Typisch deutsch:Von Messern und Maronen

Schwammerlwanderung Ebersberger Forst - Zubereitung

Unser Autor bereitet seine Schwammerl etwas anders zu als in Bayern sonst üblich.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Unser Autor kennt die Gefahren des Schwammerlsuchens. In München findet er schon mal giftige Pilze - und trifft auf einen Mann mit Messer.

Kolumne von Mohamad Alkhalaf

Es ist ein Privileg, nahe am Wald zu wohnen. Bei einem meiner frühen Besuche im Ebersberger Forst bin ich zwei Herren mit Hut und Trachtenjanker begegnet, die mir ein "Habe die Ehre" zuraunzen, aber sonst kaum Notiz von mir nehmen. Ihre Blicke sind stets auf die Erde gerichtet, als ob sie eifrig nach etwas suchen würden.

Was haben die beiden hier verloren? Oder ist es erhöhte Vorsicht, um nicht in Hundehaufen zu treten? Ich bot meine Hilfe an. Dies lehnte einer der beiden vehement ab. Dabei blitzte in seiner rechten Hand ein Messer. Ich machte mich schnell aus dem Staub. Auf arabisch sagen wir: al-hazima thulthei al-maragil. Frei übersetzt: Der Rückzug ist mehr als die halbe Miete, etwa vor übermächtigen Gegnern.

Stichwort Übermacht: Kurz vor Beginn des syrischen Bürgerkriegs, ich war damals 17 Jahre alt, kehrte ich mit Freunden vom Pilzesammeln auf dem Land zurück. Die Hügel und Täler waren damals noch gefahrlos zu durchwandern. Es war Ramadan. Und wir brachen auf, um die Fastenzeit bis zum Sonnenuntergang zu verkürzen. Ich erinnere mich, dass ich fröhlich war und Lieder sang. Es war leicht, Pilze zu finden. Man musste nur den Staub entfernen, schon sah man die Pilzdeckel aus dem Boden ragen. Bei Sonnenuntergang briet meine Mutter in der Küche Pilze mit Eiern und Fleisch.

Zurück nach Bayern: Eines Tages entschied ich mich, auch hier auf Pilzsuche zu gehen. Ich machte mich auf in den Ebersberger Forst und sammelte sehr erfolgreich drauf los. Als ich zurück kam, empfing mich eine Freundin mit grimmigem Gesicht. Sie nahm meine Pilze aus der Tüte und warf sie in den Müll. Ob ich die Essensgäste vergiften wolle?

Wer Schwammerl sucht, ist in Gefahr, egal wo. Im Syrien nach der Jahrtausendwende - ich war nun Ende 20 - waren wir zu sechst im Wald unterwegs und suchten nach Essbarem. Da entdeckte einer von uns einen riesigen Pilzkopf. Er ging einige Meter ins Unterholz, um den Pilz abzupflücken. Wir alle wunderten uns ob der üppigen Form dieses Pilzes. Mein Freund beugte sich nach unten - bumm. Es war kein Pilz, sondern eine vergessene Bombe. Der junge Mann überlebte, er verlor aber ein Auge und ein Bein.

Dem Mann mit dem Messer bin ich später erneut begegnet

In Bayern ist die Gefahr weniger explosiv. Gut beraten ist, wer von erfahrenen Pilzsuchern lernt, zwischen essbaren und giftigen Pilzen zu unterscheiden. Mittlerweile ist es für mich zum Herbstsport geworden. Manchmal lohnt es sich, nach wenigen Tagen an einer Fundstelle nachzusehen, ob sich neue Pilze gebildet haben. Mein Favorit ist der Steinpilz, gefolgt von dessen kleinem Bruder, dem Birkenpilz. Und den Maronen. Ich koche oder brate die Pilze mit Pfeffer, Knoblauch, Zwiebeln und Petersilie. Als Beilage gibt es Salat oder Ei. Fast wie einst in Mamas Küche.

Dem Mann mit dem Messer im Forst bin ich zwei Stunden später erneut begegnet. Das Messer hat er nun eingesteckt - es ist wohl doch keine Waffe. Auffällig ist sein gefüllter Schwammerl-Korb. Er lächelt mich an und grüßt nun deutlich vergnügter: Habe die Ehre!

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