Schwurgericht:Lebenslange Haft für Mord an Rentnerin

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Schwurgericht: Der Angeklagte Milan R. beim Auftakt des Prozesses vor dem Münchner Landgericht.

Der Angeklagte Milan R. beim Auftakt des Prozesses vor dem Münchner Landgericht.

(Foto: Lukas Barth/dpa)

Der 53-jährige Milan R. soll sein Opfer bei einem Einbruch in dessen Haus mit Faustschlägen und einem Schraubendreher getötet haben. Die Brutalität des Falls schockiert.

Von Andreas Salch

Es muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein: Am 27. Dezember 2020, kurz nach 21 Uhr, entdeckte Olja W. die blutüberströmte Leiche ihrer Vermieterin Sanja C. (Namen geändert) in der Küche ihres Reihenhauses in Pasing-Obermenzing. Der Kopf der 67-jährigen Rentnerin wies Spuren von acht heftigen Schlägen auf, das Nasenbein und vier Rippen an der rechten Körperseite waren gebrochen. Ein Einbrecher war in ihr Haus eingedrungen und hatte sie mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Die Ermittler der Mordkommission München fanden am Tatort DNA-Spuren des mutmaßlichen Täters. Sie führten zu Milan R. und schließlich zu dessen Festnahme im April 2021 in seiner Heimat Serbien. An diesem Freitag verurteilte ein Schwurgericht am Landgericht München I den 53-Jährigen wegen Mordes aus Habgier und Raub mit Todesfolge zu lebenslanger Haft. Milan R. nahm das Urteil äußerlich regungslos zur Kenntnis.

Der Maschinentechniker war im Juli 2019 nach Verbüßung einer langjährigen Haftstrafe wegen Banküberfällen in Serbien aus dem Gefängnis entlassen worden und befand sich in einer schlechten finanziellen Lage. Als ihm sein Sohn, der sich einige Zeit in München aufgehalten hatte, von einer vermeintlich reichen Witwe erzählte, in deren Haus er zur Untermiete gewohnt hatte, habe sich der Angeklagte "seiner Gewohnheit entsprechend" entschlossen, "seine finanzielle Situation zu verbessern" und die Rentnerin auszurauben, sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ehrl bei der Urteilsbegründung.

Nachdem Milan R. sein Opfer längere Zeit ausgeforscht hatte, stieg er den Ermittlungen zufolge am Vormittag des zweiten Weihnachtsfeiertages 2020 über ein gekipptes Fenster in das Haus von Sanja C. ein. Da dabei Blumenkästen zu Boden fielen, lief die 67-Jährige in ihre Küche und traf auf Milan R. Der 102 Kilo schwere Maschinentechniker, so das Gericht, habe in dieser Situation Sanja C. sofort mit "hoher Intensität geführte Faustschläge ins Gesicht" versetzt. Die Rentnerin, die zu diesem Zeitpunkt allein im Haus war, hatte keine Chance. Nach den Faustschlägen traktierte R. den Kopf seines Opfers zudem noch mit einem Schraubendreher. Bei der Schilderung des Tatgeschehens durch die Vorsitzende hält sich eine der Angehörigen von Sanja C., die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, die Ohren zu, eine andere beginnt bitterlich zu weinen.

Der Angeklagte habe den Tod der Rentnerin billigend in Kauf genommen, sagte Richterin Ehrl. Laut dem Gutachten eines Gerichtsmediziners kam die 67-Jährige durch ein stumpfes Schädel-Hirn-Trauma und Blutverlust ums Leben. Nach Angaben des Forensikers starb die Rentnerin aber nicht sofort, bis zum Tod dauerte es vermutlich zwei bis zehn Stunden.

Nachdem er sein Opfer niedergeschlagen hatte, suchte und fand Milan R. in deren Haus Bargeld. Wie viel er erbeutete, ist unklar. Der 53-Jährige machte während des Prozesses, der Mitte September begonnen hatte, keinerlei Angaben. Einem psychiatrischen Sachverständigen gegenüber soll Milan R. in der Untersuchungshaft jedoch geäußert haben, dass er die "Zeit gerne zurückdrehen würde".

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