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Münchner Startups:Auch einfache Gerichte können genussvoll und qualitativ hochwertig sein

Was vor zehn Jahren noch als Küchentechnik für sparsame Altvordere belächelt wurde, scheint inzwischen also zum Hobby ernährungsbewusster Hipster aufgestiegen zu sein, die obendrein auch noch Tauschhandel cool finden. Solche archaischen Formen des Marktgeschehens rufen natürlich auch andere Player auf den Plan.

Etwa Katharina Kupka und Lars Schepp. Die beiden waren mal als Unternehmensberater und im Marketing großer Industrieunternehmen tätig, etwa beim Zigarettenhersteller Philip Morris. Nun haben sie ihre eigene Marke kreiert: "Gourmistas" heißt sie, und sie basiert auf Einkochgerichten.

Schepp sagt, während seiner drei Jahre in Madrid, wo man das Essen ganz anders wertschätze als hierzulande, sei ihm erst aufgegangen, "wie genussvoll qualitativ hochwertige, aber einfache Gerichte sein können".

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Der 52-Jährige gibt freimütig zu, dass man sich bei Monika Schuster, die ihren Laden nur ein paar Straßenecken vom Büro der Gourmistas entfernt hat, schon Inspiration geholt habe. Aber Schepp und seine Partnerin Kupka haben mit geradezu ausgekochter Perfektion eine richtige Marke mit allen Schikanen draus gemacht, so viel Berufsehre muss sein.

Ihr oberbayerisches Rindsgulasch, ihr Ratatouille mit Huhn oder ihre Brokkoli-Cashew-Suppe kochen sie nicht selbst, das übernehmen Fachleute wie der Biometzger Gottfried Heilmaier aus Waging am See oder auch zwei Spezialisten für vegetarische Suppen aus Unterbrunn bei Gauting. Das Ergebnis wird in Schraubgläsern ausgeliefert, zwischen 5,80 und 6,50 Euro kosten die Suppen.

Ganze Menüs aus der Mehrwegkühlbox

In einer eigens entwickelten Mehrwegkühlbox kann man sich sogar ganze Menüs inklusive Weinbegleitung liefern lassen. Mit dem Einzelhandel haben die beiden Gourmistas nichts am Hut. "Da wollen die Händler einen zu hohen Anteil", weiß Schepp, "das rentiert sich bei unseren geringen Mengen nicht." Man vertraut also auf die eigene Internet-Plattform www.gourmistas.de.

Überhaupt scheinen Unternehmensberater eine besondere Schwäche für Eingemachtes zu haben. Denn auch ein zweites Münchner Startup namens "Jarmino" wurde im November von zwei jungen Unternehmensberatern gegründet, die mal ihr eigenes Ding machen wollten.

Die Marke Jarmino betreiben Benedikt Gundel (li.) und Sebastian Unterhuber,

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Benedikt Gundel, 32, und Sebastian Unterhuber, 33, sagen, sie seien sozusagen aus persönlicher Betroffenheit auf den Dreh gekommen. Lange Bürozeiten am Schreibtisch, viele Dienstreisen mit dem Flieger: "Wir wollten uns gerne gesund ernähren, hatten jedoch weder die Zeit noch die Möglichkeiten, das umzusetzen", sagt Gundel.

So richtig Zeit dafür haben sie momentan eigentlich immer noch nicht, denn in ihrem Büro auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Mittersendling sind sie gut beschäftigt. Es geht darum, ihre Produkte in 350-Gramm-Gläsern über die Website www.jarmino.de unters Volk zu bringen.

Die Manufaktur ist direkt hinter der Ladentür

Dabei haben festgestellt, dass Online-Werbung gar nicht der erfolgreichste Weg ist: "Für unser Angebot funktionieren Flugblätter und Wurfsendungen erstaunlicherweise am besten." Seitdem machen sie gerne lange Spaziergänge und bestücken Briefkästen.

Auch sie lassen produzieren, von einem Bio-Koch aus der Region, mit biologischen Zutaten, auch auf Unverträglichkeiten und besondere Ernährungsweisen wie vegan oder paleo ist man eingerichtet, eine Ernährungsberaterin ist mit im Team.

Die einzelnen Gerichte kosten zwischen 4,99 und 8,99 Euro, geliefert wird entweder in der Probierbox oder im Abo. Es gibt sogar ein Rundum-Sorglos-Paket für zwei Wochen vom Frühstück bis zum Abendessen, bei dem man sich wirklich um gar nichts mehr kümmern muss.

In Neuhausen findet sich die Einmacherei von Monika Schuster (rechts) und Anka Köhler.

(Foto: Stephan Rumpf)

Mit solchen Dingen kann die Neuhauser Einmacherei von Monika Schuster und Anka Köhler nicht dienen. Dafür kommt hier alles aus einer Hand, und die Manufaktur ist auch nicht irgendwo draußen in der Region, sondern direkt hinter der Ladentür.

Den Online-Shop gibt es natürlich auch (www.die-einmacherei.de). Aber es hat eben schon einen gewissen Charme, wenn man beim Gespräch mit Schuster von der Ladenklingel unterbrochen wird und eine Kundin hereinkommt, deren erste Frage lautet: "Was habt Ihr diese Woche Neues?"