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Lieferservices in München:Stets zu Diensten

Gorillas, Flink, Knuspr: Das Lieferservice-Geschäft boomt, fast alles wird heutzutage bis an die Wohnungstür gebracht. Und das manchmal innerhalb von Minuten. Ein Überblick über die Anbieter in München.

Von Catherine Hoffmann

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Rewe Lieferservice Zentrallager Bergkirchen

Quelle: Catherina Hess

Die blitzschnelle Lieferung von Lebensmitteln ist zum Geschäftsmodell der Pandemie geworden. Neue Lieferdienste wie Gorillas oder Flink versprechen, Waren innerhalb von zehn Minuten bis an die Haustür zu bringen. In München und anderen Großstädten drängen immer mehr Start-ups auf den Markt, die Supermarktwaren zustellen, je schneller desto besser. Die Newcomer machen allen Konkurrenz, die schon länger Online-Handel für Nahrungsmittel anbieten, wie der Lieferservice von Rewe, Bringmeister von Edeka oder Amazon Fresh. Hinzu kommen junge Lieferanten biologischer und regionaler Lebensmittel, die Gemüse und Fleisch direkt vom Erzeuger vermarkten.

Jahrelang zeigten die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland den Angeboten von Online-Lebensmittelhändlern die kalte Schulter und kauften Fleisch und Gemüse lieber im Supermarkt oder beim Discounter um die Ecke. Jetzt sollen sie sich plötzlich beliefern lassen - zu Kampfpreisen von 1,80 Euro, ein Klick und schon steht der Radelbote vor der Tür? "Die Bereitschaft von Konsumentinnen und Konsumenten, Lebensmittel online zu kaufen, war bereits vor der Coronapandemie deutlich erhöht. Doch mit dem ersten Shutdown haben die Bestellungen schlagartig zugenommen", sagt Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung beim Institut für Handelsforschung (IFH) Köln. "Das lockt viele neue Player an."

Warum sollte Onlinehandel mit Lebensmitteln nicht funktionieren? Mit Kleidung und Schuhen klappt es ja auch, obwohl es anfangs hieß: das muss man erst anprobieren. Nur ist das Geschäft mit frischen Lebensmitteln komplizierter. Die Margen sind klein, vieles muss gekühlt werden, ein Paketversand mit DHL oder Hermes ist nicht möglich. Und doch wächst das Geschäft rasant.

Noch gibt es nur Hochrechnungen für 2020, aber die lassen aufhorchen: "Der Online-Handel mit Lebensmitteln hatte Zuwachsraten von bis zu 70 Prozent", sagt IFH Köln-Expertin Stüber. "Der Onlineanteil wird die Zwei-Prozent-Marke knacken." 2019 lag der Anteil des Liefergeschäfts am gesamten Lebensmittelhandel nur bei 1,4 Prozent. Das sieht erst einmal bescheiden aus. Allerdings werden in Deutschland mit Lebensmitteln 226 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt. Zwei Prozent davon sind eine Menge Geld - gut 4,5 Milliarden. Also drängen die neuen Schnelllieferanten in die Großstädte, wo sich auf engem Raum viele zahlungskräftige und bequeme Kunden finden lassen.

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Rewe, Edeka und Amazon

Rewe Lieferservice Zentrallager Bergkirchen

Quelle: Catherina Hess

Wer schon da ist, sind Rewe, Edeka und Amazon Fresh mit ihren Lieferdiensten. Nummer eins im E-Commerce-Geschäft mit frischen Nahrungsmitteln ist nach Einschätzung von Experten der Kölner Handelskonzern Rewe, der mit großem Aufwand ein bundesweites Liefernetz aufgebaut und in der Pandemie weiter investiert hat. Alle drei bieten ein deutlich größeres Sortiment an als die Start-ups wie Gorillas oder Flink. Dort kann man aus Tausenden von Produkten auswählen, darunter frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, sowie alle Dinge des täglichen Bedarfs.

Die Lieferkosten sind allerdings höher als bei den Neuen: Bei Amazon Fresh muss man Prime-Kunde sein. Alle drei verlangen einen Mindestbestellwert zwischen 20 und 50 Euro. Hinzu kommen Liefergebühren: Bei Amazon Fresh kosten Bestellungen unter 80 Euro 3,99 Euro. Bei Rewe und Edeka richten sich die Kosten nach Liefertermin und Bestellwert und liegen zwischen null und 5,90 Euro. In puncto Schnelligkeit können die Drei mit den flinken Start-ups nicht mithalten. Geliefert wird oft erst am nächsten Tag.

Doch das Geschäft läuft. "Seit Beginn der Pandemie und während der Zeit der Kontaktbeschränkungen hat die Online-Lebensmittellieferung zunehmend an Bedeutung gewonnen", sagt eine Sprecherin von Amazon Fresh. "Viele Kundinnen und Kunden haben zum ersten Mal Lebensmittel online bestellt und wir sehen nun, dass viele von ihnen den Service weiterhin regelmäßig nutzen." Auch Rewe verzeichnet "seit Beginn der Pandemie eine verstärkte Nachfrage", im stationären Handel und online.

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Gorillas

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Quelle: Stephan Rumpf

Spätestens seit sich das Start-up Gorillas Ende vergangenen Jahres mehr als 30 Millionen Euro Investorengeld gesichert hat, stehen die Zeichen auf Wachstum. Gorillas verspricht, per App ausgewählte Lebensmittel in wenigen Minuten zu liefern. Das geht natürlich nur in begrenzten Innenstadtgebieten, derzeit sind es das Glockenbachviertel, Laim, Schwabing und Sendling. Damit es mit der Zustellung klappt, werden in den Vierteln eigene Mini-Warenlager unterhalten. Dort werden die bestellten Artikel in wenigen Minuten kommissioniert und an die Kuriere übergeben, die dann auf ihren E-Bikes zu den Kunden ausschwärmen.

So funktioniert's: Über die App wählt man aus rund 1000 Lebensmitteln oder Drogerieartikeln aus, zahlt per Kreditkarte oder Paypal plus 1,80 Euro Liefergebühr. Geliefert wird von Montag bis Samstag von 8 bis 23 Uhr. Verkauft wird nach Unternehmensangaben zu den üblichen Einzelhandelspreisen. Die Auswahl ist im Vergleich zu Rewe, Amazon Fresh oder Bringmeister begrenzt - es muss ja alles in den Mikrolagern Platz finden. Kleine Stückzahlen führen dazu, dass einige Produkte schnell ausverkauft sind. Bio-Zitronen, Ritter Sport Alpenmilch, Giesinger Erhellung Kellerbier und vieles mehr sind beispielsweise am Mittwochmittag "Bald zurück!". Für den großen Wochenendeinkauf eignen sich die Gorillas eher nicht, aber sie sind eine Rettung bei Heißhunger auf Chips, wenn der Kühlschrank mal wieder leer ist oder beim Backen das Mehl ausgeht.

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Flink

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Quelle: Flink

Ganz ähnlich funktioniert Flink. Der Dienst deckt momentan die Maxvorstadt, das Glockenbachviertel, Schwabing, Ludwigstadt-Isarvorstadt und Lehel ab. Weitere Stadtteile sollen bald folgen. Mit knapp 2000 Artikeln ist das Sortiment an Lebensmitteln, Drogerieprodukten und Getränken größer als bei Gorillas. Dazu zählen übrigens auch Corona-Schnelltests, die zum Einkaufspreis verkauft und wie alles andere auch in zehn Minuten geliefert werden. Ausgefahren wird zu denselben Zeiten und Kosten wie bei Gorillas. Einige Kunden bestellen bereits jeden Tag bei Flink.

Das Start-up liefert an Studenten und ins Seniorenheim, an den Krankenpfleger, der von der Spätschicht kommt, genauso wie an die Anwältin, die sich nach einem langen Tag auf ein kaltes Bier freut. Zur Kundschaft zählen potenziell alle, die ein Smartphone besitzen. Investoren scheint das zu überzeugen: Flink hat renommierte Investoren und Business-Angel an Bord, die das Start-up mit Know-how unterstützen, darunter die Gründer von Flixbus.

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Knuspr

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Quelle: Knuspr

Das Geld der Investoren macht es möglich, dass so viele Start-ups die etablierten Anbieter angreifen können. In den Startlöchern steht auch der tschechische Online-Supermarkt Rohlik mit der deutschen Tochter Knuspr, ausgestattet mit 190 Millionen Euro aus der jüngsten Finanzierungsrunde. Anfang August soll es in München losgehen.

Die wichtigsten Unterschiede im Vergleich zu Wettbewerbern sieht Jan Gerlach, der für den Einkauf verantwortlich ist, in Sortiment und Schnelligkeit. Knuspr will anfänglich rund 8000 Artikel aus seinem Lager in Garching nach ganz München und Umgebung liefern. "Besonderes Augenmerk gilt frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Milchprodukten und Backwaren, vieles davon von regionalen Erzeugern und Münchner Feinkostgeschäften", sagt Gerlach. So kooperiert man mit Feinkost Käfer, der Metzgerei Klobeck vom Viktualienmarkt und der Brotmanufaktur Schmidt.

Die Vielfalt des Angebots unterscheidet Knuspr von Gorillas und Flink. Von Rewe und Bringmeister will man sich durch Geschwindigkeit abheben: Wer bis 19 Uhr bestellt, wird noch am selben Abend beliefert - und nicht erst am nächsten Tag. So ein Geschäftsmodell kann nur dann profitabel sein, wenn möglichst viele Kunden den großen Wocheneinkauf bei Knuspr machen. Bestellt werden kann ab 29 Euro Mindestbestellwert, ab 69 Euro ist die Lieferung kostenlos. Noch offen ist, wie viel das Zustellen kosten wird.

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Frischepost

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Quelle: Frischepost

Neu in München sind zudem zwei kleine Anbieter, die nicht auf die Supermarktfülle der Handelsriesen setzten, sondern auf landwirtschaftliche Betriebe aus der Region, darunter auch viele Biobauern. Seit Januar liefert Frischepost Dienstag, Donnerstag und Freitag Bio-Lebensmittel innerhalb des Mittleren Rings und in Stadtteilen drumherum; bestellt werden muss am Vortag bis elf Uhr. "Es ist total schön zu sehen, dass wir kontinuierlich wachsen", sagt Geschäftsführerin Lisa Simon.

Das regional und saisonal geprägte Sortiment umfasst zwischen 800 bis 1000 Produkte. Die Preise sind mit jenen im Biosupermarkt vergleichbar. Vorteil: so gut wie keine Lebensmittel werden vergeudet. Der Bauer erntet nur, was die Kunden zuvor geordert haben. "So kommt alles topfrisch beim Verbraucher an", sagt Simon. "Und wir können eine bessere Qualität und längere Haltbarkeit bieten als Lieferdienste mit Lagerhaltung." Die Liefergebühr liegt zwischen 2,50 und 5,50 Euro, sie entfällt bei einer Bestellung von über 69 Euro.

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Wochenmarkt24

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Quelle: Wochenmarkt24

Erst vier Wochen alt ist die Genossenschaft Wochenmarkt24 in München, die vorerst nur den Norden und Osten der Stadt beliefert und Regionales vom Hof ins Haus bringt. Wer bis 18 Uhr bestellt, wird am nächsten Morgen bis sechs Uhr beliefert. Fleisch, Gemüse oder Käse gehen in der Nacht an die Kunden raus, vieles davon ist bio, anderes konventionell angebaut. "Wir haben keine Zwischenlager und Zwischenhändler, die den Preis drücken würden", sagt Geschäftsführerin Katalin Eichinger. "Die Preise werden von den Landwirten selbst bestimmt."

Für die Online-Plattform und die Logistik erhält Wochenmarkt24 einen Teil des Umsatzes. Die Kunden bekommen dafür alles, was sie auf einem Bauernmarkt oder im Hofladen finden würden, bis vor die Haustür geliefert, ohne dass sie mit dem Auto über die Dörfer fahren müssen. Und sie bekommen es, wie Katalin Eichinger sagt, "ultrafrisch". Der Mindestbestellwert beträgt 20 Euro, eine extra Liefergebühr fällt dann nicht an. Nachhaltig und fair - auch so kann Online-Lebensmittelhandel aussehen.

© SZ/sonn
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