bedeckt München 30°

Vorfall am Kurfürstenplatz:Mutmaßliche Polizeigewalt in Schwabing: Neues Video von Festnahme aufgetaucht

Ein Anwohner filmte im Juni, wie ein Polizist einem Verdächtigen mehrere Male das Knie in den Oberkörper rammte. Die neuen Aufnahmen unterscheiden sich nun in zwei wichtigen Punkten von dem Video.

In einem Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt in Schwabing liegt den Behörden nun ein zweites Video vor, das die Vorgänge am Kurfürstenplatz dokumentiert. Ein Beamter des Polizeipräsidiums München steht nach dem Zwischenfall am 4. Juni im Verdacht der Körperverletzung im Amt. Ein Anwohner hatte beobachtet und auch gefilmt, wie der Polizist einem Verdächtigen vor der Festnahme mehrere Male das Knie in den Oberkörper rammte.

Die nun vorliegenden neuen Aufnahmen unterscheiden sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in zwei wichtigen Punkten von dem Video, das der Augenzeuge der Polizei zur Verfügung stellte: Sie zeigen das Geschehen aus einer anderen Perspektive, und sie sind außerdem länger.

Das Landeskriminalamt (LKA), das routinemäßig mit den internen Ermittlungen betraut wurde, hat am Dienstag die Existenz des zweiten Videos bestätigt. Ein Sprecher wollte sich zu den Details, was darauf zu sehen ist, allerdings nicht äußern. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte "Insider", das neue Filmmaterial "könne durchaus die beteiligten Beamten von dem Vorwurf übermäßiger Gewaltanwendung entlasten". Es zeige "Einzelheiten der Überwältigung des Tatverdächtigen" sowie dessen "heftige Gegenwehr".

Das LKA lehnte einen Kommentar dazu ab und begründete dies mit den laufenden Ermittlungen. Offen blieb auch, woher die neue Aufnahme stammt. In Betracht kommen aber eigentlich nur ein möglicher weiterer Augenzeuge, eine Body-Cam der Polizei oder ein Überwachungsvideo aus einem der umliegenden Geschäfte. Gerufen worden war die Polizei von einem Wirt. Der Verdächtige hatte im Lokal keine Maske tragen wollen und ihn angegriffen.

© SZ vom 24.06.2020 /mmo

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite