Musiktheater:Ein Schuss, ein Kuss

Pressebild zur Freischütz Produktion (c) W. Hoesl

Liebesbeweis: Um Agathe (Golda Schultz, rechts) heiraten zu dürfen, muss Max (Pavel Černoch) einen Probeschuss absolvieren. Aus Angst zu versagen, geht er einen Pakt mit dem Teufel ein.

(Foto: Wilfried Hoesl)

Die Bayerische Staatsoper zeigt Dmitri Tcherniakovs Neuinszenierung von Carl Maria von Webers "Der Freischütz" als Stream-Premiere.

Von Rita Argauer

Beim Verlieben geht es eigentlich auch immer ein bisschen darum, sich zu beweisen. Es ist die wettkämpferische Seite des Einanderfindens. In der auf der Sage vom Freischütz basierenden Oper Carl Maria von Webers bekommt dieses amouröse Umkämpfen aber einen ungemein düsteren Einschlag: Der junge Max muss einen Probeschuss absolvieren, um seine Geliebte Agatha heiraten zu können. Aus Angst, diesen zu verfehlen, geht er einen Pakt mit dem Teufel ein: In einer Wolfsschlucht trifft er mit seinem Freund Kaspar auf den schwarzen Jäger Samiel, der ihm Freikugeln gießt. Die treffen immer, bis auf die letzte, die siebte. Die wird von Samiel gelenkt. Ein gefährliches Spiel, das die Bayerische Staatsoper nun in einer Neuproduktion zum Valentinstag als Stream-Premiere zeigt.

Heutige Entsprechungen für das Übernatürliche und die archaischen Rituale der romantischen Oper zu finden, ist für Regisseure dabei eine Herausforderung. In München hat sich der nun Dmitri Tcherniakov angenommen. Er verlegt die Handlung dabei ganz auf das Hochzeitsfest von Agathe und Max. Kuno, Agathes Vater, eine Art Clan-Oberhaupt, verlangt von Max den Probeschuss, um sich zu beweisen. Als Gegenpol zu dieser modernen Atmosphäre funktioniert die Musik. Denn Weber hat hier in seiner Zeit eine ziemlich einzigartige musikalische Sprache zur Abbildung der übernatürlichen, gruseligen, und unheimlichen Ebene gefunden. Gleichzeitig spiegelt die Musik auch die psychologischen Nöte der Figuren. So ist etwa die Agathe eine leichte und helle Person, die so völlig außerhalb der Sphäre von Teufel und Dunkelheit bleibt und somit auch nicht zum Opfer des Schusses wird.

Ein Opfer gibt es trotzdem, und so liegen Hochzeit und Tod bedrohlich nah beieinander. Für die Sopranistin Golda Schultz aber, die die Agathe singen wird, ist der "Freischütz" ganz positiv konnotiert. Die Arie "Und ob die Wolken" hat sie bei ihrer Aufnahmeprüfung fürs Opernstudio der Bayerischen Staatsoper gesungen, danach war sie bis 2018 Ensemblemitglied der Staatsoper. Mit Anna Prohaska als Agathes Cousine Ännchen ist eine weitere tolle Sängerin für die Premiere engagiert, während Pavel Černoch unter der musikalischen Leitung von Antonello Manacorda den Max singt.

Der Freischütz, Stream-Premiere, Sa., 13. Februar, 19 Uhr, Infos unter www.staatsoper.tv

© SZ vom 10.02.2021
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