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Berg am Laim:Wohnen auf dem Parkplatz

Ab in den Untergrund: der Park-and-ride-Platz am U-Bahnhof Michaelibad. Laut den Entwürfen ist eine Tiefgarage für Pendler vorgesehen.

(Foto: Robert Haas)

Die Stadtwerke wollen eine Stellfläche am U-Bahnhof Michaelibad zu einem Quartier mit Büros und Läden entwickeln. Der Bezirksausschuss begrüßt das Projekt, stellt aber einige Forderungen

Auf der früheren Buswendeschleife und dem heutigen Park-and-ride-Platz am U-Bahnhof Michaelibad wollen die Stadtwerke München (SWM), denen die Fläche gehört, ein Wohn- und Gewerbequartier errichten, inklusive Läden und Kita. Und sie wollen neue Maßstäbe setzen, mit einem 45 Meter hohen Haus.

Die nötigen Pendlerparkplätze sollen in einer Tiefgarage verschwinden. Für dieses Vorhaben soll der Planungsausschuss des Stadtrates noch dieses Jahr den Flächennutzungsplan ändern und Eckdaten für einen städtebaulichen Wettbewerb festzurren. Testentwürfe hätten das hohe Potenzial dieser Fläche gezeigt, heißt es vom Planungsreferat. Voruntersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass eine Geschossfläche von rund 20 000 Quadratmetern verträglich sei. Neben den Gewerbeflächen könnten rund 140 Wohnungen entstehen. Es wird ein zusätzliches Verkehrsaufkommen von 1200 bis 1300 Fahrten am Tag erwartet. Im Bezirksausschuss (BA) Berg am Laim jedoch regten sich Kritik - vor allem an dem geplanten Hochhaus und der prognostizierten Parkplatz-Mehrung.

Im Grundsatz begrüßt das Gremium allerdings die Planung, sieht es darin doch die Chance auf einen im Viertel heiß ersehnten Supermarkt. Gut seien auch der Bau einer Kindertagesstätte, die Vergrößerung der öffentlichen Grünfläche in Richtung Hachinger Bach sowie der Mietwohnungsbau und der soziale Wohnungsbau.

Groß war noch vor Kurzem die Befürchtung, die Stadtwerke könnten statt der Wohnungen zu viele Büros bauen. Inzwischen haben die SWM jedoch erklärt, so berichtete es BA-Chef Robert Kulzer (SPD), keine Büroflächen für die externe Vermietung bauen zu wollen, sondern nur welche für den eigenen Bedarf. "Der Bezirksausschuss sieht diese Erklärung als verbindlich an", formulierte Kulzer in der Stellungnahme.

Er kann sich aber auch ein Ärztehaus an der Stelle vorstellen. Unterdessen wiederholt das Gremium ganz bewusst seine alte Forderung, die Stadtwerke sollten dort Flächen für soziale Einrichtungen sowie für Künstlerateliers und Musikübungsräume berücksichtigen, denn auch diese würden dringend gebraucht. Der Hinweis der Verwaltung auf das geplante Kulturbürgerhaus für Berg am Laim gehe, so Kulzer, "am Thema vorbei", denn dabei handle es sich um ein Angebot für bürgerschaftliche Nutzungen. Benötigt werden jedoch auch Flächen für soziale Einrichtungen wie Beratungszentren und individuell nutzbare Räume zum Mieten für Künstler und Musiker, welche auf dem freien Mietmarkt kaum mehr Chancen haben. "Gerade ein städtisches Unternehmen sollte hier seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen", meint der Bezirksausschuss.

Ergänzt werden müsse der Eckdatenbeschluss aus Sicht des Gremiums um Aussagen zur barrierefreien Anbindung des U-Bahnhofes Michaelibad, die nun zumindest teilweise in Verbindung mit der geplanten Bebauung erreicht werden könnte. Der U-Bahnhof ist bisher nur unzureichend über eine falsch situierte und nur eingeschränkt nutzbare Rampe barrierefrei erschlossen.

Kritisch sieht die Mehrheit im Gremium die "unnötig groß geplante" neue unterirdische Park-and-ride-Anlage: Laut den Stadtwerken sollen vorsorglich mehr Stellplätze errichtet werden, als gemäß Gutachten nötig wären. Die CSU im Gremium hätte das im Hinblick auf den Bevölkerungszuwachs goutiert, die Mehrheit aus Rot und Grün jedoch nicht.

Einhellig abgelehnt aber wird die im Entwurf enthaltene "Option eines Hochpunktes mit bis zu 45 Metern". In der Sitzung wurde geradezu gefeilscht über eine als gerade noch akzeptable Höhe. Die Grünen wollten sich an der gegenüberliegenden Haldenseesiedlung orientieren, wo das höchste Haus über dem Erdgeschoss sieben Stockwerke haben soll. Man einigte sich auf "eine Höhenbegrenzung von maximal 30 Metern beziehungsweise Erdgeschoss plus acht Stockwerke".

Für den Wettbewerb fordert das Gremium aber auf Vorschlag der CSU, dass jedes beteiligte Büro zwei Varianten vorlegen soll: einmal mit einem Hochpunkt, maximal Erdgeschoss plus acht und einmal ohne Hochpunkt bei jeweils gleicher Geschossflächenzahl. "Nur so kann sichergestellt werden, dass nicht schon durch die Auslobung ein Hochpunkt festgeschrieben wird", so die Haltung des BA.

Ganz wichtig ist den Berg am Laimer Lokalpolitikern ferner eine Information und Beteiligung der Öffentlichkeit vor der Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs, "und die Berücksichtigung der dort gewonnenen Erkenntnisse" für den Wettbewerb, wie es heißt. Das Gremium will Anfang 2020 eine Einwohnerversammlung einberufen, an der Planungsreferat und Stadtwerke sich beteiligen sollen.