Muffathalle Karten, so teuer wie ein Akropolis-Grillteller

Bisweilen täuscht sich Varoufakis gründlich, beispielsweise über die Zusammensetzung des Publikums in der ausverkauften Halle. "Die meisten werden nicht erfreut sein, mich hier zu sehen", sagt er, schließlich sei er ein Linker. Da gibt es Zurufe, sogar von ganz hinten: "Not true, not true."

Die Frage, warum die Karten für den Abend mit 19 Euro so teuer waren wie ein Akropolis-Grillteller mit allem, hat Ude gleich am Anfang geklärt: "I have to explain the price." Varoufakis' angeblich astronomische Honorare waren zuletzt in der griechischen Presse schon ausführlich bespöttelt worden, worauf sich dieser mit den Argument wehrte, er müsse schließlich seine Familie ernähren, und übrigens verlange er auch nicht immer etwas.

In München, so ließ Ude wissen, haben man sich an eine alte "sozialdemokratische Tradition" gehalten. (Das war ein Schienbeintritt gegen den Ex-SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, lustvoll ausgeführt von Münchner Ex-OB.) Das habe der Redner aus Athen "as a sign of cultural exchange" akzeptiert. Man darf also annehmen, dass V. nicht mit leeren Taschen nach Hause gegangen ist.

Varoufakis - wie ein Professor im Hörsaal

Als Ude nach zwei Stunden Fragen aus dem Saal erbittet ("only one minute, each question"), da zeigt sich Interesse vor allem an der neuen politischen Bewegung, die Varoufakis am 9. Februar in Berlin vorstellen will. Paneuropäisch soll sie sein, Grenzen überwindend, erst mal in den Köpfen, helfen, die EU "zu demokratisieren". Eines Tages soll das EU-Parlament, so der 54-Jährige, fähig sein, "die Eurogruppe zu entlassen". Auf Nachfragen bleibt er vage, rät: Abwarten. Ude schaut erkennbar skeptisch.

Yanis Varoufakis Varoufakis kündigt politisches Comeback an
Griechischer Ex-Finanzminister

Varoufakis kündigt politisches Comeback an

Griechenlands Ex-Finanzminister will schon im Februar eine "paneuropäische Bewegung" gründen und dabei nur ein einziges, "radikales" Ziel verfolgen: die Demokratisierung der EU.

Der Grieche hat da schon den schwarzen Ledersessel verlassen und läuft am Bühnenrand auf und ab, wie ein Professor im Hörsaal. Zuvor wirkte das Bühnenbild geradezu harmonisch: Zwei Männer in schwarzen Anzügen (auch bei V. steckt mittlerweile das blaue Hemd in der Hose), jeweils ein Bein über das andere geschlagen, als hätte ein Regisseur ein Duett choreografiert.

Was sich Varoufakis für 2016 vorgenommen hat

Ob er nicht, statt mit einer neuen Bewegung auf die Linke zu setzen, jetzt mit der politischen Mitte kooperieren müsse, angesichts der neuen Egoismen in Europa, dem Aufschwung der Rechten, der Flüchtlingskrise, will einer aus dem Publikum wissen. Ude hat das vorher auch schon besorgt gefragt. "Ich bin viel optimistischer", antwortet der Grieche, "obwohl ich ein Pessimist bin."

Dann lobt er Angela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik: "Sie hat mich stolz gemacht, ein Europäer zu sein." Und noch was: Varoufakis hat sich vorgenommen, 2016 nie mehr "die Deutschen", oder "die deutsche Regierung" zu kritisieren, weil alle Pauschalurteile, auch "über die Griechen", dem Rassismus Vorschub leisteten. Da gibt es deutlicheren Beifall als beim Lob für Merkel, das Varoufakis mit dem Kommentar garniert, es sei für ihn "a perverse joy", sich mit einer Gegnerin einig zu wissen.

"Das war mutig"

Leichtes Stöhnen geht dagegen durch den Saal, als Ude, der als OB dafür bekannt war, kaum ein Ende zu finden, immer noch eine Frage zulässt. Dann verdirbt er auch fast noch seine eigene Performance, als er seltsamerweise sagt: "I am not so stupid as my questions were, I wanted to provoke you." Auch wenn Letzteres nicht wirklich gelungen ist, Udes Premiere als international Conferencier wird nach dem erlösenden Schlussbeifall überwiegend anerkennend kommentiert: "Das war mutig, ich dachte, es wird peinlich."

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Varoufakis' Auftritt wird noch ein bisschen euphorischer bedacht: "Guter Mann." Wahlweise auch: "Hervorragend, brillant". Aber auch: "Er ist doch ein Phantast, aber er hat die EU so schön aufgemischt." Ude selbst wundert sich beim Hinausgehen, dass es "gar nicht so schlecht ist, wenn einem die Worte fehlen, weil man sich dann als Moderator kurz fasst".