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Münchner Volkstheater:Ich sehe was, was du nicht hörst

Pressebilder:  Gehörlosen Hörspiel

Die Fotografin ist ©Gabriela Neeb und sind bei Nennung der Fotografin honorarfrei online und print zu verwenden.

Wie ein Bild aus uralten Zeiten: Antonia Alessia Virginia, Steffen Link und Steve Stymest bei den Proben im März, als man sich noch kneifen durfte.

(Foto: Gabriela Neeb)

Noam Brusilovsky versucht am Volkstheater, das Unmögliche möglich zu machen und ein "Gehörlosen-Hörspiel" zu entwickeln.

Von Christiane Lutz

Es muss in der Tat ein lustiger Moment gewesen sein, als sich Noam Brusilovsky und Steve Stymest einst in einem Berliner Club beim Tanzen kennen lernten. Brusilovsky stellte sich irgendwann vor und sagt, dass er Hörspielregisseur sei. Stymest erwiderte, er sei gehörlos. Im Kopf von Regisseur Noam Brusilovsky war bald die fixe Idee geboren, ein "Gehörlosen-Hörspiel" zu machen. Also ein Hörspiel für Menschen, die nicht hören können. Ein Widerspruch in sich natürlich. Er verpflichtete Steve Stymest für seine gleichnamige Uraufführung am Volkstheater, die, coronabedingt im März vor winzigem Kreis stattfand, jetzt noch einmal Premiere hat.

Die Idee der Inszenierung ist, genau den Versuch zu zeigen, das Unmögliche möglich zu machen. Das Hörspiel für Gehörlose soll während der Vorstellung entstehen. Ausgangspunkt des Abends ist auch auf der Bühne die Begegnung zwischen Brusilovsky und Stymest. Mit Hilfe des Schauspielers Steffen Link und der Sound-Künstlerin Antonia Alessia Virginia wollen sie gemeinsam versuchen, das bekannte Prinzip des Hörspiels umzudrehen. Wenn beim Hörspiel das gesprochene Wort im Kopf Bilder entstehen lassen soll, so sollen beim Hörspiel für Gehörlose Bilder eine Vorstellung von Sound möglich machen. Wie also könnte das Geräusch des Regens aussehen? Welche Farbe haben die Bässe im Club? Mit Gebärdensprache, Übertiteln, Bewegungen und Licht will Brusilovsky versuchen, sich dem Hörspiel für Gehörlose anzunähern. So zumindest sein Versuchsansatz. Das Scheitern sei dabei praktisch implizit, gleichwohl soll das Stück Gehörlose und Hörende ansprechen.

Regisseur Noam Brusilovsky forscht gern zu den Themen Identität und Sinne, er inszenierte ein Hörspiel über die Träume von Blinden und war einst mit dem autobiografischen Stück "Orchiektomie Rechts" beim Festival "Radikal jung" zu Gast, bei dem er von seinen Kampf gegen den Hodenkrebs erzählte.

Gehörlosen-Hörspiel, Sonntag, 6. September, 20 Uhr (Premiere), Volkstheater, Brienner Straße 50, Telefon 21837300

© SZ vom 03.09.2020

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