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Nachverdichtung:Holz-Hochhäuser für die Messestadt

Das Band an hohen Bauten liegt zwischen den Ausstellungshallen der Messe im Norden und dem Wohngebiet im Süden.

(Foto: Mahl Gebhard Konzepte mit Sauerbruch Hutton)
  • In der Messestadt Riem sollen elf neue Hochhäuser aus Holz entstehen. Die Höhe der einzelnen Gebäude variiert zwischen 45 und 60 Metern.
  • Das Konzept stammt von der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, die auch in der Geschäftsführung der Bundesgartenschau 2005 saß. Mit der Nachverdichtung soll auch Raum für "innovative Wohntypologien" geschaffen werden.
  • Stadtbaurätin Elisabeth Merk will im Herbst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Die Messestadt Riem soll auf spektakuläre Weise wachsen und ein neues städtebauliches Markenzeichen bekommen: Wo sich heute zwischen den Ausstellungshallen und dem südlich angrenzenden Wohngebiet Freiflächen befinden, soll ein Band mit elf Hochhäusern in Holzbauweise entstehen. Die Höhe der einzelnen Gebäude variiert zwischen 45 und 60 Metern. Vorgesehen sind erschwingliche Mietwohnungen, Räume für innovative Unternehmen oder für die Stadtverwaltung. Erstmals könnte auch eine Wohnungsbaugenossenschaft einen Turm übernehmen.

"Wir stellen uns eine ganz besondere Mischung von fortschrittlicher Architektur, bei der Belegung der Komplexe und der Nutzung der Freiräume zwischen den Hochhäusern vor", sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Noch ist das Vorhaben zwar nur eine Planungsidee. Doch Merk ist überzeugt, dass die Vision auch in die Tat umgesetzt werden kann. Nach der Sommerpause will sie sich vom Stadtrat einen Prüfungsauftrag für das Messestadt-Projekt geben lassen.

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Das Konzept für das Hochhaus-Band stammt von der Münchner Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Andrea Gebhard, die die Entwicklung der Messestadt schon lange begleitet. Nachdem klar war, dass im Erdinger Moos ein neuer Airport entsteht und das Riemer Flughafengelände von 1992 an frei wird, begannen die Planungen für das neu Stadtviertel. Gebhard war als Abteilungsleiterin im städtischen Planungsreferat für die Grünplanung im neuen Stadtteil zuständig. Im Jahr 2000 trat sie in die Geschäftsführung der Bundesgartenschau ein und arbeitete maßgeblich an der Gestaltung der Buga 2005 in der Messestadt mit.

Seit dieser Zeit beschäftigt sich Gebhard auch mit Fragen des Wohnungsbaus in dem Quartier, das gerade sein zwanzigjähriges Bestehen gefeiert hat. Weil es in München immer enger wird, die Einwohnerzahlen und die Preise für Wohnungen steigen, freie Flächen dagegen immer weniger werden, gewinnt die sogenannte Nachverdichtung beim Bauen in den Stadtvierteln immer mehr an Bedeutung. Wo kann München überhaupt noch wachsen, ohne dass es zu Konflikten mit der vorhandenen Nachbarschaft kommt? Dieses Thema erreicht nun auch die Messestadt Riem.

Das Viertel ist inzwischen fast fertiggestellt, der fünfte Bauabschnitt wird zur Zeit geplant. Mit ihren zwanzig Jahren zähle die Messestadt mit rund 16 000 Bewohnern zu den jüngeren Quartieren, da müsse man durchaus vorsichtig sein mit grundlegenden Veränderungen, sagt die Stadtbaurätin: "Wir feiern jetzt vieles, was dort gelungen ist, aber man darf die Frage stellen, wie es dort weitergeht." Jetzt müsse man die Chance nutzen, in der Mitte der Messestadt einen Beitrag zur Baukultur zu leisten, sagt Andrea Gebhard. Die breite Willy-Brandt-Allee, die sich südlich des Messegeländes zwischen den U-Bahnhöfen Messestadt West und Messestadt Ost erstreckt, hat nach Ansicht von Gebhard keine bedeutende Funktion und sei für eine Nachverdichtung interessant. Sowohl die von Süden anschließende Wohnbebauung als auch das Ausstellungsareal von Norden wendeten dieser Achse ihren Rücken zu: "Es stellt sich die Frage, ob hier nicht mit einer besonderen städtebaulichen Figur ein attraktiver Boulevard geschaffen werden kann."

Aus der Willy-Brandt-Allee in der Messestadt Riem soll ein Boulevard mit elf Hochhäusern werden. Simulation: Mahl Gebhard Konzepte mit Sauerbruch Hutton

Auf dem Areals zwischen den beiden U-Bahnhöfen könnten bis zu 800 Mietwohnungen in Verbindung mit sozialen Einrichtungen und Kindertagesstätten gebaut werden. Die neuen Bewohner hätten es auch nicht weit zum Riemer Landschaftspark. Die Gebäude auf zuvor leer stehendem Terrain sollen in einer Kette von "innovativen und experimentellen Wohntypologien" entstehen. Auch Verwaltungs- und Bürohäuser sind möglich. Das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton (Museum Brandhorst und ADAC-Zentrale in München) hat entsprechende Studien bereits in Konzepte für die Gebäude in Holzbauweise übertragen.

Vorgesehen sind zum Beispiel Gemeinschaftsflächen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sowie auf der Dachterrasse. Es gibt ein Café mit angeschlossenem Co-Working-Bereich. Fahrrad- und Recycling-Räume gehören zum Konzept. Eine zentrale Rolle spielt die intensive Begrünung der Dachzonen. Dort sind auch Mietergärten geplant. Der Grundstücksverbrauch, der durch die Bauform des Hochhauses ohnehin minimiert sei, heißt es im Konzept, könne durch die begrünte Dachfläche kompensiert werden. Die Grünflächen würden ja auf höhrem Niveau wieder zur Verfügung stehen.

München kann in der Messestadt Riem durch die Nachverdichtung an der Willy-Brandt-Allee wachsen. Davon ist die Stadtbaurätin überzeugt. Voraussetzung für eine endgültige Beurteilung ist aber eine Machbarkeitsstudie. Sie soll aufzeigen, wie man die vorgeschlagene Hochhaus-Bebauung auf der tieferliegenden U-Bahntrasse realisieren kann. Weitere Punkte, die geprüft werden müssen, sind zum Beispiel die Nutzung der Gebäude, Lärmschutz oder Stellplatznachweise.

Merk hat keine Zweifel, dass alles gut funktionieren wird. Aber es geht ihr auch um Verbesserungen im Quartier, die nicht gleich die Dimensionen einer ganzen Hochhaus-Zeile haben. So soll das bisherige Farbkonzept für die Bauten, das einheitliche Weißtöne mit wenigen Nuancen und Farbtupfern vorsieht, überarbeitet werden. Die Messestadt wird damit in Zukunft möglicherweise optisch sehr viel bunter. Und dann gibt es da noch den Kiosk am Zugang zum U-Bahnhof Messestadt West, am Beginn der Willy-Brandt-Allee. Der Kiosk steht die meiste Zeit leer und könnte nach Ansicht der Stadtbaurätin zu einem lebendigen Ort der Begegnung umgestaltet werden.

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