Münchner Sicherheitskonferenz Tränen auf dem Galadinner

Da John McCain zu krank ist, nimmt seine Ehefrau Cindy den Ewald-von-Kleist-Preis auf der Münchner Sicherheitskonferenz entgegen.

(Foto: dpa)
  • US-Senator John McCain wird auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit dem Ewald-von-Kleist-Preis ausgezeichnet.
  • Da der 81-Jährige selbst zu krank ist, hält seine Frau Cindy am Samstagabend während des Galadinners eine Rede.
  • Die Ehrung zeigt, dass einer wie McCain in der amerikanischen Delegation fehlen wird.
Von Christian Krügel

Plötzlich wird es Cindy McCain zu viel. Sie beginnt zu haspeln, wird leiser, dann kommen die Tränen, mit gebrochener Stimme spricht sie weiter. Beschwört noch einmal die Themen, für die ihr Mann John Zeit seines Lebens gekämpft habe: für Freiheit, Gerechtigkeit, faire Chancen für alle, für die menschliche Würde. Und für den Zusammenhalt der westlichen Welt, für eine tiefe, verlässliche Freundschaft zwischen den USA und Europa.

Jetzt kämpft der krebskranke 81-jährige Senator daheim in Arizona den Kampf gegen den Tod, deshalb übernimmt Ehefrau Cindy im Kaisersaal der Münchner Residenz nun seine Rolle: die eindringliche Mahnerin, nicht in kurzer Zeit eine transatlantische Partnerschaft zu zerstören, die mühsam in 70 Jahren aufgebaut wurde.

Gabriels kluge Worte verpuffen

Der deutsche Außenminister hält in München die luzideste Rede der ganzen Konferenz. Aber sein eigentlicher Adressat sind nicht die Diplomaten und Außenpolitik-Experten, sondern die Führungsriege der SPD. Kommentar von Stefan Kornelius mehr ...

Cindy McCains Tränen sind keine amerikanische Drama-Einlage, das merken die Gäste in der Residenz. Die bayerische Staatsregierung hat für den Samstagabend Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz zum Galadinner geladen, in dessen Mittelpunkt eine Auszeichnung für John McCain stehen sollte, die Verleihung des Ewald-von-Kleist-Preises der Sicherheitskonferenz.

Der republikanische Politiker ist seit Jahrzehnten Stammgast beim Münchner Treffen und hat es oft genug geprägt: mal als knorriger Warner vor neuer russischer Expansion, mal als scharfer Provokateur gegen allzu selbstgenügsame Europäer, mal als harter Kritiker der eigenen Regierung.

Immer habe McCain, so Konferenzleiter Wolfgang Ischinger, aber vor allem die "Werte verteidigt, für die der Westen" stehe. Zu einem engen transatlantischen Bündnis zwischen den USA und Europa habe er nie eine Alternative gesehen, dieses "zu achten und zu bewahren" sei bis heute sein Ziel. Und: "Wir haben in diesen Tagen gesehen, wie sehr er vermisst wird."

Einer wie John McCain fehlt

In der Tat haben die ersten beiden Tage der Sicherheitskonferenz gezeigt, dass insbesondere in der amerikanischen Delegation einer wie John McCain fehlt, einer der leidenschaftlich für ein neues enges Bündnis zwischen Washington und Europa kämpft und Visionen aufzeigt, wie es gemeinsam Weltpolitik gestalten könnte. Nur Donald Trumps Sicherheitsberater Herbert McMaster hatte am Samstag als offizieller US-Vertreter bei der Konferenz gesprochen, eher lauwarme Worte.

Jetzt muss sich die amerikanische Delegation im Kaisersaal das hohe Lied auf John McCain anhören. Der hat trotz seiner Krebserkrankung seinen Sitz im Senat nicht aufgegeben und kritisiert immer wieder scharf die Trump-Administration. Ohne diese auch nur einmal beim Namen zu nennen, tut dies nun auch Joe Biden. Ausgerechnet der frühere Vize von Präsident Barack Obama spricht die Laudatio auf seinen alten persönlichen Freund und zugleich politischen Rivalen.