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Nahverkehr in München:MVG hat derzeit zu wenige Züge - was sich ändern soll

Dutzende Avenio-Züge hat die Münchner Verkehrsgesellschaft bei Siemens bestellt, sie sollen von 2021 nach und nach ausgeliefert werden.

Dutzende Avenio-Züge hat die Münchner Verkehrsgesellschaft bei Siemens bestellt, sie sollen von 2021 nach und nach ausgeliefert werden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat momentan nicht genug Züge zur Verfügung, die Folge sind Ausfälle und überfüllte Trambahnen, vor allem auf der Linie 15.
  • Das Verkehrsunternehmen wartet noch immer auf die Zulassungsbescheide für mehrere neue Züge, die bereits Ende vergangenen Jahres geliefert wurden.
  • Gute Nachrichten gibt es dagegen bei der U-Bahn: Die Probleme an den 21 Zügen von der ersten Generation des Typs C2, sind weitgehend behoben.

Ausfälle und überfüllte Trambahnen: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat derzeit nicht genug Züge zur Verfügung, um in den Hauptverkehrszeiten alle Taktverstärker fahren zu lassen. Besonders betroffen ist die Linie 15, die zwischen Max-Weber-Platz und Großhesseloher Brücke verkehrt. Zwar fährt auf derselben Strecke auch die Linie 25. Die ist zum Ärger der Fahrgäste aber regelmäßig heillos überfüllt.

Funktionieren beide Linien, fährt auf der Strecke alle fünf Minuten eine Tram, die Fahrgastströme verteilen sich. Aber die MVG hat das Problem, dass ihr ständig Wagen fehlen. Das Verkehrsunternehmen wartet noch immer auf die Zulassungsbescheide für mehrere neue Zugeinheiten, die bereits Ende vergangenen Jahres geliefert wurden. Es geht um Avenio-Züge von Siemens. Von denen hatte die MVG zunächst vier neue vierteilige Züge und neun Zweiteiler zur Zulassung angemeldet, sie sind bereits im Einsatz. Bald, so die Hoffnung, sollen weitere neun dreiteilige Züge zugelassen werden. Eigentlich hätten sie bereits Ende September im Einsatz sein sollen, aber die technische Aufsichtsbehörde kommt nicht so schnell voran, wie sich das die MVG gewünscht hätte.

Sind die Dreiteiler endlich im Einsatz, steht eine weitere Zulassungsprüfung an, und zwar für die Fünfteiler, die durch das Koppeln der Zweier- und Dreier-Einheiten entstehen. Auch wenn diese bereits einzeln zugelassen seien, erklärt MVG-Sprecher Matthias Korte, müsse der sogenannte Doppeltraktionszug noch geprüft werden. Dies hätte zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember abgeschlossen sein sollen, doch der Termin ist nicht mehr einzuhalten. Jetzt rechnet die MVG mit einer Zulassung Anfang 2020. Dann soll es zu keinen Ausfällen mehr kommen.

Sperrung der Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße

Die neuen Einheiten werden deshalb so dringend gebraucht, weil alte Fahrzeuge nicht so schnell repariert werden können, wie es sein sollte. Der Grund ist die teilweise Sperrung der Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße, die baufällig ist. Zwar ist gleich daneben ein komplett neuer Betriebshof vorgesehen, dem unter anderem die Sportstätten des SV Stadtwerke weichen müssen. Doch die Pläne für den Betriebshof werden noch einmal überarbeitet. Mit einer Inbetriebnahme vor 2026 ist nicht zu rechnen. Stattdessen baut die MVG bis 2021 eine vorübergehende Werkstatt, um wieder mehr Fahrzeuge schneller reparieren zu können.

Bis dahin wirkt sich jeder einzelne Zwischenfall auf den Gesamtbetrieb aus. Wird etwa ein Mensch bei einem Unfall mit einer Straßenbahn verletzt, wie es erst wieder am Dienstagabend passierte, muss die MVG auf die Freigabe des Fahrzeugs durch die Polizei warten. Und wenn ein Zug beispielsweise entgleist, wie am selben Tag geschehen, muss dieser technisch geprüft werden - und steht dann erst einmal nicht zur Verfügung.

73 weitere Avenios hat die MVG bereits bestellt, von 2021 an werden sie nach und nach ausgeliefert. Bis dahin sind zwei der rund 50 Jahre alten P-Wagen im Einsatz - auch auf der Linie 15. Diese Straßenbahn-Oldtimer sind zwar alles andere als barrierefrei und komfortabel. Da sie aber über eine wesentlich einfachere Technik verfügen, lassen sie sich immer wieder reparieren und fahren wohl noch länger.

Bei der Tram wie auch bei den Bussen, soll mit fortschreitender Digitalisierung der Verkehr effektiver organisiert werden und auch die Fahrgastinfo wird sich bis zum Jahr 2023 deutlich verbessern. 3,6 Millionen Euro an Investitionen sind hierfür vorgesehen.

Die Lage bei der U-Bahn

Gute Nachrichten gibt es auch bei der U-Bahn: Die Probleme an den 21 Zügen von der ersten Generation des Typs C2 sind weitgehend behoben, unter anderem musste die Software aktualisiert werden. Bei fünf Zügen steht noch eine Revision der Brandbekämpfungsanlage aus, von Mitte Dezember an sollen aber wieder alle durch den Untergrund rollen - mit unbefristeter Zulassung.

Das bedeutet aber nicht, dass es nicht auch weiterhin in der U-Bahn zu Störungen kommen wird. Denn immer wieder fehlt krankheitsbedingt Personal. Die tägliche Meldung an den Bahnsteigen, dass es auf der stark frequentierten Stammstrecke der U3 und U6 zu Verspätungen und Ausfällen komme, wird so schnell nicht verschwinden. Die Informationen für die Fahrgäste sollen aber deutlich genauer werden. Die besagte Meldung kommt immer und überall auf der Strecke als pauschale Aussage. Sie informiert aber nicht darüber, welche Züge genau ausfallen. Das soll sich in den nächsten Jahren mit der Fertigstellung der neuen Leitstelle und der fortschreitenden Digitalisierung ändern.

Millionen für Informationssystem

Dank automatisierter Steuerung soll dann auch ein flüssigerer U-Bahn-Verkehr möglich sein, und die MVG soll auf Störungen schneller reagieren können.

© SZ vom 02.11.2019/mmo
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