Oktoberfest:Wiesn-Tische für 2022 im Verkauf - Wirtin klagt gegen Online-Händler

Abbau des Oktoberfests in München, 2019

Schon eine Weile her: Abbau des Oktoberfests 2019, die Figuren vom Zelt der Ochsenbraterei werden auf einen Lastwagen verladen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Internet werden bereits Reservierungen im Ochsenbraterei-Zelt für das Oktoberfest im nächsten Jahr gehandelt - zu horrenden Preisen und ohne Legitimation.

Vierstellige Summen für einen Bierzelt-Tisch auf dem Oktoberfest: Wiesnwirte kämpfen seit Jahren gegen den Zweitverkauf reservierter Plätze durch Online-Händler. Erstmals wehrt sich nun eine Wirtin vor Gericht. Antje Schneider von der Ochsenbraterei klagt gegen ein Portal, das schon jetzt Plätze für 2022 anbietet. Am Freitag will das Landgericht München I eine Entscheidung verkünden.

"Diese Plattformen haben niemals Reservierungen von uns bekommen. Wir geben ganz bewusst keinem Zwischenhändler Reservierungen, da es bei diesen nicht um einen Mehrwert für die Kunden geht", sagt die Wirtin und Chefin der Haberl Gastronomie, die mehrere Gaststätten betreibt, darunter den Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten. Zudem sei die Weitergabe von Reservierungen mit Gewinnerzielungsabsicht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen. "Damit das Oktoberfest ein Volksfest bleibt, gibt es für Zeltbetreiber für die Tischreservierungen offizielle Regeln."

Der Online-Anbieter verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 2008 zu Bundesligakarten. Demnach sei grundsätzlich der Erwerb von Dritten erlaubt. Er könne nur in Ausnahmefällen untersagt werden, wenn ein sogenannter Schleichbezug vorliege, "also wir Personen ,vorschicken' würden, die Karten kaufen mit dem Ziel, sie an uns weiterzuverkaufen", heißt es in einer Stellungnahme. Das sei aber hier nicht der Fall.

Die Klage sei der richtige Schritt, sagt Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). "Die Wiesn ist für alle da - unabhängig davon, wie groß der Geldbeutel ist." Wiesnwirte-Sprecher Peter Inselkammer spricht von "Wucherpreisen". "Moralisch finde ich es nicht gut, dass mit etwas gehandelt wird, das bei uns nichts kostet." Zur Klage von Wirtin Schneider sagt Inselkammer: "Es ist richtig, dass die Kollegin da durchgreift." Bei den Wirten müssen Gäste nur Verzehrgutscheine kaufen. Die Reservierung ist im Kern kostenfrei. Auf den Plattformen kostet ein Platz meist ein Vielfaches der Gutscheine. Inselkammer warnt: Die Wirte stornierten gemäß den AGBs bei Kenntnis jeden Tisch, der weiterverkauft wurde. Immer wieder einmal stünden Kunden dann im Zelt und hätten bezahlt, aber keinen Tisch.

Für 2022 haben die Wirte noch keine Bewerbungen abgegeben, die Stadt hat nicht über Zulassungen entschieden. "Seriös kann man jetzt keine Tisch-Reservierungen für das nächste Jahr erwarten", sagt Baumgärtner. Ob es eine Wiesn 2022 gibt, ist ohnehin nicht sicher. Schon zum zweiten Mal ist jetzt das Volksfest wegen der Pandemie ausgefallen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) freilich möchte nächstes Jahr eine Wiesn haben. Man arbeite an Konzepten, "wie die Wiesn 2022 stattfinden kann und die Besucherinnen und Besucher so sicher wie irgend möglich Spaß haben können".

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