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Sommer in der Stadt:Fröhlich, frei und gar nicht fromm

Das "Frischluft im Park"-Festival kapert die derzeit größte Kulturspielstätte Münchens. Im "Kino am Olympiasee" machen die "Bananafishbones" ebenso Stimmung wie Slam-Poeten und Podcast-Helden.

Von Michael Zirnstein

Eines der größten Rätsel der ersten Corona-Saison betrifft die Olympia-Schwimmbadliegewiese: Wie bloß hat es das Team des dortigen Freiluftkinos geschafft, schon Veranstaltungen für gut 500 Personen genehmigt zu bekommen, als sonst erst nur 200 erlaubt waren? Ob es nun am vorbildlichen, auch in anderen bayerischen Orten kopierten Hygienekonzept mit getrennten Laufwegen liegt oder daran, dass man sich auf städtischem, also irgendwie hoheitlichem Grund befindet, egal. Auch jetzt, da draußen schon 400 Sitze bei Kulturveranstaltungen besetzt werden dürfen, ist das lauschige "Kino am Olympiasee" noch immer die größte Spielstätte der Stadt. Das gilt auch, wenn jetzt die Leinwand eingepackt wird und zwei Wochen lang Bands und Comedians das Podium bespielen. Das Festival "Frischluft im Park" stand übrigens bereits, als die "Sommerbühne" der Stadt nebenan im Olympiastadion (siehe Bericht Titelseite) noch nicht mal angedacht war.

Für das Programm ist die Münchner Agentur Alpinconcerts verantwortlich, die viel mit regionalen Stars zusammenarbeitet. Viele - seit Monaten ohne Engagement - waren nur allzu gerne bereit, hier aufzutreten. So fieberten etwa die altgedienten Indierocker Bananafishbones nach einem schönen Stream-Intermezzo aus der Bar Gabanyi ihrem einzigen Live-Auftritt in diesem Sommer entgegen. Und dann brach sich deren Gitarrengenius Peter Horn die Hand (überengagiert beim Tischtennisspielen, was sich durchaus vorstellen kann, wer ihn bereits hat die Saiten bearbeiten sehen). Singen kann er noch, an der Gitarre wird er vertreten von Luke Cyrus Götze, und so kann das ein ganz spezielles Konzert der nun 30-jährigen Fishbones-Geschichte werden.

Aus den nur paarweise vergebenen Liegesitzen wird es die Gäste wohl auch bei der Techno-affinen Jazzrausch Bigband heben, während die Tausendsassas der Kapelle so&so zur Ruhe gemahnen - zumindest mit ihrem Show-Titel "Nua ned hudln".

Den Auftakt und das Finale macht Ko Bylanzky mit seinen Poetry-Slam-Kollegen - diese Szene dürstet auch bereits seit vier Monaten nach neuem Reimstoff. Überhaupt liegt ein Schwerpunkt von Frischluft im Wortwitz: etwa bei der musikalischen Lesung des Wieners Stefan Leonhardsberger und des Bayern Stephan Zinner, die über ihre Nationalgetränke philosophieren: "Kaffee & Bier". Während Harry G mit seinen Youtube-Granteleien schon länger auch live Erfolge feiert und es derzeit auch als seriöser Serien-Schauspieler versucht (Der Beischläfer), treten hier auch zwei Aufsteiger frisch aus dem Internet hervor: Der "Addnfahrer", dessen bei seinen philosophierenden Traktorausflügen 600 000 Fans im Schlepptau hat; und Heinlein & Weigert, mit deren Lieblingen aus dem Podcast "Sagt ja zum Leben" wie Bumsi & Eve, Hefe-Leo und Gorilla-Manfred man nun auch live lachen darf. Die unfromme Liedermacherin Martina Schwarzmann darf gar fünf Abende ran - sonst füllt sie eben große Hallen, für sie sind selbst 500 Gäste ein intimer Kreis.

Frischluft im Park: Münchner Slam-Sommernächte, So., 2., bis Mo., 17. Aug.; Martina Schwarzmann, Mo. & Mi., 3. & 5., Mo.-Mi., 10.-12. Aug.; Bananafishbones, Di. 4. Aug.; Kapelle so&so, Do., 6. Aug.; Harry G, Fr.-So., 7.-9. Aug.; Heinlein & Weigert, Do., 13. Aug.; Addnfahrer, Fr., 14. Aug.; Jazzrausch Bigband, Sa., 15. Aug.; Stefan Leonhardsberger & Stephan Zinner, So., 16. Aug.; jeweils 19.30 Uhr, Schwimmbad am Olympiasee, Telefon 21837300, Infos unter www.kinoamolympiasee.de

© SZ vom 30.07.2020

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