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Freizeit in München:Take-away, mal anders

Lange nicht gesehene Szenen: Vor dem "Vino e Gusto" drängeln sich Fotografen um Ralf Schumacher (rechts) und Guido Prick.

(Foto: Stephan Rumpf)

Guido Prick, Inhaber des "Vino e Gusto", schickt seine Stammkunden mit italienischem Essen und einem Pedelec zum Picknick ins Grüne. Mit dabei: Formel-1-Held Ralf Schumacher, in der Rolle des Winzers.

Von Thomas Becker

Es steht ihm ja nicht schlecht, aber so ganz zu Hause ist er darauf noch nicht. Wie auch? Schließlich ist der Mann Tempo 300 gewohnt, und das mit Gefährten, die doch ziemlich weit weg sind von so einem eher gemütlichen Lastenfahrrad.

Ralf Schumacher goes Pedelec, der ehemalige Formel-1-Held auf einem dreirädrigen E-Bike: Das ist schon ein Bild, das einige Passanten auf die Bremse steigen lässt. "Das ist doch der Dings, oder? Und warum stehen da so viele Leute vor dem Restaurant?" Ja, lange nicht gesehene Szenen spielen sich vor dem "Vino e Gusto" in der Herrnstraße ab: fotografierende Fotografen, Kameraleute mit zugekniffenem Auge und ein paar Old-School-Reporter mit Block und Bleistift. Verdammt lang her, dieses Gesellschaftsleben. Und wenn man Ralf Schumacher und Guido Prick glaubt, dann liegt zumindest die nähere Zukunft eben dieses Gesellschaftslebens nicht auf der Terrasse eines Restaurants, geschweige drinnen. Sondern: draußen an der frischen Luft, an Orten, die man nicht mit der Limousine, sondern nur mit dem Radl erreicht.

5JC6+3H ist so einer. Wer diesen sogenannten Geo-Tag (sprich: Täg) bei Google eingibt, wird 19 Minuten lang und 5,1 Kilometer weit ins Grüne gelotst, mitten in den Englischen Garten, Höhe Oberföhringer Wehr. "Mein Lieblingsplatz", sagt Prick, der Inhaber des "Vino e Gusto". 20 solcher Orte hat er aufgelistet, für seine Stammkunden. Denn denen will er in diesem Sommer all die Hygiene-, Impf- und Abstandsregeln nicht zumuten, jedenfalls nicht, solange sie seine italienische Küche und seine Weine genießen wollen. "Die Sommersaison wird nichts mehr", sagt er, "ich schicke meine Gäste lieber ins Grüne. Im Englischen Garten, das glaubt man gar nicht, da gibt's Ecken, da ist kein Mensch."

Aber er schickt die Kundschaft natürlich nicht hungrig in die Botanik. Sondern mit einem Picknick-Pedelec mit zwei Thermokisten: in der einen gut verpackte warme Speisen samt Gaskocher, in der anderen Vorspeisen und Desserts sowie gekühlte Weine. Dazu echte Weingläser, Servietten, Porzellanteller und gescheites Besteck statt Aluschale und Pappbecher. Auch so geht Take-away. Und da auf dem Pedelec nicht auch noch Platz für die Begleitung ist, hat Prick einen Deal mit dem benachbarten Radl-Verleiher "Mike's Bike Tours" für den ein oder anderen Mitesser. Sogar an alkoholfreien Wein hat er gedacht - man fährt ja schließlich Rad.

Was das alles mit Ralf Schumacher zu tun hat? Nun, ab einer Bestellung von 150 Euro gibt es aufs Haus eine Flasche Ribolla Gialla 2019 dazu - vom Winzer Ralf Schumacher. Im Salzburger Fischrestaurant seiner Wahl war er vor vier Jahren auf einen besonders angenehmen Tropfen gestoßen, hatte mal beim Weingut im slowenischen 300-Einwohner-Dorf Dobrovo vorbeigeschaut und dem Produzenten gleich die ganze Ernte abgekauft: 300 000 Flaschen. Eigentlich wollte er nur einen eigenen Wein für sein Restaurant im Rheinland, aber seitdem ist der 45-Jährige nun auch Winzer. Rund zwei Monate im Jahr verbringt er in Slowenien: "Ist doch mehr Arbeit, als man denkt", sagt er und krault seiner Lily das Fell. Auf den Hund gekommen ist er nämlich auch noch.

Ein Schicksal, das er mit Prick teilt, in dessen Leben sich viel um seine Bulldogge Malesh dreht. Wenn Schumacher als "Sky"-Experte in München arbeitet, wohnt er nebenan im Hotel Maximilian und bekommt das Essen vom "Vino e Gusto" - so entstand die Idee vom flexiblen Fine Dining in der Natur. Und mit ein bisschen Übung wird der Ex-Rennfahrer auch noch die Kurvenlage von diesem Pedelec in den Griff bekommen, wäre doch gelacht.

© SZ vom 12.05.2021
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