Kurzkritik:Leidenschaft und Wehmut

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Das Pavel Haas Quartet begeistert im Prinzregententheater.

Von Harald Eggebrecht

"Schubert - der freundlichste unter den Riesen, doch gleichzeitig auch der fürchterlichsten einer, mit dem man nie fertig wird." An diesen Spruch von Johannes Brahms konnte man denken, als das vor zwanzig Jahren gegründete fabelhafte Pavel Haas Quartet das letzte Streichquartett Franz Schuberts in G-Dur im Prinzregententheater nicht einfach sehr gut spielte, sondern in seinen bestürzenden dramatischen Dimensionen, harmonischen Wildheiten, der elementaren Heftigkeit seiner Kontraste und der Weite seiner Klangflächen in alle Richtungen ausmaß und im besten Sinne erschöpfend und mit geradezu orchestraler Wirkung realisierte.

Die Elastizität und Geschmeidigkeit der wunderbaren Primaria Veronika Jarůšková im bei aller Energie nie harten Bogenansatz, die violinistische und kommunikative Gegenwärtigkeit vom zweiten Geiger Marek Zwiebel, die sonore Fülle und rhythmische Prägnanz vom Bratscher Karel Untermüller und die bezaubernde Legatofähigkeit und melodische Kraft des Cellisten Peter Jarůšek versammelten sich zu einer fulminanten Aufführung dieses Stücks von symphonischem Ausmaß und Charakter. Leidenschaft und Wehmut, explosive Attacke und zartes Sinnieren, mächtige Fortissimo-Gefechte und dann wieder das Hinaustreten auf Lichtungen feinsten Pianissimoflirrens - es war bewegend.

Nach der Pause Antonin Dvořáks vorletztes Quartett Op. 106 , auch in G-Dur. Er hat es nach der Rückkehr aus Amerika komponiert. Auch hier geht es großräumig und symphonisch zu. Wie Dvořák bewunderungswürdig melodischen Einfallsreichtum in raffiniertester Kompositionsarbeit einfängt und ihm doch etwas gleichsam frei improvisiertes lässt, wie er die Klangfarben der vier Instrumente harmonisch und dynamisch bis ins Ekstatische ausreizt und rhythmisch bis zu fast perkussiven Effekten kommt, dagegen die Sanftheit betörenden Streichergesangs setzt, all das wurde zum mitreißenden Erlebnis durch die Kunst des Pavel Haas Quartets. Den Ovationen dankten die Musiker mit einer berührenden Zugabe aus Dvořáks Zyklus "Zypressen".

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