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Zwischennutzung am Hauptbahnhof:Neuer Raum für kluge Köpfe

Wo früher Bankangestellte beschäftigt waren, soll nun das Projekt "Breakout" für Wirbel sorgen: die Bayerstraße 25.

(Foto: Catherina Hess)

In der ehemaligen Bankfiliale in der Bayerstraße 25 wird Platz geschaffen für Autoren, Designer und andere Kreative. Zwischennutzungen dieser Art sind bei Künstlern begehrt - und zahlen sich für die Allgemeinheit aus.

Die ehemalige Filiale der Hypo-Vereinsbank an der Bayerstraße 25 steht schon seit Monaten leer. Der ausgetretene Teppich lässt erkennen, welche Wege jahrelang gegangen wurden und wo einmal die Tische standen. Durch die verlassenen Flure schallt das Piepsen eines Feuermelders, dessen Batterie gewechselt werden muss. Doch dieser einsame Ort soll schon bald wieder mit Leben erfüllt werden.

Das Unternehmen "Mucbook Clubhaus" und das städtische Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft wollen die Räume in eine Zwischennutzung umwandeln, Platz schaffen für Freischaffende, Selbständige, Gründer und Kreative. Die Macher nennen ihr Projekt "Breakout" - Ausbruch. Und ein englisches Motto haben sie sich auch noch ausgedacht: "Creating Future", Zukunft schaffen.

Im Erdgeschoss soll eine "Markthalle der guten Dinge" entstehen, in der nachhaltige und kreative Unikate aus den Bereichen Mode, Produktdesign und Grafik verkauft werden können. Die beiden darüber liegenden Stockwerke sollen von Menschen aus der Kreativwirtschaft für ihre Arbeit genutzt werden und gleichzeitig ein Ort für Veranstaltungen sein. Künstler, Autoren und Designer werden einziehen, zudem eine Podcast-Produktionsfirma und ein Start-up für nachhaltige Mobilität.

Auch die Initiative XR Hub München ist mit dabei. "Wir wollen einen realen Raum bieten, in dem Teams in Ruhe Technologien ausprobieren und neue Ideen entwickeln können", sagt Leiterin Silke Schmidt. Zwischennutzungen beleben die Stadt, sagt sie. "Jedes Gebäude entwickelt ein eigenes Flair. Wir sind schon gespannt auf den Vibe in diesem Haus." In der zweiten Etage sollen die ersten Mieter schon an diesem Wochenende einziehen, der erste Stock und das Erdgeschoss werden ab März mit Leben gefüllt, so der Plan.

Wie lange die neue Zwischennutzung Bestand haben wird, sei noch nicht abzusehen, heißt es von den Betreibern. Der Vertrag laufe bis Ende September, für Oktober sei der Abriss geplant. Frühere Projekte in der Stadt haben jedoch gezeigt, dass Genehmigungsverfahren für Bauanträge durchaus länger dauern können als gedacht - oft zur Freude der Mieter der Zwischennutzung.

Immer wieder liegen Gebäude brach, die auf ihre Sanierung, eine neue Nutzung oder ihren Abriss warten. "In anderen Städten eskaliert häufig die Konfrontation zwischen Entwicklern, Investoren und Kreativen", sagt Marco Eisenack, Gründer von Mucbook Clubhaus. "In München bringt man die Dinge gemeinsam voran und ermöglicht, eine Zeit lang eine besondere Szene in solchen Gebäuden entstehen zu lassen." Am meisten fasziniere ihn, was geschieht, wenn Menschen aus unterschiedlichen Branchen an einem ungewöhnlichen Ort zusammenkommen. "Hier in München ist Platz so wertvoll, dass jeder, der eine Zwischennutzung bekommt, auch richtig was daraus macht."

Mucbook Clubhaus versteht sich als professioneller Anbieter für Zwischennutzungen. München habe die moralische Pflicht, aus kurzfristigem Leerstand etwas zu machen, sagt Eisenack. "Aber natürlich haben Projektentwickler überhaupt keine Idee, was man mit einem Geschoss Büros alles anstellen könnte, außer es zu vermieten." Künstler, Autoren oder Start-ups, die auf der Suche nach neuen Räumen sind, könnten sich das ganze Jahr über bei ihm melden und würden benachrichtigt, sobald neue Flächen zur Verfügung stehen.

Natürlich sei die Ausstattung in solchen Zwischennutzungen nicht mit jener der modernen Coworking-Flächen in börsennotierten Unternehmen zu vergleichen, sagt Eisenack. Die Möbel für die Bayerstraße 25 kämen aus der Halle 2, dem Gebrauchtwarenkaufhaus des Abfallwirtschaftsbetriebs. "Wir suchen Leute, denen das Wichtigste ist, in einem coolen Umfeld und an einem Platz zu arbeiten, an dem sie glücklich sind", erklärt Eisenack. Die einzigen beiden Dinge, die man dafür wirklich brauche, seien Wlan - und eine Kaffeemaschine.

© SZ vom 01.02.2020/lfr
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