Übernachtungszahlen:Noch nie besuchten mehr Touristen München

Übernachtungszahlen: Meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um Touristen handelt: ein Selfie vor dem Rathaus und der Frauenkirche machen.

Meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um Touristen handelt: ein Selfie vor dem Rathaus und der Frauenkirche machen.

(Foto: Robert Haas)

Im vergangenen Jahr zählte die Stadt 18,6 Millionen Übernachtungen. Die Krise ist überwunden, der Wirtschaftsreferent zufrieden. Nur bei einer Zielgruppe, da müsse man noch besser werden.

Von Patrik Stäbler

"Einfach hervorragend" prangt in Anlehnung an den städtischen Slogan "Einfach München" auf der Startseite jener Präsentation, die Clemens Baumgärtner gleich zu halten gedenkt - was es in zweierlei Hinsicht recht gut zusammenfasst. Zum einen die Laune des Wirtschaftsreferenten betreffend, der soeben mit breitem Lächeln vor der versammelten Presse Platz genommen hat. Baumgärtners gute Stimmung wiederum hängt - zum anderen - mit den Zahlen zum laufenden und künftigen Tourismusgeschäft in München zusammen. Denn die sind inmitten des "ewigen Abgesangs auf den Wirtschaftsstandort Deutschland, wo nichts passiert und alles schlimm ist", so der CSU-Mann, tatsächlich hervorragend.

So hat München das erfolgreichste Tourismusjahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1912 hinter sich. Insgesamt zählte die Stadt 18,6 Millionen Übernachtungen - deutlich mehr als 2022 und etwas mehr als 2019 vor dem Corona-Einbruch. "Wir haben die Krise in und nach der Pandemie überwinden können", freut sich Baumgärtner, der das - so viel Eigenlob muss sein - auch auf die Anstrengungen seines Referats für Arbeit und Wirtschaft zurückführt. Dieses sei "nicht nur eine verwaltende Behörde, sondern ein Kooperationspartner" für die hiesige Tourismusindustrie.

Baumgärtners blendende Laune liegt jedoch nicht nur an der Vorjahresbilanz, sondern vor allem auch am Ausblick auf 2024. Denn da werde München vor dem Hintergrund etlicher Großveranstaltungen vermutlich einen neuen Rekord mit fast 20 Millionen Übernachtungen erreichen, schätzt der Wirtschaftsreferent. Und all diese Besucherinnen und Besucher würden ja nicht nur eine Unterkunft buchen, sondern obendrein auch viel Geld in der Stadt lassen - allen voran in Läden, Restaurants und bei Dienstleistern. Oder wie es Baumgärtner formuliert: "Wenn wir nur die Münchnerinnen und Münchner hätten, dann würde unsere Innenstadt ganz anders aussehen."

Entsprechend könne er manche Beschwerde von Einheimischen über allzu viele Besucher in ihrer Stadt nicht nachvollziehen, betont Baumgärtner - es ist der einzige Moment an diesem Vormittag, an dem sich seine Miene verdüstert. "Wir brauchen die Touristen, um München so attraktiv zu halten, wie es ist." Daher habe er auch kein Verständnis für Klagen, "dass auf der Wiesn lauter Amis rumhupfen" oder arabische Touristen "im Lamborghini vor der Oper einen Donut drehen", so Baumgärtner. "Da braucht's etwas mehr Gelassenheit. Wir wollen in München gute Gastgeber sein - schließlich verdienen wir auch an unseren Gästen."

Dies trifft im Besonderen auf Touristen aus den arabischen Golfstaaten zu. Sie geben laut der Studie eines Zahlungsdienstleisters, deren Ergebnisse Baumgärtner präsentiert, im Schnitt 909 Euro während ihres München-Besuchs aus. Abgeschlagen auf Platz zwei folgen Gäste aus Taiwan (533 Euro) und den USA (299 Euro), während der Otto-Normal-Engländer gerade mal 142 Euro in der Stadt lässt. Mit Blick auf Urlauber aus Deutschland seien die Hessen am ausgabefreudigsten, sagt Baumgärtner. "Die Berliner sind dagegen eher knickert."

Rein zahlenmäßig kommen die meisten München-Touristen weiterhin aus den USA, die für fast 1,3 Millionen Übernachtungen verantwortlich sind. Mit deutlichem Abstand folgen Italien, Großbritannien und Österreich. Den größten Sprung nach vorne legte 2023 Australien mit 191000 Übernachtungen hin - doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Und im Vergleich zu den Zeiten vor der Pandemie stiegen laut Baumgärtner vor allem die Besuchszahlen aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, der Türkei, Tschechien, Polen und Rumänien.

Auf der anderen Seite verloren Touristen aus Russland drastisch an Bedeutung - wegen des Kriegs in der Ukraine. Aber auch die Zahl der Übernachtungen von Urlauberinnen und Urlaubern aus China und Japan lag 2023 nur halb so hoch wie 2019, weshalb Baumgärtner einräumt: "Wo wir nachlegen müssen und können, ist der asiatische Markt."

Viel lieber als über diesen Wermutstropfen spricht der Wirtschaftsreferent jedoch über die vielen Großveranstaltungen in diesem Jahr, die dem Tourismus einen zusätzlichen Schub verleihen sollen. Neben diversen Kongressen, Konzerten und Messen, der Fußball-EM und dem Oktoberfest geht Baumgärtner dabei im Besonderen auf die zehn Auftritte des britischen Popstars Adele in München ein. Bei erwarteten 800000 Besuchern auf dem Messegelände rechne man mit einem Umsatz von mehr als einer halben Milliarde Euro für die städtische Tourismusindustrie. Hinzu komme der "beachtliche PR-Wert", da sich die Sängerin für ihre Konzertserie speziell für München entschieden habe. "Das war ganz klar eine Akquise, bei der wir uns gegen andere Städte durchsetzen mussten", sagt Clemens Baumgärtner, der sich überzeugt gibt: "Mit Adele ist uns ein echter Coup gelungen."

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