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Stadtentwicklung:Gespräche über U-Bahn nach Germering

Neue U-Bahn mit Türbeleuchtung in München, 2016

Ob die U-Bahn tatsächlich kommt, hängt offenbar maßgeblich von der Haltung der Verantwortlichen im Germeringer Rathaus ab.

(Foto: Florian Peljak)
  • Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Baureferentin Rosemarie Hingerl werden in den kommenden Tagen Gespräche mit der Germeringer Stadtspitze führen - es geht um eine U5 bis nach Germering.
  • Bislang ist allerdings die Finanzierung unklar; Experten rechnen mit ähnlichen Kosten wie beim 750 Millionen Euro teuren Ausbau zwischen Pasing und Freiham.
  • Erst im vergangenen Januar hatte der Stadtrat beschlossen, die bestehende Planung für die Verlängerung der U-5-Trasse von Laim über Pasing bis nach Freiham auszuweiten.

Die U-Bahnlinie U 5 fährt im Westen künftig womöglich bis nach Germering. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung werden Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Baureferentin Rosemarie Hingerl in den kommenden Tagen Gespräche mit der Germeringer Stadtspitze führen. Die Planungs- und die Baureferentin wollen demnach neue Pläne erläutern, wie am östlichen Stadtrand von Germering nicht nur ein Erholungsgebiet mit einem Badesee entstehen, sondern auch die U-Bahn weiter bis in die nördliche Stadtmitte der Großen Kreisstadt geführt werden könnte.

Ob die U-Bahn tatsächlich kommt, hängt offenbar maßgeblich von der Haltung der Verantwortlichen im Germeringer Rathaus ab. Denn bislang ist die Finanzierung noch unklar. Erst im vergangenen Januar hatte der Stadtrat beschlossen, die bestehende Planung für die Verlängerung der U-5-Trasse von Laim über Pasing bis nach Freiham auszuweiten. Allein der 4,5 Kilometer lange Abschnitt zwischen Pasing und Freiham dürfte nach Schätzungen des Planungsreferats mindestens 750 Millionen Euro an Bau- und Planungskosten verschlingen. Auch die Weiterführung nach Germering mit mehreren Haltestellen würde wohl ähnliche Kosten verursachen, zumal auch die Autobahn A 99 über- oder unterquert werden müsste. Doch SPD-Stadtrat Christian Müller fände es "einen Treppenwitz", wenn die U-Bahn in Freiham enden würde. Schließlich leben in Germering mehr als 40 000 Menschen, auch Puchheimer könnten von der U-Bahn-Verlängerung profitieren, da der potenzielle Endhalt möglicherweise nicht an der S-Bahnstation in Germering liegt, sondern weiter nördlich.

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Mit der Vision dürfte die Auslastung der U 5 im Münchner Westen deutlich steigen, was wiederum positiv auf den Nutzen-Kosten-Faktor wirkt und somit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass staatliche Gelder fließen. Deshalb hofft man in München offenbar so bald wie möglich auf ein positives Signal. Für Germering dürfte auch ein weiteres Planspiel aus der Landeshauptstadt interessant sein. Denn mit Sorge blicken die Germeringer auf die Entwicklung von Freiham mit künftig 25 000 bis 30 000 Bewohnern. Der Stadtrat der Kreisstadt hatte schon mehrfach seine Befürchtung geäußert, dass viele Freihamer den Germeringer See im Nordwesten der Stadt als Naherholungsgebiet nutzen könnten und womöglich mit dem Auto zum Baden anreisen.

Doch im Münchner Rathaus wurde auch daran gedacht. Nachdem die Stadtverwaltung die Idee verworfen hatte, einen eigenen Badesee im geplanten Landschaftspark in Freiham zu schaffen, weil das 60 Hektar große Gebiet zu schmal für einen See wäre, gibt es nun Ideen für einen See direkt westlich der A 99. Dort steht direkt nördlich der Bodenseestraße ein Beton- und Kieswerk, das Material für die nahe gelegene Großbaustelle in Freiham liefert. Die Nutzung des Geländes ist zeitlich befristet, nach Ablauf der Genehmigung könnte an dieser Stelle ein etwa 15 bis 20 Hektar großer See entstehen. "Wenn das Gelände ausgebaggert ist, hat man eine ziemlich große Fläche", sagt Sebastian Kriesel. Der CSU-Politiker ist Vorsitzender des Bezirksausschusses Aubing-Lochhausen-Langwied und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Thematik. An der Stelle des Betonwerks stehe das Grundwasser nur etwa zwei Meter unter der Oberfläche, das ausgekieste Loch würde sich also fast von allein mit Wasser füllen.

Dass nun die Stadt München westlich der A 99 planen will, kommt dennoch überraschend. Dort gibt es bis zur Stadtgrenze von Germering noch reichlich Platz, allerdings liegen viele der Flächen im Landschaftsschutzgebiet, wie SPD-Stadtrat Müller betont. Das Gebiet wurde 1966 durch den damals gegründeten Zweckverband Freiham gekauft, insgesamt 170 Hektar. Der Zweckverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, Vorsitzender ist Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Geschäftsleiter ist Stefan Diemling vom Kommunalreferat. Eigentlich war das riesige Gebiet, das etwa zu 70 Prozent dem Zweckverband gehört, für den Bau einer Entlastungsstadt vorgesehen, wie sie nun zumindest in Teilen östlich der Autobahn entsteht. Doch westlich der A 99 schwebt nun CSU und SPD ein großes Erholungsgebiet vor, das mit der U-Bahn erschlossen wird und bis an die Stadtgrenze von Germering reichen könnte.

"Man muss sich jetzt mit der Stadt Germering in Benehmen setzen, weil das direkt an Germering grenzt", sagt Christian Müller. Im Germeringer Rathaus ist man bislang noch abwartend: Der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Andre (CSU) sagte der SZ kürzlich, aus der Landeshauptstadt habe sich noch niemand offiziell gemeldet. Doch sowohl in der Münchner SPD als auch bei der CSU ist man verhalten zuversichtlich. "Die Pläne sind wirklich realistisch", sagt der Münchner CSU-Mann Sebastian Kriesel. Und auch SPD-Stadtrat Müller glaubt: "Das hat eine Chance auf Realisierung."

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