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Sozialausschuss:Weitere 4,4 Millionen Euro für Senioren

Mittagstisch im ASZ in München, 2018

Eine warme Mahlzeit am Mittag können sich viele ältere Menschen in München nicht leisten. Deshalb bieten die Alten- und Servicezentren einen kostenlosen Mittagstisch für Senioren mit wenig Geld an.

(Foto: Catherina Hess)
  • Mehr als jeder vierte Mensch über 65 Jahre lebt in München unterhalb der Armutsschwelle.
  • Der Sozialausschuss soll am Donnerstag weitere Ausgaben in Höhe von 4,4 Millionen Euro bewilligen, um älteren Menschen das Leben etwas zu erleichtern.
  • Zum Beispiel soll der kostenlose Mittagstisch in den 32 Alten- und Servicezentren (ASZ) deutlich ausgebaut werden.

Viele ältere Menschen, die dringend Hilfe bräuchten, leben oft unerkannt. Denn es sind weit mehr als die 15 300 Münchnerinnen und Münchner, die Grundsicherung im Alter beziehen. Viele Menschen nehmen ihre Grundsicherung nicht in Anspruch, obwohl sie dazu berechtigt wären. Dazu kommt noch eine wesentlich größere Menge an Münchnern, die streng genommen nicht zu den Allerbedürftigsten zählt: Mehr als jeder vierte Mensch über 65 Jahre lebt in München unterhalb der Armutsschwelle.

Seit Jahren versucht die Stadt, für den wachsenden Anteil an armen Senioren Angebote zu schaffen. Seit dem Jahr 2012 sind nach Angaben von Sozialreferentin Dorothee Schiwy elf Millionen Euro zusätzlich zu den bestehenden Hilfsprogrammen für die Altenhilfe bewilligt worden. Nun sollen die Angebote noch einmal deutlich ausgeweitet werden. Der Sozialausschuss soll am Donnerstag weitere Ausgaben in Höhe von 4,4 Millionen Euro bewilligen, um älteren Menschen das Leben etwas zu erleichtern.

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Der kostenlose Mittagstisch in den 32 Alten- und Servicezentren (ASZ) soll demnach deutlich ausgebaut werden. Denn die Nachfrage ist offenbar groß: Im Vergleich zum vergangenen Jahr stieg die Zahl der ausgegebenen Mahlzeiten um mindestens 25 Prozent auf nunmehr knapp 100 000 Essen, fast jeder zweite Besucher nutzte das kostenlose Mittagessenangebot. Wer mehr Geld als die in München ermittelte Armutsgrenze von 1350 Euro netto zur Verfügung hat, zahlt lediglich einen symbolischen Betrag von zwei bis drei Euro. Bislang bieten zehn ASZ den Mittagstisch an vier bis fünf Wochentagen an, die übrigen Servicezentren lediglich an drei Tagen. Künftig sollen in allen ASZ an fünf Tagen kostenloses Mittagessen ausgeben werden, auch in sieben weiteren Einrichtungen der offenen Altenhilfe wie Seniorentreffs wird es künftig das Angebot geben, wenn der Stadtrat zustimmt.

Ein völlig neues Konzept der Unterstützung will das Sozialreferat in den kommenden Monaten gemeinsam mit den freien Wohlfahrtsverbänden entwickeln: Senioren, die weniger als 1350 Euro netto monatlich zur Verfügung haben, sollen künftig mit Wertschecks Zuzahlungen für Haushaltshilfen erhalten. Derzeit gibt es die Überlegung, dass die Berechtigten monatlich vier Schecks im Wert von je 15 Euro erhalten, mit denen anteilig Putzhilfen bezahlt werden können. Doch bislang ist offenbar noch nicht abschließend geklärt, wie die Abrechnungen funktionieren könnten, denn derzeit verlangen Reinigungsdienste in München etwa 25 bis 27 Euro pro Stunde, die Senioren müssten dann also noch einmal extra zahlen. Auch die Frage, wer für die hauswirtschaftliche Versorgung in Frage kommt, ist wohl noch nicht endgültig geklärt. Denn das Sozialreferat rechnet damit, dass der Bedarf an derartigen Hilfen groß sein wird, laut Beschlussvorlage rechnet Schiwy mit monatlich 1600 Menschen, die das Angebot in Anspruch nehmen würden. Doch ob es genügend qualifizierte Dienstleister in München gibt, die die Aufgaben übernehmen wollen und können, ist offen. Die Wohlfahrtsverbände schlagen hier bereits einen neuen Weg vor: Möglicherweise könnte ein Netzwerk mit gemeinnützigen Münchner Unternehmen entstehen, die Menschen im Zweiten oder Dritten Arbeitsmarkt für die verschiedenen hauswirtschaftlichen Tätigkeit qualifizieren könnten.

Allein für diesen Posten will sich Schiwy vom Sozialausschuss 1,15 Millionen Euro im kommenden Jahr sichern, auch wenn das Projekt wahrscheinlich erst im Laufe des Jahres starten kann. "Wir müssen jetzt im Herbst alles beantragen, was wir im nächsten Jahr alles planen", sagte Schiwy am Montag. Die Hauswirtschaftshilfen seien "völlig freiwillige Leistungen" der Stadt, so die Sozialreferentin.

Die Beschlussvorlage für den Sozialausschuss am Donnerstag geht vor allem auf sechs Anträge der SPD sowie drei der CSU zurück. Gerade bei den Haushaltshilfen will die SPD, "dass solche Hilfen praktisch, schnell, einfach und unbürokratisch zu erhalten sind", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Müller am Montag. Die Münchner Wohlfahrtsverbände begrüßen grundsätzlich das neue Sozialpaket für Senioren, "besonders auch für die, die hauswirtschaftliche Hilfe dringend brauchen und sie sich nicht leisten können", sagte die Sprecherin der Verbände, Andrea Betz, auf SZ-Anfrage. Allerdings müsse dieses Projekt "dringend konkret weiterentwickelt werden": Es bestehe nämlich die Gefahr, dass es nicht ausreichend Dienstleister gibt, bei denen die Wertschecks eingelöst werden könnten. Zudem sei das geplante Subventionssystem neu und werde womöglich in einem "intransparenten und nicht geregelten Markt" angewendet. Auch die Zuzahlung kritisiert Betz.

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