Kultur:So startet das Volkstheater in die zweite Saison im neuen Haus

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Kultur: Philipp Arnold, Hausregisseur am Münchner Volkstheater, eröffnet die zweite Spielzeit im neuen Haus mit "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".

Philipp Arnold, Hausregisseur am Münchner Volkstheater, eröffnet die zweite Spielzeit im neuen Haus mit "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".

(Foto: Gabriela Neeb)

"Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Pussy Sludge": Das Münchner Theater präsentiert zur Spielzeiteröffnung einen Beginn der Gegensätze.

Von Yvonne Poppek

Die zweite Saison im neuen Haus des Volkstheaters kommt etwas schlanker, zurückhaltender daher als ihre krisengeschüttelte Vorläuferin. Elf Premieren kündigte Intendant Christian Stückl kürzlich bei der Spielzeitkonferenz an, 2021/22 waren es noch 16. Zwei der neuen Inszenierungen sind nun gleich am Anfang zu sehen. Zusammengenommen machen sie dann überhaupt keinen zurückhaltenden Eindruck, spannen sie doch gleich Gegensätze auf. Auf der einen Seite steht die Bühnenadaption von Heinrich Bölls Novelle "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (Premiere: 22. September), auf der anderen Seite die deutschsprachige Erstaufführung von "Pussy Sludge" der US-amerikanischen Autorin Gracie Gardner (Premiere: 25. September).

"Katharina Blum" richtet Hausregisseur Philipp Arnold auf der großen Bühne des Hauses ein. 1974 erschien Bölls Novelle, in der er sich mit individueller Gewaltausübung und journalistischen Hetzkampagnen auseinandersetzt. Dafür erfand der 1972 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Autor die Hausangestellte Katharina Blum, brav und bodenständig, die eines Abends den von der Polizei gesuchten Kriminellen Ludwig Götten trifft. Sie verliebt sich, verbringt eine Nacht mit ihm - und wird in den folgenden Tagen gnadenlos Opfer der Boulevardpresse. Ähnlichkeiten mit den Methoden der Bild-Zeitung seien weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich, schrieb Böll damals. Regisseur Arnold inszeniert "Katharina Blum" mit Ruth Bohsung in der Titelrolle nun vor dem Hintergrund der gewaltigen Welle von Hass und Hetze im Netz.

"Pussy Sludge" von Gracie Gardner wurde 2019 zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen. Henriette Nagel übernimmt nun in München bei der deutschsprachigen Erstaufführung die Titelrolle. Pussy Sludge onaniert darin wild vor sich hin, Rohöl quillt aus ihrer Vulva und sie findet sich schließlich in einem Sumpf aus ihrem eigenen Matsch wieder. In diesem Sumpf hat sie allerlei Begegnungen. Regisseurin Mirjam Loibl setzt diesen Beitrag zu Genderdebatte, Rollen- und Körperbildern am Volkstheater um - und der ist eher schrill als zurückhaltend.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Premiere: 22. September 2022, 19.30 Uhr, Bühne 1; Pussy Sludge, Premiere: 25. September 2022, Bühne 2, Münchner Volkstheater

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