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Musik:Dieser DJ ist in den USA bekannter als in seiner Heimat München

Maximilian Seethaler

Immer unterwegs, selten in Deutschland: Maximilian Seethaler.

(Foto: Brandon Artis)

Schon in der Schule begann Maximilian Seethaler, elektronische Remixe zu basteln und unter dem Namen Saint WKND zu veröffentlichen. Mittlerweile tourt er mit weltbekannten DJs durch volle Hallen.

Der Koffer ist noch nicht gepackt. Maximilian Seethaler geht in der Küche seiner Eltern in Pastetten hin und her. Reißt die Packung eines Schokoriegels auf. Es ist Dienstagabend und noch knapp zwölf Stunden hat er Zeit, bis sein Vater ihn zum Flughafen fahren wird. Nach Washington wird es gehen. Auf Tour. 25 Städte in einem Monat. Der Koffer ist noch nicht gepackt - das könnte stressig werden. Aber Seethaler ist ganz ruhig. Denn: "Ich hab das jetzt schon so oft gemacht", sagt er, als würde er davon sprechen, wie es ist, jeden Tag den Schulbus zu nehmen.

Seethaler ist 23 Jahre alt und seit beinahe vier Jahren tourt er als Saint WKND mit seiner elektronischen Musik durch die Welt. Nicaragua, Australien, die USA, Kanada. Die Liste ist lang. So lang, dass er selbst durcheinander kommt. Erinnerungshilfe ist der Instagramaccount. Den geht er am Handy durch. "Oh Mann, ich war einfach so viel unterwegs im letzten Jahr, ich vergesse das schon fast", sagt er und lacht ein bisschen gequält, ohne dass das überheblich klingt oder angeberisch. Auch nicht, als er erzählt, dass es in Miami schon einmal vorkommt, dass Fans ihn auf der Straße ansprechen.

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In seiner Heimatstadt München kennt ihn und seine elektronischen Indie-Pop-Beats allerdings kaum jemand. Als Geheimtipp wurde er vor kurzem bei Puls gehandelt. Ein Newcomer ist Seethaler jedoch streng genommen schon lange nicht mehr.

Bereits in der Schule fing er an, "unerlaubte Remixe" à la Robin Schulz zu basteln, um sie dann aus seinem Kinderzimmer in die Soundcloud und Richtung Youtube zu schicken. "Wenn ich Schule als zu bedrückend empfand, war das immer mein Ausgleich", sagt er. Schon immer habe ihm einfach "alles gefallen, was mit Kunst zu tun hat". Vor allem Musik und Design, Fotografie und Film. Er spielt Schlagzeug, Gitarre und auch ein bisschen Klavier.

Mittlerweile sind es keine Remixe aus anderer Leute Musik mehr, die er produziert, sondern eigene Songs. "Ich bin so perfektionistisch und habe so genaue Vorstellungen davon, wie ich die Dinge haben will, dass ich mir nicht reinreden lassen will", sagt er. Deshalb dreht er auch selbst Musikvideos und füttert die sozialen Netzwerke mit kurzen Clips über seinen Alltag und seine Musik sowie mit selbst geschossenen Fotos. Auf den meisten davon blickt er ernst in die Kamera. Ein schlanker, dunkelhaariger junger Mann.

Erfolgreicher Wechsel nach dem Knebelvertrag

Überlegt sind die meisten seiner Antworten, zwischendrin entschuldigt er sich, dass ihm manche Wörter schneller auf Englisch als auf Deutsch einfallen. Nebenwirkung des Tourlebens überall, nur nicht in Deutschland. Zum Arbeiten, also zum Produzieren seiner Musik, ist Seethaler mittlerweile meistens im Londoner Studio seines Labels. Dankbar ist er, dass Label und Management ihm alle Freiheiten gewähren. "Am Anfang hatte ich da nicht so Glück," sagt er.

Als er gerade mal 18 Jahre alt war, stand zwar bereits der erste Manager vor der Tür, aber "da hatte ich noch keine Ahnung vom Musikbusiness und war total naiv. So wirklich seriös war das nicht", sagt er, möchte aber nicht schlecht über irgendjemanden oder die Vergangenheit reden, denn ohne Probleme sei er aus diesem ersten "Knebelvertrag" rausgekommen.

Kurze Zeit später kam ohnehin der nächste Anruf. "Das war schon abgefahren", sagt Seethaler, "mein Dad, der kein Wort Englisch spricht, kam auf einmal zu mir ins Zimmer und meinte, da sei jemand am Telefon, er verstehe zwar kein Wort, aber glaube, es sei für mich." Es war für ihn. Warner Music. Letztendlich entschied Seethaler sich allerdings für Sony UK, die schon mit einem konkurrierenden Angebot aufwarteten.