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Griechenlands Ex-Finanzminister:Lästern mit Varoufakis

Varoufakis und Schäuble

Yanis Varoufakis: "Wolfgang wollte mir noch nicht einmal die Hand geben."

(Foto: dpa)
  • In einem Interview beklagt Yanis Varoufakis eine "Rufmord-Kampagne" gegen ihn während der heißen Phase der Euro-Schuldenkrise.
  • Die Troika habe gezielt falsche Informationen über die Arbeitsweise des griechischen Ex-Finanzministers gestreut.
  • Seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble sei er nach Monaten des Streits näher gewesen als irgendeinem anderen Menschen.
  • Die Bundeskanzlerin lobt er ebenfalls: "Vielleicht würde ich als Deutscher Merkel wählen."

"Wie zwei Boxer"

Griechenlands früherer Finanzminister Yanis Varoufakis hat in einem Interview über sein Verhältnis zu seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble gesprochen und dabei überraschenderweise eine gewisse Nähe zu dem CDU-Politiker bekundet. Beide hatten über Monate hinweg hart um den richtigen Reformkurs in der Euro-Schuldenkrise gerungen.

"Wolfgang wollte mir noch nicht einmal die Hand geben", erzählte der im Juli zurückgetretene Varoufakis dem Magazin Stern. Er habe aber immer Respekt gehabt vor dem deutschen Minister. Sie seien gewesen "wie zwei Boxer, die eine Weile Schläge ausgetauscht haben und sich dann einander näher fühlen als irgendeinem anderen Menschen".

Varoufakis würde Merkel wählen

Die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel imponiere ihm: "Vielleicht würde ich als Deutscher Merkel wählen", sagte Varoufakis. Sigmar Gabriel dagegen sei der "schlimmste Politiker, den ich getroffen habe". Der SPD-Chef habe geäußert, man werde nicht die "überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung" finanzieren.

Als Finanzminister war Varoufakis in der ersten Jahreshälfte 2015 dafür verantwortlich, den Willen des griechischen Links-Bündnisses Syriza in den europäischen Gremien zu diskutieren: weniger sparen und Athen Schulden erlassen. Viele Ressortkollegen hat er mit langen Vorträgen nachhaltig verärgert.

Im Stern-Interview erhebt er nun schwere Vorwürfe gegen seine politischen Gegner und die Medien. "Kein Zweifel, ich war ein Opfer. Es war eine Rufmord-Kampagne", sagte Varoufakis. Als Beispiel nannte er die Troika: Diese habe gedroht, wenn die Griechen ihre Vorschläge veröffentlichen, würde man sie in der Öffentlichkeit zerreißen. Dann habe sie in der Presse gestreut, Varoufakis sei ohne Vorschläge angereist. "Es ist unglaublich! Alle haben das einfach übernommen und voneinander abgeschrieben", sagte Varoufakis.

© Süddeutsche.de/dpa/fued/bepe

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