaltet. Die Schilder sollten die Leistungen herausstellen, die zur Benennung geführt haben, argumentierte das Kommunalreferat, das sich letztendlich durchsetzte. Dass Huber Antifaschistin gewesen sei, sei für sich noch keine Leistung.

© SZ vom 11.12.2020
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