Nachtgalerie:Voller geht's nicht

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In der Großraumdisco Nachtgalerie können sich Feierwütige so günstig betrinken wie in keinem anderen Münchner Club. Das hat Folgen.

Lisa Sonnabend

Jeder ist voll. Der Raum, die Gläser, die Gäste. Es ist kurz nach 0 Uhr, Samstagnacht, in der Nachtgalerie, der Großraumdisco an der Landsberger Straße. Die Party an diesem Abend nennt sich "Déjà Vu Nach Eins". Das bedeutet: Jedes vor 1 Uhr bestellte Getränk gibt es nach 1 Uhr noch mal umsonst. Oder anders gesagt: Wer bis 1 Uhr nicht betrunken ist, ist es danach in jedem Fall - ob er will oder nicht. Denn wer lässt schon ein Freigetränk stehen?

Nachtgalerie

Jeder zweite Drink geht aufs Haus: Feierwütige in der "Naga".

(Foto: Foto: sonn)

Wer ein Spezi für einen Euro bestellt hat, bekommt nach 1 Uhr noch eines. Viel öfter gehen jedoch Longdrinks über die Theke. Der Cuba Libre kostet 4 Euro, der Wodka Bull 5,50 Euro - beziehungsweise eigentlich ja nur die Hälfte.

Flatratesaufen ist noch eine Stufe härter, aber Mittrinken muss in der Nachtgalerie eigentlich auch jeder. Allein schon, um den Eintritt von fast zehn Euro wieder reinzubekommen.

In der großen Halle laufen Party- und Charthits, im eher wenig besuchten Club Elektro und im Clubbing-Room R'n'B. Stimmungsgaranten eben.

Stammgäste haben der Nachtgalerie den Spitznamen Naga gegeben, der Außenstehende an ein Nagetier erinnert, aber von den Insidern so zärtlich ausgesprochen wird, als wäre es der Spitzname ihrer Partnerin. Statt einer Plastikpfandmarke bekommen die Gäste ein kleines, rotes Herzerl. Willkommen in der großen Naga-Familie!

So klar lässt sich nicht sagen, ob das Publikum in der Nachtgalerie ein spezielles ist oder ob es erst zu einem speziellen wird, wenn es hier drinnen ist.

Auf dem Podest in der Mitte des Raumes schieben zwei Mädchen ihr T-Shirt lasziv nach oben, zwei Jungs zeigen ihren Bizeps. Eine Gruppe, die einen Junggesellinnenabschied feiert, überredet einen Typen, für sie zu strippen. Ein Ordner muss diesen abhalten, noch mehr als seinen nackten Oberkörper preiszugeben. Von einer Stelle im Raum hat man einen vielsagenden Einblick in die Herrentoilette, aber das stört niemanden.

Teenager tauschen hier verstohlen Küsse aus. Gymnasiasten feiern den Beginn der Ferien, ihre Facharbeitsabgabe oder das Ende der Schulzeit. Leute, die viel Zeit auf Ü30-Partys verbringen, lassen alte Zeiten wieder aufleben.

Die Nachtgalerie prägt das Münchner Nachtleben seit fast 20 Jahren. Anfang der Neunziger Jahre ging es los mit Stadlfesten südlich von München - auf denen es bereits ähnlich exzessiv zuging wie heute. Nach einer Station als Schwabinger Festspielhaus im Alabamagelände residierte die Nachtgalerie viele Jahre lang in einer Lagerhalle in der Arnulfstraße. Seit einigen Jahren ist die Disco nun ausgerechnet in den Hallen des Nachtwerks untergebracht, mit dem die Nachtgalerie einst um die Partygäste buhlte.

Die Einrichtung kann als durchaus geschmackvoll bezeichnet werden. Die Decken sind hoch, die Wände dunkelrot gestrichen, am Rand findet man an den Stehtischen Halt. Die Klimaanlagen-Luft ist angenehm kühl.

Auf der Webseite beschreibt die Nachtgalerie ihre Vorzüge. Hier lasse sich aus folgenden Gründen gut feiern: "Weil es keine Location mit besserer Verkehrsanbindung und kostenlosen Parkplätzen gibt, weil wir ständig daran arbeiten die Nachtgalerie, noch besser zu machen und weil nirgendwo mehr Studenten zuhause sind."

Die Getränkepreise werden nicht erwähnt. Die kennt hier jeder auswendig.

Nachtgalerie, Landsberger Straße 185, 80687 München, Tel.: 089/32455595

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